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06.03.2012

16:29 Uhr

Gastkommentar

Putins letzter großer Sieg

VonNina Chruschtschowa

Diese Präsidentschaftswahl war relativ fair. Aber das ganze System ist faul. Daher wird Putin kaum sechs Jahr im Kreml überstehen. Dafür sorgen die Opposition und die eigenen Leuten, schreibt Chruschtschows Urenkelin.

Nina Chruschtschowa, Professorin für Politik an der New School in New York und Ur-Enkelin von Nikita Chruschtschow, dem früheren sowjetischen Regierungschef. Pressefoto

Nina Chruschtschowa, Professorin für Politik an der New School in New York und Ur-Enkelin von Nikita Chruschtschow, dem früheren sowjetischen Regierungschef.

Schon wieder Putin! Nach diesen Wahlen könnte er weitere zwölf Jahre im Amt bleiben. Eine Horrorvorstellung. Dabei muss man aber zugeben: Diese Wahlen waren wahrscheinlich fairer als alle anderen im Russland in den vergangenen 20 Jahren. Die Wahl 1996 von Boris Jelzin war manipuliert, denn nur wenige Monate vorher schnitt er bei Umfragen noch unter zehn Prozent ab. Im Jahr 2000 lag Wladimir Putin, der von Jelzin nominiert worden war, vorne – weil kein anderer Kandidat den Staatsapparat hinter sich hatte.

2004 war er dann populär, aber fälschte quasi aus Gewohnheit die Wahl so weit, bis er die traditionelle sowjetische Marke von 96 Prozent erreichte. An diesem Sonntag mussten die Behörden dann zum ersten Mal beim Fälschen wenigstens vorsichtig vorgehen, um nicht zu viel Ärger auf sich zu ziehen.

Das Problem in Russland ist aber gar nicht, dass die Wahlen nicht legitim sind. Sondern das ganze System ist faul – die Herrschenden üben Druck aus, und wir ergeben uns. So besehen waren die Wahlen am Sonntag eher ein Gewinn für die Opposition als ein Verlust.

Wenigstens mussten die Mächtigen sich diesmal Sorgen über die Legitimität der Wahlen machen und den Anschein von Demokratie wahren. Putin hat freilich in seinen jüngsten Reden und Artikel völlige Verachtung für seine Gegner gezeigt. Aber dafür tragen wir selbst die Schuld – wo waren wir, die Sympathisanten der Opposition, denn bisher?

Wie geht es weiter? Die Opposition in den Städten wird wahrscheinlich immer stärker die Aufmerksamkeit darauf lenken, was alles in den russischen Institutionen nicht funktioniert. Als der prominente Aktivist Alexej Nawalnij, ein charismatischer Blogger und Anti-Korruptions-Anwalt mit einer gewissen Neigung zum Nationalismus, am Montag die Demonstranten ermutigte, weiter auf den Straßen Moskaus zu protestieren, trieb die Polizei sie brutal auseinander.

Kommentare (3)

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hajohans

06.03.2012, 19:10 Uhr

Wir und das russischen Volk muessen dankbar sein, dass es
einen Putin gibt. Auch Frau Chruschtschowa bestaetigt, dass
die Mehrheit der Russen ihn wollen. Das in Russland einiges
im Argen liegt, wissen wir. Wenn man die deutsche Opposition hoert, sieht es hier nicht viel besser aus.
Aber ich glaube, dass Putin der Mann ist, der die Dinge
am ehesten verbessern kann.

DERRichter

06.03.2012, 19:33 Uhr

Bei der Dame scheint der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein. Man kann nicht einerseits die Meinung vertreten,
Putin habe vollkommen natürlich 60 Prozent Zustimmung und dann erwarten, er werde nicht einmal sechs Jahre als Präsident durchhalten. Wer so beliebt ist, der hat auch Atem für weitere 12 Jahre als Präsident. Gaddafi und Co.
hatten eben nicht mehr die Zustimmung von 60 Prozent der
Bevölkerung. Im übrigen ist Putin wahrscheinlich wirklich gut für Russland. Er wird dem Land Stabilität und Wachstum
geparrt mit einer gewissen Dosis demokratischer Freiheit
bringen. Für demokratische Experimente in Reinform ist Russland einfach wohl noch nicht reif. Da mögen sich intellektuelle Minderheiten in Moskau und die belehrenden
Neunmalklugen in Brüssel noch so sehr darüber die Seele aus dem Leib geifen.

Dima

06.03.2012, 19:42 Uhr

USA baut Raketenabwährschild und lehnen es ab die schriftlichen Garantien zu geben, dass dieser Schild nicht gegen Russland gerichtet ist. Sie versuchen den Präsidenten illegitim zu machen. Es kann Anfang eines neuen Kalten Krieg sein. Noch eine weitere Aufteilung und Rückkehr in die 90er Jahren werden Russen nicht akzeptieren. Wir haben in 20. Jahrhundert geschätzt 80.000.000 !!! (1.WK, Revolution, Stalin, 2.WK, Bürgerkriege nach Zerfall) Leute verloren. Wie lange kann es noch dauern? Wollen wir wirklich auf 3.Weltkrieg steuern? USA und Russland sollen einen echten Neustart machen, bis es nicht zu spät ist. Lieber zusammen Islamisten-Problem lösen, als die Welt auslöschen.

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