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23.05.2012

06:15 Uhr

Gastkommentar

Sarrazin provoziert Eskalation der Euro-Krise

VonGustav A. Horn

Thilo Sarrazin verbreitet mit seinem Anti-Euro-Buch falsche Botschaften. Damit trägt er in der gegenwärtigen krisenhaften Situation zu möglicherweise verheerenden ökonomischen und politischen Entscheidungen bei.

Der Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. dpa

Der Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn.

Um es vorweg zu nehmen. Das Buch „Europa braucht den Euro nicht“ von Thilo Sarrazin ist ein schlechtes und  verantwortungsloses  Buch. Des Inhalts wegen wäre beschämtes Schweigen die richtige Reaktion. Doch dies ist keine Option mehr in einem medialen Umfeld, in dem Aufregung mehr zählt als sachlicher Gehalt und Vernunft. Die massive publizistische Aufwertung des Buches durch Fernsehanstalten und verschiedene Magazine lassen Schweigen als stille Zustimmung erscheinen.

Hinzu kommt die lauwarme Kommentierung durch einzelne Ökonomen, die sich im Geflecht richtiger und falscher Fakten verheddern und damit die Botschaft aussenden, dass eben nicht alles falsch ist, was Sarrazin schreibt und sagt. Im Kern, wenn man einmal die Übertreibungen weglasse, habe er vielleicht sogar Recht. Unter diesen Umständen ist Schweigen weder inhaltlich noch moralisch zu rechtfertigen. Deshalb sei hier Widerspruch und Anklage erhoben.

Thilo Sarrazin stellte neues Buch vor

Video: Thilo Sarrazin stellte neues Buch vor

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Sicher, in Sarrazins Buch stehen auch richtige Fakten. Es gibt eben auch Richtiges im Falschen. Wir kennen die Beispiele aus der deutschen Geschichte. Aber das Buch als Ganzes ist falsch. Es fängt mit dem Titel an, zieht sich methodisch durch das ganze Buch und endet in unappetitlichen politischen Mutmaßungen, die inhaltlich nahtlos an das Vorgängerbuch anschließen und beweisen, dass es zumindest einen nationalistischen Sozialdemokraten gibt.

Der Titel ist als Provokation gedacht. Leider fangen damit schon die falschen Botschaften an. Denn die Frage, ob Europa den Euro braucht oder nicht, führt schon in die falsche Richtung. Die Einführung des Euro, die auf einen Beschluss der europäischen Staats- und Regierungschefs von 1992 zurückgeht, war ohne Zweifel ein stark politisch motivierter Beschluss vor dem Hintergrund der deutschen Vereinigung und des neuen, nunmehr offenen Europas. Ob diese Entscheidung seinerzeit falsch oder richtig war, darüber kann man lange streiten. Das mag aus historischer Perspektive von Relevanz sein. Für die heutige Entscheidungssituation ist diese Frage jedoch bedeutungslos. Denn, falsch oder richtig, der Euro wurde eingeführt.

Konjunkturprogramme - Kein Wachstum auf Pump

Um was geht es?

Die deutsche Wirtschaft ist gegen schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme. Stattdessen teilt sie den Kurs der Bundesregierung und fordert eine neue Balance von Spar- und Wirtschaftspolitik. Dabei sollen vor allem die Strukturreformen in Südeuropa vorangetrieben werden.

Hans Peter Keitel, Präsident Bund Deutscher Industrie

„Nur durch eine Kombination von intelligentem Sparen und nachhaltigem Wachstum lassen sich die Staatsschulden auf Dauer in den Griff bekommen.“

Eckhard Cordes, Ex-Metro-Chef

„Merkels Sparkurs ist richtig.“
„Haushaltskonsolidierung und Wachstum müssen keine Gegensätze sein.“

Anton Börner, Chef des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel

„Die Euro-Krise ist in erster Linie eine Staatsschuldenkrise, deshalb ist Konsolidierung nach wie vor das Gebot der Stunde.“

Michael Diekmann, Allianz-Chef

„Wenn jetzt lautstark Konjunkturprogramme gefordert werden, dann muss man meines Erachtens sehr vorsichtig sein.“

Dieter Hundt, Arbeitgeber-Präsident

„Wachstum ist weniger eine Frage des Geldes als der Strukturen. Die Verwaltungen müssen effizient arbeiten und die Märkte wettbewerblich organisiert sein.“

Josef Sanktjohanser, Rewe-Vorstand

„Die Sparanstrengungen dürfen die Konjunktur nicht völlig abwürgen.“
„Den Gegebenheiten in den einzelnen Euro-Staaten muss Rechnung getragen werden.“

Kommentare (322)

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anacondafucker

23.05.2012, 06:35 Uhr

Gesponsertes, weltfremdes Geschwafel!

dw-seneca

23.05.2012, 06:41 Uhr

Die Zeit wird beweisen, daß Sarrazin mit seinen Aussagen über den Euro und die EU 100%ig recht hat.
Und es gibt Länder wie Island und Argentinien, die beispielhaft zeigen, wie Länder wieder gesunden können. Die EU wird mit ihrem Weg und dem damit verbundenen Festhalten an der gemeinsamen Währung das genaue Gegenteil erreichen. Wenn Griechenland sich nicht aus der Klammer des Euro befreien wird, wird es stattdessen im Chaos versinken.
Aber klar ist, daß unsere EUdSSR Angst davor hat, daß Griechenland ohne Euro wieder auf die Füße käme. Also werden alle vom Staat bezahlten "Fachleute" vor einem Ausstieg warnen.

diwi

23.05.2012, 06:48 Uhr

Was für ein Blödsinn. Der Sarrazin hat vollkommen Recht. Hier redet nur wieder ein weichspülender Ökonom und Banker, der aus dem kaputten System seinen Profit zieht.

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