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08.03.2012

22:34 Uhr

Gastkommentar

Hoher Preis für Halbherzigkeit

VonRaguram Rajan

Die gute Nachricht: Es gibt eine Lösung für die finanzielle Misere der Euro-Zone, so Finanzprofessor Raguram Rajan. Doch die Politiker reagierten oft zu spät auf Krisenereignisse. So erzeugten sie „Untätigkeitskosten“.

Vor kurzem war ich in Europa, wo ich Ökonomen, Journalisten und Geschäftsleute traf, die über ihre Politiker gründlich frustriert waren. Warum, so fragten sie sich, können die Politiker den vor ihnen liegenden Abgrund nicht erkennen und sich zusammensetzen, um die Euro-Krise ein für alle Mal zu lösen? Selbst wenn keine Einigkeit darüber besteht, wie diese Lösung aussehen könnte, stellt sich die Frage, warum man nicht einen Plan konzipiert, der über die wiederholt ergriffenen, halbherzigen Maßnahmen hinausgeht. Politiker werden den Problemen Europas nicht gerecht, weil sie der Entwicklung ständig hinterherhinken. Warum ist es für sie so schwierig, Führerschaft zu übernehmen?

Die beste Antwort, die ich auf diese Frage gehört habe, stammt von Axel Weber, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank und scharfsinniger politischer Beobachter. Webers Ansicht zufolge verfügen politische Entscheidungsträger einfach nicht über das Mandat, Probleme im Vorfeld anzugehen, vor allem, wenn es sich um neuartige Probleme handelt, die anfangs klein erscheinen, aber potenziell hohe Kosten verursachen, wenn sie nicht gelöst werden.

Raguram Rajan ist Professor für Finanzwissenschaften an der Universität Chicago. Bloomberg News

Raguram Rajan ist Professor für Finanzwissenschaften an der Universität Chicago.

Tritt das Problem zum ersten Mal auf, ist die Öffentlichkeit von den potenziellen Kosten der Untätigkeit nicht überzeugt. Wird das Problem durch Maßnahmen abgewendet, hat die Öffentlichkeit keine Ahnung von der verhinderten Misere, und die Wähler strafen die Politiker deshalb für die unmittelbaren, durch diese Maßnahmen entstandenen Kosten ab. Selbst wenn Politiker die Katastrophe zur Gänze voraussehen könnten, die ohne Gegenmaßnahmen eintritt, haben sie wenig Möglichkeiten, ihre Wähler oder weniger einsichtsvolle Parteimitglieder von den kurzfristig zu bezahlenden Kosten zu überzeugen.

So bleibt es bei Lippenbekenntnissen, und in Ermangelung gegenteiliger Beweise erscheint die Erhaltung des Status quo bequem genug. Die Möglichkeiten politischer Entscheidungsträger, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, werden erst mit der Zeit größer, wenn manche Kosten der Untätigkeit spürbar werden.

Kommentare (7)

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Dr.NorbertLeineweber

08.03.2012, 23:04 Uhr

In der Ökonomie bezeichnet man das, was Prof. Weber so schön andeutet als Staatsversagen. Das Entscheidungskonstrukt aus Politikern, Bürokratie, Lobbys und Wählern funktioniert nicht. Selbst wenn die Wähler sich informieren wollten, würde dies ins Leere laufen. Die Presse und die Rundfunkanstalten liefern ein unterirdisches Niveau um ihre ideologisches Klientel zu beglücken. So kann auch die Eurokrise nicht bewältigt werden. Konkret behauptet z.B. Fricke von der FTD (Chefökonom), dass deutliche Lohnerhöhungen beschäftigungssteigernd wirken "Teuer aber sexy!" Das ist auch sonst noch weit verbreitet. Lohnzurückhaltung: Pfui Teufel! Fricke behauptet weiter, dass die bösen Deutschen mit ihrer Sparpolitik die Außenhandelsbilanzüberschüsse und die Schulden der Pleiteländer verursacht haben. Wie bitte sollen da strukturelle Reformen in der EU erklärt werden? Von einer Umsetzung erst gar nicht zu reden! Und wenn sich Leser in Kommentaren negativ dazu äußern, wird zensiert was das Zeug hält. Ach ja, und Leute wie Prof. Weber und Prof. Sinn sind für die meisten Deutschen auch nicht der Rede wert und werden in Foren übel beschimpft.
Das Journalistendiktat zerstört die Anpassungsvoraussetzungen in allen Bereichen. So ist das und nicht anders. Man könnte ein ganzes Buch dazu schreiben. Nur Das HB und die FAZ sind in der Höhe der Zeit, den Rest kann man vergessen. Da kann man gut verstehen, dass die Eliten keine Lust haben diesem Völkchen zu dienen. Die Eliten müssen versagen. Da hätte Henkel noch deutlicher werden können.

Politijanix

09.03.2012, 06:48 Uhr

Die Wirtschaftswoche informiert gut. Und auch die Deutschen Mittelstands Nachrichten.
Fricke und Münchau hingegen haben offensichtlich bei Goebbels gelernt! Widerlicher ist Propaganda nicht darstellbar!

Adolf

09.03.2012, 07:50 Uhr

Die Behauptung dass gerade Axel Weber die beste und scharfsinnigste Antwort auf die Frage, warum man nicht einen Plan konzipiert, der über die wiederholt ergriffenen, halbherzigen Maßnahmen hinausgeht, gegeben haben soll ist schon eine Zumutung, gerade der Herr Weber ist, wegen falscher Beratung von Frau merkel, hauptverantwortlich für die zöglrliche deutsch Haltung bei der Lösungsfindung für die Schuldenkrise.

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