Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2012

21:38 Uhr

Gastkommentar

Mehr Steuern statt Entschädigungen für Pendler

VonThomas Straubhaar

Die Förderung von Pendlern widerspricht allen Bemühungen, Energie einzusparen, sagt der Präsident des HWWI, Thomas Straubhaar. Statt durch eine Pauschale entschädigt zu werden, sollten Pendler lieber mehr Steuern zahlen.

Stau im Berufsverkehr in Hamburg. dpa

Stau im Berufsverkehr in Hamburg.

Höhere Spritpreise sorgen für Empörung unter den Autofahrern. Politiker erkennen im anschwellenden Wutpotenzial der Bevölkerung eine exzellente Chance, mit populären bis populistischen Forderungen auf Stimmenfang zu gehen. Weit oben auf der Beliebtheitsliste steht eine Anhebung der Pendlerpauschale.

Zunächst wird der Staat ermächtigt, allen Autofahrern über Mineralöl-, Öko- und Mehrwertsteuer viel und immer mehr Geld wegzunehmen. Dann fordert man den Staat auf, das Geld zurückzugeben, aber bitte schön nur den Pendlern. Gemeinhin nennt man eine solche Umverteilung, für die alle bezahlen, von der aber nur einige begünstigt werden, eine Privilegienwirtschaft.

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). dapd

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Dass von einer höheren Pendlerpauschale vor allem gut verdienende Alleinstehende besonders profitieren, lässt erst recht den Anschein von Klientelpolitik entstehen. Die Pendlerpauschale verströmt einen Ruch von Paternalismus. Damit ist gemeint, dass der sich so klug fühlende Staat wie der gütige Vater zu wissen vorgibt, dass Pendler das Auto aus wichtigeren - und damit eben zu fördernden - Gründen benutzen als andere, die beispielsweise Kinder in die Schule oder Kranke ehrenamtlich zur Dialyse fahren.

Warum sollen nur Pendler begünstigt werden, nicht jedoch andere Menschen, die unter steigenden Benzinpreisen genauso leiden? Wenn der Wirtschaftsminister das Gefühl hat, dass Autofahrer in Deutschland für den Sprit zu viel bezahlen und deshalb staatlich entlastet werden müssen, dann soll er schlicht die enorme steuerliche Belastung für Benzin senken.

Natürlich ist es richtig, dass die Pendlerpauschale die Mobilität fördert. Aber selbst wenn sie (temporär) mithelfen könnte, Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt zu verringern, heißt das noch lange nicht, dass man diesen positiven Effekt nicht durch andere Maßnahmen billiger und besser erreichen kann.

Kommentare (50)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

hg67

19.04.2012, 21:50 Uhr

Hm...mal eine Frage an den werten Herrn:
Ich denke nicht, das alle Pendler sich das freiwillig aussuchen, jeden Morgen/Abend weite Wege zur Arbeits auf sich zu nehmen..ich denke, viele haben keine andere Wahl, ich kann mir gut vorstellen, dass sich manche Schichten, dies nicht vorstellen können.
Frage: Weshalb sollte der pendler die Kosten der Fahrt nicht absetzen können, so wie Herr Straubhaar die Kosten für sein Notebook/ Rechner sicherlich auch von seiner Steuerschuld absetzt. Er könnte sicherlich auch noch aus Papier schreiben und ein entsprechendes Manuskript beim HB einreichen..
Kleiner Denkanstoss-...

Sebastian

19.04.2012, 21:58 Uhr

DAS IST ES!!! DER KOMPLETTE VERFALL DES HANDELSBLATT!!!
Jetzt wird jeder Scheiß publiziert!

Mit der Entfernungspauschale, im Volksmund Pendlerpauschale, werden im deutschen Einkommensteuerrecht die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte pauschaliert. Die Entfernungspauschale mindert das zu versteuernde Einkommen. Die Pauschale kann von allen Arbeitnehmern und Selbständigen in Anspruch genommen werden, unabhängig von der Höhe der tatsächlichen Aufwendungen und gleichgültig, ob sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Motorrad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Kfz zur Arbeitsstelle gelangen.

[...]
[+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

Christian

19.04.2012, 22:24 Uhr

Lieber Herr Straubhaar,
ich beneide sie um den klaren Verstand und ihren logischen Schlussfolgerungen.
Das Leben hat sie reich beschenkt und sie sollten dankbar sein.
Sie können sich offenbar ihre Jobs und ihre Arbeitsstätten selbst aussuchen.
Glückwunsch !
Leider trifft das nur auf einen kleinen Teil der Arbeitnehmer zu.
Es soll Arbeitnehmer geben, die auch so einen schlauen Chef haben, der zudem
auch noch (wahrscheinlich wie sie) ganz toll entlohnt wird.
Und dieser schlaue und zu Recht ganz übermäßig bezahlte Chef hat sich
entschieden, die Zentrale seiner ebenso tollen Firma z.B. nach München zu verlegen.
Er selbst konnte zwischen mehreren schönen Behausungen im Umfeld von
Bogenhausen oder Nyhmenburg eine aussuchen, gezahlt hat die Firma.
Leider hatten die nicht so schlauen und deutlich weniger gut bezahlten MA
nicht dieses kleine Glück. Auch sie mußten zwar jetzt in München arbeiten, aber
die Firma hatte wenig Lust deren Wohnstätten zu subventionieren.
Dieses ja nennen wir es beim Namen, dieses undankbare Pack mußte doch glatt
mit dem Auto oder der Bahn zur neuen Arbeitsstätte fahren.
Sie haben Recht, eine völlig unverständliche und sehr persönliche Entscheidung !
So was sollte der Staat nicht noch belohnen.
Besser die Steuern für deren Chef senken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×