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10.05.2012

21:31 Uhr

Gastkommentar

Paris stellt sich selbst ins Abseits

VonDavid Marsh

Die angespannte Situation nach der Wahl von François Hollande zum Präsidenten erinnert an die Lage nach der Machtübernahme von François Mitterrand. Schon damals rangen Berlin und Paris um die richtige Währungspolitik.

David Marsh ist Co-Chairman von OMFIF. PR

David Marsh ist Co-Chairman von OMFIF.

„Eine nicht unkomplizierte Lage“, beschrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel mit pragmatischem Understatement die gegenwärtigen deutsch-französischen Beziehungen. Das deutsche Vertrauen in die Wirtschaftspolitik des frisch gewählten sozialistischen Präsidenten Frankreichs ist erschüttert.

Nicht zum ersten Mal. Man schreibt das Jahr 1981. Karl Otto Pöhl, der Präsident der Deutschen Bundesbank, bekräftigte gegenüber Zentralbankkollegen in Frankfurt, die Wirkung der monetären Stabilisierungsmaßnahmen in Frankreich wie auch in ?Italien sei nur temporär. Er strebe eine Änderung des französischen wie des italienischen Wechselkurses an. Eine "Suspendierung" der französischen Beteiligung am Währungssystem schien ihm opportun. Auf gut Deutsch: Die Notenbanker wollten schon damals, im Jahre 1981, die Franzosen aus dem europäischen Währungssystem, dem Vorgängermechanismus der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU), entfernen.

Ein frappierender Befund. Denn im Jahr 2012, nach dem Wahlsieg François Hollandes über Nicolas Sarkozy, droht Frankreich nun das gleiche Schicksal wie vor drei Jahrzehnten: von einem wirtschaftlich dominanten Deutschland auf das Abstellgleis gesetzt zu werden.

Laut jetzt zugänglich gemachten Bundesbankakten fragte Pöhl kurz nach dem Wahlsieg François Mitterrands über Valéry Giscard d'Estaing im Mai 1981 seinen Zentralbankratskollegen: "Wie lange werden die Franzosen das durchhalten, was wollen sie eigentlich?" In düsteren Tönen kündigt Pöhl an, nach der Entscheidung für eine neue sozialistische Führungsfigur stelle Frankreich "ein Schlüsselproblem" dar.

Plus ça change! Die Geschichte liest sich wie eine Vorschau auf den Mai 2012. Nach wie vor wird der Bundesrepublik von den Franzosen vorgeworfen, allzu wenig Rücksicht auf die europäischen Partner zu nehmen. Genauso wie vor drei Jahrzehnten sind deutsche Sparprogramme und eine stabilitätsorientierte Geldpolitik in Europa denkbar unbeliebt.

Freilich hat es mittlerweile schon einige Verbesserungen gegeben. 1981 bekämpfte die Bundesrepublik eine schleichende Abwertung der D-Mark gegenüber dem durch die Hochzinspolitik der US Federal Reserve hochgetriebenen Dollar, eine Entwicklung, die nach dem Befund der Bundesbank die Inflation auf gefährliche Weise anheize.

Kommentare (2)

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Ich_bin_aus_Deppendorf

11.05.2012, 09:59 Uhr

Das Wichtigste in diesem Artikel ist der Hinweis auf den Euro-Brandstifter Helmut Schmidt, der schon Anfang der Achtziger seinen Krieg gegen die damalige Bundesbank begann, indem er mit Frankreich zusammen Bond haben wollte. Damit hätte er die Bundesbank in ihrer Unabhängigkeit ausgehebelt - ein immerwährendes Ziel dieses willensfanatischen und überforderten Keynesianer. Heute bezichtigt der die Bundesbank als "reaktionäre Nationalisten". Entweder ist dieser Mann aus der Altherrenriege mittlerweile völlig vertrottelt, leidet an Altersstarrsinn, oder die ihm bisweilen noch entgegengebrachte Hochachtung ist eine Medienhype geschuldet - gute Rhetoriker haben es schließlich leicht in Deutschland - auch in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts!

Wenn die Verantwortlichen für das Euro-Desaster festgemacht werden, dann gehört Helmut Schmidt mit auf die Anklagebank!

Deutschland-AG

11.05.2012, 18:52 Uhr

Merkwürdig wie die Sachen anderes aussehen ob sie von einem deutsch-nationalen oder von einem normalen Deutsche beobachtet werden!
Richtig wäre: Berlin stellt sich selbst ins Abseits!

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