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22.06.2012

09:18 Uhr

Gastkommentar

Notheis lässt jeden Anstand vermissen

VonLudwig Poullain

Ludwig Poullain vermisst beim Investmentbanker Dirk Notheis jegliches Taktgefühl. Notheis' E-Mails seien dreist, ungehobelt und schamlos in Diktion und Wortgebrauch. Mappus wirft er verantwortungsloses Verhalten vor.

Ludwig Poullain war von 1969 bis 1977 Chef der Westdeutschen Landesbank. Dominik Asbach

Ludwig Poullain war von 1969 bis 1977 Chef der Westdeutschen Landesbank.

Mich haben die Erfahrungen meines langen Lebens gelehrt, nichts offenbart das Motiv des Handelns eines Menschen und sein Wesen so sehr wie die Art, sich im gesprochenen oder geschriebenen Wort mitzuteilen. Diktion und Wortschatz geben ihn preis.

Den mannigfaltigen Verletzungen guter Sitten und der Gesetze redlichen Handelns, die die heutige Generation der Bankerzunft während der letzten Dutzend Jahre zugefügt haben, hat nun einer von ihnen, der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley, Dirk Notheis, einen schweren Tort hinzufügt. Die veröffentlichten Schriftsätze, die er per E-Mail an den damaligen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Stefan Mappus, im Zusammenhang mit dem Kauf von EnBW-Aktien geschickt hat, zeigen die Wesensmerkmale eines Menschen auf: dreist, ungehobelt, schamlos, in Diktion und Wortgebrauch.

Einem Ministerpräsidenten Texte zuzuleiten, die die deutsche Kanzlerin als „Mutti“ titulieren, lässt jegliches Gefühl für Takt und Anstand vermissen.

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Heute sucht der Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags weitere Aufklärung. Schon jetzt ist klar: Landeschef Mappus ließ sich vom Morgan-Stanley-Banker rumkommandieren. Anstandsregeln kannte Notheis dabei nicht.

Nicht nur aus dem Bedrängen des Empfängers, nur ja nicht eine andere Bank als Begutachterin der Kaufpreisforderung heranzuziehen, spricht die bange Sorge, der Plan des Erwerbs könne scheitern und damit seine Honorarforderung relativieren, und die Ungeduld auf einen baldigen Abschluss des Kaufvertrags.

Und da seine Oberen in London und New York Notheis frei gewähren ließen, darf ich schließen, dass sie ebenso wie er an dem schnellen Abschluss und dem üppigen Honorar von zwölf Millionen Euro interessiert waren. Von einer sorgfältigen Beratung, gar von der Fürsorge, dass sein Klient den richtigen Kaufpreis zahlt, spüre ich in den E-Mails keinen Hauch.

Kommentare (10)

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Bmehrens

22.06.2012, 09:37 Uhr

Ausgerechnet Herr Poullain - Wenn ich mich richtig erinnere, war die WestLB bereits ab seiner Führung die führende Skandalbank

rapag

22.06.2012, 09:52 Uhr

Bmehrens, versuchen Sie mal zu differenzieren... Eine solch klare Stellungnahme ist anzuerkennen.

Account gelöscht!

22.06.2012, 10:10 Uhr

Ich bin etwas verwundert, daß sich ausgerechnet Ludwig Poullain zu Fragen des Anstands bei Bankern äußert; bei Wikipedia kann man nachlesen, daß er in dieser Beziehung offenbar selber Dreck am Stecken hat ("objektiv unerlaubte Vorteilsannahme").

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