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22.02.2012

20:48 Uhr

Gastkommentar

Troika muss ihren Griechenland-Kurs korrigieren

VonMohamed El-Erian

Pimco-Chef Mohamed El-Erian erinnert die Situation in Griechenland an die Krise in Argentinien vor über zehn Jahren. Allerdings müssten neue Lösungen her, damit die Griechen nicht in derselben Sackgasse landen.

Mohamed El-Erian ist Chef von Pimco/Allianz-Gruppe. Reuters

Mohamed El-Erian ist Chef von Pimco/Allianz-Gruppe.

Ein wirtschaftspolitischer Ansatz, an den keiner mehr glaubt, führt zu wachsendem Widerstand im Land, zu Straßenprotesten und Gewalt, zu Unstimmigkeiten unter öffentlichen Gläubigern und wachsender Angst der privaten Gläubiger vor einer ungeordneten Staatspleite. Die Politiker des Landes versprechen noch mehr Sparmaßnahmen von der Art, wie sie sie schon in den letzten beiden Jahren nicht umsetzen konnten.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Es trifft auf die heutige Situation in Griechenland zu - aber auch auf die in Argentinien im Jahr 2001. Und wenn Europa aus diesem Vergleich keine Lehren zieht, könnte das passieren, was auch damals geschah: Das Finanzsystem bricht zusammen, die Produktion bricht dramatisch ein, die Unruhen weiten sich aus.

Ich erinnere mich gut an das Jahr 2001 - ich war damals bei meiner Fondsgesellschaft für Kapitalanlage in Schwellenländern zuständig. Im August wandte sich Argentinien erneut mit der Bitte um mehr Geld an den Internationalen Währungsfonds (IWF), um eine Pleite abzuwenden. Die führenden Politiker waren bereit, noch mehr Verpflichtungen einzugehen, obwohl sie wussten, dass sie bisher schon zu viel versprochen und zu wenig gehalten hatten. Sie wussten auch, dass das Land es nicht geschafft hatte, wieder für Wachstum zu sorgen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Verschuldung einzudämmen.

Damals war die große Streitfrage, wer die Verantwortung für den Abstieg Argentiniens trägt. Öffentliche Gläubiger, angeführt vom IWF, verwiesen auf die Versäumnisse der argentinischen Regierung. Die wiederum machte den Sparkurs, den man ihr aufgedrückt hatte, für die Misere verantwortlich. Keine der beiden Seiten war bereit anzuerkennen, was offensichtlich war: Argentinien hatte kaum noch eine Chance, der Falle aus schwachem Wachstum plus hoher Verschuldung zu entkommen.

Die Bürger Argentiniens hatten das ganze Spiel satt. Sie glaubten nicht mehr daran, dass mit noch mehr Sparen die Stabilität wieder herzustellen sei. Denn zwischenzeitlich hatten sich praktisch alle wirtschaftlichen und finanziellen Kennziffern verschlechtert. Es gab kaum noch Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Argentiniens Nachbarn, vor allem die Mitglieder der Handelszone Mercosur, fürchteten, sich anzustecken. Sie drängten das Land, sich zu sanieren - und bereiteten sich gleichzeitig darauf vor, dass dies misslingen könnte.

Kommentare (4)

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www.steuerembargo.co.de

22.02.2012, 22:53 Uhr

Wieso sollte die Troyka ihren Kurs nochmals korrigieren. Hat doch schon auf Geheiß eine 10° Wende vollzogen! Wer will denn noch alles den Bericht diktieren?

Rapid

23.02.2012, 06:06 Uhr

Die Vorgehensweise in Argentinien mit Staatsbankrott und allen sich daraus ergebnden Umständen, war nicht nur und ausschließlich traurig und negativ, sondern letzlich als der Höhepunkt einer Krise anzusehen, auf den auch wieder eine Genesung und ein Neuanfang erfolgen konnte.
Jedes Gewitter mit Blitzeinschlägen und Donner hat auch eine reinigende Wirkung und ist nicht nur als furchterregendes Getöse anzusehen.
Das kann ebenso auf Griechenland zutreffen.

SchoenerTag

25.02.2012, 13:53 Uhr

Der Gastkommentar stellt die Realität auf den Kopf. Es waren die Sparpakete, die zum Zusammenbruch Argentiniens geführt haben, und der Zahlungsstopp 2002 war dringend nötig. Heute steht "Silberland" ökonomisch wieder hervorragend da, wie das Handelsblatt selbst mehrfach berichtete, gerade weil es die Schuldenzahlungen eingestellt und die Gläubiger zu einem jahrelangen kompletten Forderungsverzicht gezwungen hat. Die meisten Gelder mussten abgeschrieben werden. Dies ist ein Vorbild für Griechenland, kein abschreckendes Beispiel, und zeigt die Notwendigkeit eines geordneten internationalen Staatsinsolvenzrechts. Dass dies einen Gastautoren stört, der Berufsspekulant ist, verstehe ich. Mich wundert nur, dass dieser Lobby vom Handelsblatt noch immer soviel Platz eingeräumt wird.

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