Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2009

05:38 Uhr

Gastkommentar

Straffere Regeln für Unternehmen

VonChristoph Zeiss

Die Finanzkrise ist zum wütenden Flächenbrand geworden, die Dimension der Krise ist ohne Beispiel. Themen, die noch bis September 2008 zu Recht von großer Bedeutung waren, sind inzwischen vollständig untergegangen oder zumindest in weitestgehende Vergessenheit geraten.

Damit ist der Erfolg vieler bedeutsamer und wichtiger Initiativen gefährdet - und damit die Weiterentwicklung unserer Wirtschaft.

Ganz oben auf der Liste der bedrohten Themen steht die Corporate Governance. Trotz - oder gerade wegen - der Krise muss insbesondere dieser Bereich der Wirtschaft weiterentwickelt werden. Denn wenn die vergangenen Monate etwas bewiesen haben, dann die Tatsache, dass mangelnde Corporate Governance eine wichtige Ursache für die Krise war. Wenn wir nicht daran arbeiten, sie nachhaltig zu verbessern, wird der Weg aus der Rezession heraus alles andere als erleichtert.

Der deutsche Corporate-Governance-Kodex hat von Anfang an daran gekrankt, dass er einerseits freiwillig und nicht bindend ist. Andererseits haben an seiner Entwicklung viele mitgewirkt, die in ihren Unternehmen gerade nicht eine bessere Governance wollten. Das hat die jüngste Vergangenheit bewiesen.

Die Zugehörigkeit zu der Cromme-Kommission wurde vielfach als weiteres schmückendes Pöstchen in der oft bereits eindrucksvollen Sammlung von Posten und Ämtern einzelner Mitglieder verstanden - prestigefördernd, aber mit geringer Wirkung. Wir brauchen deutlich straffere Regelungen zur Corporate Governance. Ob dies ohne gesetzlichen Vorstoß möglich wird, ist derzeit leider zweifelhaft. Doch man sollte die Hoffnung nicht aufgeben.

Die Präambel des Kodex spricht von Empfehlungen und Anregungen. Es wäre an der Zeit, eine verpflichtende, nicht übers Ziel hinausschießende, aber wirkungsvolle Regelung zu schaffen. So enthält der Kodex zur Rolle der Prüfer insbesondere in Fällen wie Korruption kaum ausreichende Regeln. Sinnvoll wäre die Bestellung eines externen, unabhängigen und nicht dem Unternehmen verpflichteten Compliance-Officer.

Die Zahl der Mandate, die ein Manager in Aufsichtsräten ausüben darf, ist immer noch zu hoch. Damit verringert sich einerseits die Aufmerksamkeit für das eigene Unternehmen, die wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Rolle als Aufseher wird eingeschränkt, die Verflechtung der Konzerne untereinander dagegen wird zementiert. Maximal zwei Mandate pro Mandatsträger sollten genügen, wobei der Vorsitz in einem Aufsichtsrat doppelt zählen sollte.

Ein wesentlicher Punkt ist die in der Regel nicht vorhandene persönliche Haftung des Managements. Durch die obligatorische D&O-Versicherung ist das Risiko gering. Die Kosten für die Versicherung trägt auch noch der Aktionär. Wie wäre es, eine persönliche Haftung wenigstens bis zum Zehnfachen der Jahresvergütung festzuschreiben?

Ein wesentlicher Punkt ist und bleibt natürlich die Vergütung. Unzureichende Vergütungssysteme haben zu kurzfristigem Denken im Management der Unternehmen geführt, einseitige Anreize etwa durch schnell erreichbare Boni reizen zu Verstößen. Wenn der Codex verändert wird, dann braucht er klare Transparenzregeln. Alle Vereinbarungen, die Zahlungen an das Management zur Folge haben, sind offenzulegen. Das Anreizsystem der Zukunft braucht daher eine direkte Risikokomponente auch für den Manager. Eine Chance dazu wäre das Modell einer Bonusbank. Dabei werden Auszahlungen zeitverzögert vorgenommen, und so können auch negative Entwicklungen mit Abschlägen auf dem Konto sanktioniert werden.

Zu Recht sind die ausufernden Change-of-Control-Klauseln in die Kritik geraten. Sie bieten den betroffenen Managern im Fall einer Übernahme die Möglichkeit zur Zahlung von Entgelt ohne Gegenleistung. Damit muss Schluss sein. Außerdem sollten langlaufende Zeitverträge durch unbefristete Verträge mit Kündigungsfrist ersetzt werden. Damit erledigt sich dann auch das leidige Thema der Abfindungen.

Die Forderung nach besserer Corporate Governance geht aber gerade jetzt auch an die Aufsichtsräte; der Kodex stellt an die Kontrolleure keinerlei qualitative Anforderung. Dies ist mehr als fragwürdig. Warum formuliert man keine fachliche Qualifikation der Aufsichtsräte? Berufsaufsichtsräte könnten eine Lösung sein, wenn damit ebenfalls klare und sanktionierbare Regeln erlassen werden. Es sollte angestrebt werden, die Teilnahme von Aufsichtsräten an Vorstandssitzungen obligatorisch werden zu lassen.

Und nicht zuletzt ist die im heutigen Kodex enthaltene Empfehlung, nicht mehr als zwei ehemalige Mitglieder des Vorstandes des betroffenen Unternehmens in den Aufsichtsrat zu berufen, ein Witz - und bei genauem Hinsehen ein Zugeständnis an viele Mitglieder der Cromme-Kommission. Diese Regelung ist eine Art Lex "CEO und dessen Stellvertreter", denn für die ist diese Regelung offensichtlich gemacht. Stattdessen sollte ein ehemaliger Vorstand erst nach einer Frist von fünf Jahren in den Aufsichtsrat seines früheren Unternehmens berufbar sein.

Die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder muss dagegen angehoben werden, denn ihre Tätigkeit ist komplex und fordernd. Die Vergütung sollte im Gegensatz zu aktuellen Trends fix sein, um die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats zu gewährleisten, und damit ein Gegengewicht schaffen, das an Langfristigkeit orientiert ist.

Packt man diese Notwendigkeiten an, dann dürfte das Leben in Deutschlands Vorständen und Aufsichtsräten deutlich zweifelsfreier und erfolgreicher werden. Schaffen das die Verantwortlichen nicht selbst, müsste ausgerechnet der schon reichlich strapazierte Gesetzgeber handeln. Derart Vertrauen zurückzugewinnen wäre ein Armutszeugnis für Manager und Kontrolleure.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×