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19.08.2012

09:50 Uhr

Gastkommentar

Helfen mit Augenmaß

Europa soll der Heimatmarkt für Deutschland bleiben. Deshalb fordert der ehemalige Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Friedrich Merz, dass deutsches Steuergeld nur zielgenau für die Euro-Rettung ausgegeben wird.

Friedrich Merz war Chef der Unionsfraktion im Bundestag. dapd

Friedrich Merz war Chef der Unionsfraktion im Bundestag.

Vor wenigen Wochen veröffentlichte das World Economic Forum den Bericht zur globalen Wettbewerbsfähigkeit der Industriestaaten in den Jahren 2010 und 2011. Drei relativ kleine Staaten stehen auf dem olympischen Siegerpodest: die Schweiz, Schweden und Singapur. Wettbewerbsfähigkeit bemisst sich nach den Kriterien des WEF über die Leistungsfähigkeit der staatlichen Institutionen, die Infrastruktur, das makroökonomische Umfeld, das Gesundheits- und Erziehungssystem, Markteffizienz einschließlich des Arbeitsmarktes, die Entwicklung der Finanzmärkte, technologische Fähigkeiten sowie die Größe und Qualität der Märkte.

Nach den Anstrengungen, die Europa und Amerika in den letzten Jahrzehnten unternommen haben, um ihre Wirtschaft voranzubringen, ist es doch erstaunlich, dass drei kleine Staaten in diesem Ranking jetzt vorn liegen. Woran liegt das? Offensichtlich sind kleine Staaten besser und schneller in der Lage, auf globale Herausforderungen zu reagieren als große Nationen oder große Staatengemeinschaften. Im Gegensatz zu den USA und Europa sind die drei führenden Länder relativ homogen in ihren Strukturen, sie sind politisch und administrativ einfacher zu führen, und sie gehören keinem größeren Währungsraum an.

Nun stehen auch die USA und zahlreiche Mitgliedstaaten der EU in ihrer globalen Wettbewerbsfähigkeit nicht so schlecht da. Deutschland ist in den zwei Jahren seit dem letzten Report sogar von Platz sieben auf Platz fünf vorgerückt. Aber die Abstände zwischen den Mitgliedstaaten der EU, auch zwischen den Mitgliedern der Währungsunion, werden größer, und die USA sind von Platz zwei auf Platz vier zurückgefallen. So zeigt sich, dass Europa und Amerika nicht nur ein großes finanzpolitisches Problem, ihre extrem hohe Staatsverschuldung, lösen müssen; beide Kontinente müssen sich zugleich darauf konzentrieren, an der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Industrie zu arbeiten.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

19.08.2012, 10:22 Uhr

"Wir bleiben auch niemandem dafür etwas schuldig, allerdings haben wir ein großes Interesse daran, dass gerade für unsere Unternehmen die Märkte offen bleiben und zu allererst Europa und nicht Deutschland allein unser Heimatmarkt bleibt."

Blöder weise wird der markt in Europa gerade durch Sparpakete trocken gelegt, und was trotzdem noch innerhalb Europas exportiert wird, das zahlen wir über Target-Salden selber. Abgesehen davon sank der Export in die Eurozone seit Einführung dieser "Währung" nachweisbar.

Wenn die Schweiz als kleiner Staat mit eigener Währung glänzend da steht, sollte uns das doch allen zu denken geben.

Gebt den toten Gaul Euro endlich auf und tragt ihn zu Grabe. Und schafft endlich diese unselige Bürokratie in Deutschland und EU auf, weniger ist mehr!

no-bail-out

19.08.2012, 10:29 Uhr

Bei diesem Artikel sollte meines Erachtens über das wir nachgedacht werden. Ist mir wir Deutschland und seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gemeint, so ist die Aussage sich nicht entschuldigen zu müssen selbstverständlich nachvollziehbar.
Sind mit wir diejenigen gemeint die eine gemeinsame Währung auf den Weg gebracht haben, welche die Stimmrechte in der EZB zu verantworten haben, welche die Stabilitätskriterien verletzt und Betrüger in die Währungszone aufgenommen haben, dann ist eine Entschuldigung längst, längst überfällig!

Edelzwicker

19.08.2012, 10:30 Uhr

Es wäre schön, dazu mehr zu lesen als unangemessene historische Vergleiche, die das Klima vergiften und die die politische Unterstützung für Europa auch in Deutschland schwinden lässt.
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Ja, alles richtig. Nur werden die historische Vergleiche bemühenden Staatschefs in Europa von demokratisch nicht legitimierten "Eliten" in Brüssel sekundiert, die - wie Barroso, Juncker oder Schulz - wie die Chroknaben in den lasziven Gesang von Monti, Rajoy und Samaras einstimmen. Die also ganz explizit UNSER STEUERGELD "fordern", ohne auch nur ansatzweise dazu berechtigt zu sein. Diese Forderungen zeigen uns Deutschen täglich, dass wir uns in falscher Gesellschaft befinden. Denn eine Nation, die von anderen Geld in diesen exorbitanten Größenordnungen "fordert", ohne auch nur eigene Anstrengungen zu präsentieren, ist keinen Schuss Pulver bzw. keinen Euro wert!

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