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23.09.2012

12:50 Uhr

Gastkommentar

Schulterschluss mit Washington

VonFriedrich Merz

Eine enge Zusammenarbeit Europas mit dem neuen US-Präsidenten ist notwendig – egal, wie er heißen wird. Insbesondere im Nahen Osten müssen Europäer und Amerikaner mit einer gemeinsamen Strategie vorankommen.

Der Autor war von 2000 bis 2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und ist seit 2009 Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V. dpa

Der Autor war von 2000 bis 2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und ist seit 2009 Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V.

Traditionell wird eine amerikanische Präsidentenwahl in einigen wenigen Bundesstaaten entschieden: Ohio, Virginia, Nevada, North Carolina und Florida sind solche „battleground states“, auf die sich die ganze Energie der Kandidaten konzentriert. Hier tobt eine gigantische Material- und Fernsehschlacht, im Rest des Landes ist von Wahlkampf hingegen wenig zu spüren.

Die Aufmerksamkeit der Wahlkämpfer konzentriert sich auf die Staaten, die nur knapp gewonnen oder eben knapp verloren werden können. Nach dem Prinzip „the winner takes it all“ winken am Ende alle Wahlmännerstimmen des gewonnenen Staates. Ganz gleich, wer das Rennen am Ende gewinnt - der Demokrat und amtierende Präsident Barack Obama oder der republikanische Herausforderer Mitt Romney -, auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten warten große und schwierige Aufgaben.

Die amerikanische Gesellschaft ist tief gespalten, Beobachter sprechen von der tiefsten Spaltung des Landes seit dem Bürgerkrieg. Der Wahlkampf wird - anders als früher - weitere tiefe Zerwürfnisse zwischen den Parteien und ihren maßgeblichen Repräsentanten hinterlassen. Obama wird sich im Falle seiner Wiederwahl voraussichtlich auch einer Mehrheit der Republikaner im Senat, nicht nur im Repräsentantenhaus gegenübersehen.

Entweder wird der den meisten Amerikanern eigentlich fremde parteipolitische Streit noch härter und noch unappetitlicher - oder aber Obama bringt das Kunststück fertig, das bisher nur Bill Clinton in seiner zweiten Amtszeit gelungen ist, nämlich eine Brücke zu schlagen zwischen ihm, dem ersten demokratischen Präsidenten, dem nach Harry Truman eine Wiederwahl gelungen war, und der Mehrheit der Republikaner in beiden Häusern des Kongresses.

Obama muss im Falle seiner Wiederwahl auf den Kongress zugehen. Was bedeutet das alles für uns? Nun, wir sollten nicht abwarten, bis in Washington wieder „normaler“ politischer Alltag herrscht. Es gibt Themen, die uns ganz unabhängig vom Ausgang der Wahlen in naher Zukunft beschäftigen und zu denen die Europäer gemeinsame Lösungen mit den USA anstreben sollten: Die Zahl der außenpolitischen Krisenherde wird größer.

Kommentare (4)

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Hagbard_Celine

23.09.2012, 14:36 Uhr

Wir treiben schon heute mehr Handel mit Russland und Polen zusammen als mit den USA, ein Trend der sich verstärkt fortsetzen wird.

Europas Zukunft liegt auf dem Kontinent, nicht jenseits des grossen Teiches.

Man muss ein Narr sein um anzunehmen das die USA europäische Interessen vertreten, wer sich auf andere verlässt ist verlassen.

Brasil

23.09.2012, 17:03 Uhr

"Man muss ein Narr sein um anzunehmen das die USA europäische Interessen vertreten..." und die deutschen Politikertrottel ist die Besatzung eines kompletten Narrenschiffs! Schiff ahoiiiiii!

Rechner

24.09.2012, 18:33 Uhr

Von den amerikanischen Raubkriegen sollte sich Europa tunlichst distanzieren, anstatt mit den Verbrechern gemeinsame Sache zu machen.

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