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22.08.2012

14:48 Uhr

Gastkommentar

Regierung muss die Energiewende reformieren

VonStephan Kohler

Photovoltaik und Windkraft sollen die Zukunft gehören. Doch Sonne und Wind stehen nur begrenzt zur Verfügung, auch die Netze sind noch nicht entsprechend ausgebaut. Zeit für eine grundlegende Reform des Energie-Gesetzes.

Stephan Kohler ist der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (Dena). dpa

Stephan Kohler ist der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (Dena).

Im Jahr 1980 hat das Öko-Institut die Studie zur Energiewende vorgelegt. Darin zeigte es auf, wie innerhalb von 50 Jahren durch Energieeffizienz der Energieverbrauch halbiert und dann ein Anteil von 50 Prozent durch regenerative Energieträger gedeckt werden kann. Waren die Mitarbeiter des Öko-Instituts damals nicht mutig genug, um einen 80- oder 100-prozentigen Anteil an regenerativen Energieträgern für möglich zu halten? Waren die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten damals noch nicht so wie heute? Oder stand schon damals die Erkenntnis im Vordergrund, dass es beim Ausbau und der Integration regenerativer Energietechnologien eine große Herausforderung ist, ein Industrieland sicher und preisgünstig mit Energie zu versorgen?

Richtig ist, dass seit 1980 eine rasante technologische Entwicklung bei regenerativen Energietechnologien stattgefunden hat, die sich auch in einer starken Kostenreduktion dokumentiert. Im gleichen Umfang wie sich die Preise nach unten bewegten, stiegen bei den politischen Parteien die Erwartungen an den Ausbau der regenerativen Energieträger. Es fand praktisch ein Wettlauf statt, wer den höchsten Anteil bietet. Noch vor fünf Jahren galten zum Beispiel 30 Prozent regenerative Stromerzeugung als sehr hoher Wert. Dann kamen Gutachten vom Umweltbundesamt und vom Sachverständigenrat für Umweltfragen, die eine 100-prozentige regenerative Stromversorgung als möglich, ja sogar volkswirtschaftlich vorteilhaft darstellten, ohne dabei aber die Systemintegration im Fokus zu haben. Nach Fukushima waren dann nur noch 100-Prozent-Szenarien politisch korrekt. Gleichzeitig wurde der Ausbau durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit einer 20-jährigen Abnahmegarantie stark gefördert und für den Investor praktisch risikolos.

Der große Fehler war, dass fast alle Szenarien eine rein mengenmäßige, also auf die Bereitstellung von Kilowattstunden bezogene Betrachtung durchführten. Die Besonderheiten der regenerativen Stromerzeugung aus Wind- und Photovoltaikanlagen wurden dabei nicht oder nur sehr wenig beachtet. Diese sind aber im höchsten Maße systemrelevant. Große Fluktuation, hohe Gleichzeitigkeit und nicht immer bedarfsgerechte Stromerzeugung sind die wesentlichsten Merkmale, gepaart mit einer geringen jährlichen Verfügbarkeit der installierten Leistung. Am Beispiel der Photovoltaik lässt sich dies gut dokumentieren. Um ein Prozent der deutschen Stromerzeugung mit Photovoltaik bereitzustellen, muss eine Leistung von 10 000 MW installiert werden. Diese steht aber nur dann zur Verfügung, wenn die Sonne scheint.

Kommentare (9)

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Charly

22.08.2012, 15:04 Uhr

"Infrastruktur hält nicht Schritt mit Technologie-Ausbau"

ja, und warum ist das so.
weil die Verbrecher in den Energiekonzernen ihren Verpflichtungen, die ja schon seit langer Zeit bekannt sind nich nachgekommen sind.
Wie wäre es mal mit Strafzahlungen für die Verantwortlichen?
Wie wäre es mal mit einer Enteignung von Tennet & Co?

Account gelöscht!

22.08.2012, 15:06 Uhr

Die Regierung muß nicht die Energiereform reformieren, sie muß die Macht es Energiekartells brechen.
Wenn die Energiemonopolisten nicht gewillt sind, ein entsprechendes Netz zu erstellen, muß es eben der Staat betreiben. Der Privatisierungswahn ist bei diesem Quasimonopol an grenzen gestoßen - nicht erst seit der Energiewende. Bereits beim Stromausfall im Münsterland 2006 zeigte sich wie marode das Energienetz ist, die Masten waren fast 100Jahre alt. Abgaben, die der verbraucher für Netzausbau zahlt wurden als gewinne für die Eigner zweckentfremdet. Diese Gelder müssen vom Staat im Namen der Verbraucher eingefordert werden. Keinesfalls darf es zu einer weiteren Subventionierung des unfähigen und unwilligen Energiekartells mit Steuergeldern - wie von Rößler und Altmeier betrieben - kommen.

Account gelöscht!

22.08.2012, 15:09 Uhr

"Natürlich schickt die Sonne keine Rechnung, sprich Wind- und Photovoltaikanlagen haben keine Brennstoffkosten."
Nur darum geht es. Ist der grundlegende Ausbau abgeschlossen, hat das Energiekartell ein Problem, weiter explodierende Strompreise zu begründen!

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