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17.09.2012

18:14 Uhr

Gastkommentar

„Regulierung durch Wettbewerb“

VonWolfgang Clement

Die europäische Industrie hat einen schweren Stand. Immer wieder muss sie sich politischen Entscheidungen beugen – zulasten betriebswirtschaftlicher Vernunft.

"Die europäische Industriepolitik ist keine Ruhmesgeschichte." ap

"Die europäische Industriepolitik ist keine Ruhmesgeschichte."

Die globale Finanzkrise hat's möglich gemacht: Industriepolitik ist wieder "in", in Europa wie in den USA. Sie hat allen, die es vergaßen, die Augen geöffnet: Die Industrie ist das Fundament erfolgreicher Wirtschaftspolitik. Ohne sie läuft's nirgends!

Deutschland, noch vor wenigen Jahren als "kranker Mann Europas" verschrien, gilt heute als Vorbild. Die industrielle Substanz hat unser Land zu einem der erfolgreichsten Exporteure der Welt gemacht und entscheidend geholfen, dass wir die Finanz- und Wirtschaftskrise bisher besser als alle Partnerländer durchstehen konnten.

Gegen wen EADS und BAE antreten

Umkämpfter Markt

Die Politik spielt immer eine große Rolle bei Rüstungsfirmen, schließlich ist sie nicht zuletzt der wichtigste Kunde. Das spiegelt sich auch in der Konkurrenzsituation der Konzerne wieder. Ein Überblick.

Boeing

Der Erzrivale von EADS und dessen Tochterfirma Airbus, momentan vor allem bei Verkehrsflugzeugen mit über 100 Sitzplätzen. Die beiden Konzerne sind führend auf dem Weltmarkt. Verkaufsschlager sind die Mittelstreckenflieger der Baureihen A320 und B737. Airbus hatte in den vergangenen Jahren die Nase vorn, doch Boeing konnte den Konkurrenten im ersten Halbjahr bei den Auslieferungen überholen.

Boeing

Boeing liefert gleichzeitig so etwas wie die Blaupause für die geplante Fusion der Europäer. Der Konzern hatte 1997 den heimischen Wettbewerber McDonnell-Douglas übernommen und damit sein militärisches Standbein ausgebaut. Im ersten Halbjahr steuerte das Rüstungs- und Sicherheitsgeschäft zusammen mit der Raumfahrt knapp die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Zu den Produkten gehören Kampfhubschrauber (AH-64 Apache), Kampfjets (F/A-18), Transportflugzeuge (C-17 Globemaster III) sowie unbemannte Drohen und Aufklärungsmaschinen (E-3 Awacs).

Boeing

Vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erwies sich die Rüstungssparte als wertvoll. Boeing profitierte von den steigenden Militärausgaben der USA und konnte damit die Bestelleinbrüche bei den Passagiermaschinen abfedern. Momentan sind Verkehrsjets die Renner, während das Rüstungs-Standbein mit Einschnitten in den Militärbudgets vieler Staaten klarkommen muss.

Lockheed Martin

Amerikas größter Rüstungskonzern. Das Unternehmen stellt die Kampfjets F-16, F-22 und F-35 her sowie die Transportflieger C-130J Super Hercules und die riesige C-5 Galaxy. Daneben baut Lockheed-Martin unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, Raketen, Hubschrauber und Radaranlagen. Weitere Standbeine sind die Raumfahrt- sowie Informationstechnik.

Northrop Grumman

Hersteller von unbemannten Drohnen wie dem Global Hawk, von Radaranlagen, Steuersystemen oder Raketen. Bekanntestes Produkt ist der futuristisch aussehende Tarnkappenbomber B-2.

General Dynamics

Der Konzern baut unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, stellt Artilleriesystem und Munition her und steckt hinter dem US-Kampfpanzer Abrams. Ziviles Standbein sind die Gulfstream-Geschäftsflugzeuge.

Aber was ist das - eine europäische Industriepolitik? Eines ist sie jedenfalls nicht: eine Ruhmesgeschichte. Soweit sie je das Licht der Öffentlichkeit erblickte, ging es stets um "europäische Champions". Aber nur einer davon ist wirklich durchgekommen. Es ist der sehr erfolgreiche Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der sich jetzt mit der britischen BAE noch vergrößern will.

Alle weiteren Versuche scheiterten, zumeist wegen des politischen Einflusses, der allzu oft zulasten betriebswirtschaftlicher Vernunft ging. Erlebt habe ich es selbst noch beim Versuch der französischen Politik, eine deutsch-französische "maritime EADS" auf Kiel zu legen. Die fusionierten HDW/Thyssen-Krupp-Werften wollte Paris unbedingt mit den Thales- und DCN-Werken unter einen Hut bringen, und dies natürlich unter französischer operativer Führung.

Politische Reaktionen: Frankreichs Politik tut sich schwer mit Fusion

Politische Reaktionen

Paris tut sich mit Fusion schwer

Die deutschen Gewerkschaften sehen auf lange Sicht Gefahren in der Branche.

Eine staatlich gesteuerte Industriepolitik, die ohnedies nur geboten sein kann, wo - wie auf dem militärischen Sektor oder in der Raumfahrt - der Wettbewerb weltweit kraft staatlichen Handelns ganz oder weitgehend ausgehebelt ist, ist in Europa noch immer an nationalen Standortinteressen gescheitert. Paris mit seiner etatistischen Denkweise spielte dabei immer mit. Einzig EADS hat auch all die politisch verursachten Unternehmenskrisen heil überstanden.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

17.09.2012, 18:25 Uhr

Die fusionierten HDW/Thyssen-Krupp-Werften wollte Paris unbedingt mit den Thales- und DCN-Werken unter einen Hut bringen, und dies natürlich unter französischer operativer Führung.
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Was ganz neues... unsere dummen Politiker lassen sich immer wieder gerne von den Franzosen einschüchtern!
EADS Fusion nur dann, wenn der juristische Konzernsitz von Amsterdam nach München verlegt wird UND der Aufsichtratssitz der Gruppe in Münchnen liegt. Wenn schon keine operativen Hauptsitze mehr, dann wenigstens P R E S T I G E. Ganz nach den Franzosen...das werden die sicher verstehen :-)

matze

17.09.2012, 18:57 Uhr

@freie_waehler: ist mir zu wenig!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

@menschen wie herr enders können nicht verstehen was sie tun, denn sie haben nie "selbständig" neues entwickelt. modul xy konsturktiv zu tunen/überholen is keine neuerung! schein genau so ein mesch zu sein, wie der kerl von hoechst! der hat so dermassen viel wiessen, kenntnisse und fähigkeiten über die "wupper gehen lassen" - ganz stoffchemieklassen usw. es ist empörend!!!!!!!!!!!!!!!! wie kann ein solche mesch ein erbe von menschen wie obert oder braun und vielen mehr verschleudern. wo nimmt sich dieser mann das recht dazu???
ICH HABE NOCH NIE ERLEBT DAS EIN UNTERNEHMEN ZUR FILIALE GEWORDEN NICHT IN KÜRZE AUSGEHÖLLLLLT WORDEN WAR! ICH KENNE VIELE STÄDTE IN DEUTSCHLAND, DIE SO IHRE WIRTSCHAFTLICHE POTENZ VERLOREN HABEN!

JA, Herr Clement, es geht um Vielfalt und nicht um MONOPOLE. Außerdem steht die Hauptkundschaft von BAE vor dem Fiscalcliff, oder etwa nicht? KOMMT JETZT nach der SANIERUNG der STAATEN, die SANIERUNG der Firmen???

Dominik

17.09.2012, 20:51 Uhr

Warum holt das Handelsblatt immer die gleichen abenutzten Lobbyfiguren aus dem Hut. Dieser Clement sollte in sich gehen und darüber nachdenken was für ein Verräter der Sozialdemokratie er war und ist.

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