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31.08.2012

15:53 Uhr

Gastkommentar von Mai 2012

Norbert Walter: Die Konjunkturzeichen stehen auf Sturm

VonNorbert Walter

Vor uns liegt die Rezession: International sieht es düster aus, Griechenland wird die europäische Solidarität sprengen und die deutsche Binnennachfrage, die nun anzieht, reicht einfach nicht aus.

Der Himmel über Frankfurt: Ganz schön duster. dpa

Der Himmel über Frankfurt: Ganz schön duster.

Oh je! Hoffentlich ist das Bayern-Debakel im Champions-League-Finale kein Menetekel für die Fußball-EM und den Sommer insgesamt. Vor allem die Wirtschaft braucht keine weiteren Tiefschläge. Aber die Weichen für den Abschwung sind bereits gestellt.

Da sind (vordergründig) vor allem die Euro-Krise und die bevorstehende politische Eruption in Griechenland.

Norbert Walter, ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank. dpa - picture alliance

Norbert Walter, ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Der linke Vulkanausbruch dort droht die Restbestände europäischer und internationaler Solidarität zu vernichten. Auf den ersten Blick scheint dies alle Seiten glücklich zu machen: Die Griechen sparen nicht, die Gönner zahlen nicht. Jeder darf wieder mit seiner Währung spielen. Aber es ist das Spielen von Kindern mit dem Feuer. Und die Erwachsenen scheinen von der Bildfläche verschwunden zu sein.

Die neuen Probleme nach der Aufgabe des europäischen Kompromisses werden größer. Die neue Welt - viele nationale Währungen - wird nicht von Stabilität und Wachstum begleitet werden. Eine tiefe Rezession, wenn nicht eine Depression, Inflation in Europas Süden und Bankensterben werden Realität. Politisch wird das Gegeneinander in Europa zur bitteren Wirklichkeit. Und die Welt wird nur für einen Wimpernschlag Schadenfreude empfinden.

Denn die Zeichen stehen für viele andere Teile der Welt wegen noch größerer Schuldenprobleme mindestens ebenso auf Sturm wie für Europa. Japan ist weit dramatischer verschuldet als Griechenland. Amerika ist mit seiner Staatsverschuldung an Italien vorbeigezogen. Nach der US-Präsidentenwahl im November wird die Politik ständig erhöhter monetärer und fiskalischer Drogenabgabe abrupt an ihr Ende kommen. Das ist der entscheidende Punkt für die Weltwirtschaft: Sie wird in die Rezession kippen. Und die heute noch prosperierenden Rohstoffländer sind dann mitten in einer tiefen Krise.

Bei solchen Vorgaben wird es der deutschen Wirtschaft wenig helfen, dass wir im Sommer 2012 die Löhne kräftig erhöht haben und unser Finanzminister bis zum Sommer gute Steuereinnahmen erzielte. Die Binnennachfrage wird uns nicht retten, weil die Bürger die Schwere der Krise erahnen und als Konsequenz jene Ausgaben, die man verschieben kann, tatsächlich auf später verschieben. Dann landet alles, was zyklisch schwingt, etwa die Automobilindustrie, tief im Keller. Ich kann mir gut vorstellen, dass selbst des Deutschen liebstes Kind - der Urlaub - eingeschränkt wird. Wie soll da Hoffnung aufkommen? Wenigstens Freundschaftsspiele gegen Holland gewinnt der FC Bayern nun ja wieder!

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

29.05.2012, 21:14 Uhr

Nur ökonometrisch hochverblendete Extrem-Technokraten können allen Ernstes den Schuldenstand Japans mit dem von Griechenland vergleichen ohne zu erwähnen, dass im einen Fall von einer leistungsfähigen Hochtechnologie-Gesellschaft mit krisenbewährter Industriekultur die Rede ist und im anderen Fall von einer kleinen Rand-Ökonomie im europäischen Verbund, die - egal ob sie die unter irrealen Zinsbedingungen angehäuften Schulden in Euro oder Drachme nicht zuzrückbezahlen wird - keinerlei Aussicht auf annähernde Wachstumsraten wie in Japan oder den USA hat.
Griechenland mit Japan und mit Nordamerika allein unter dem Aspekt des Schuldenstandes zu vergleichen, ohne die gegenüberstehende Produktivität zu berücksichtigen, ist völlig widersinnig.

Äpfel mit Birnen vergleichen, um dann zu dramatischen Rückschlüssen zu kommen - ich finde, das ist für einen Wissenschaftler, der sich selbst lange Zeit als "Brain" der Deutschen Bank dargestellt hat, ein ziemliches Armutszeugnis und eine verdammt schwache Analyse.

Ich schätze die Entstehungszeit dieses Artikels von Norbert Walter auf max. 30 Minuten, ein Flug von Frankfurt nach Düsseldorf, mehr war da nicht drin.
Und beim Handelsblatt wird offenbar auch nicht mehr redigiert, Hauptsache, es ist schön polarisierend und es steht ein einigermaßen zugkräftiger Name dahinter.

Der Artikel zeigt deutlich, dass alle Euro-Befürworter inzwischen nicht mehr mit Argumenten, sondern vorwiegend mit Polemik oder "Alternativlosigkeit" argumentieren müssen, um sich selbst wenigstens schadlos zu halten.

Der Euro ist Glaubenssache geworden: Staatsglaubenssache.

mon

29.05.2012, 21:17 Uhr

Mitten im monetären Krieg stecken wir bereits! Solange wir keinen militärischen Krieg in Nordeuropa erleben, ist für die noch lebende Politikergarde (KOHL, WAIGEL: "der Euro wird noch 400 Jahre bestehen!"...) oder auch die neue eiserne Lady aus Berlin der real eintretende Umkehrschluss sehr lehr-, und leerreich. Erinnern wir uns an die Worte von Frau Merkel, promovierte Physikerin über Fukushima: in etwa so..."so risikoreich hätte ich das nie eingeschätzt" und so eine Frau wird heute von den deutschen Wählern narzistisch abgeleckt mit Höchstquoten von Zufriedenheit. Diese schleudert gleichzeitig deren Steuergelder in einen ausgestaubten, griechischen Schlund!

Genug_vom_Euro

29.05.2012, 21:23 Uhr

Die Online-Petition beim Bundestag gegen den ESM könnten Sie hier zeichnen: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=24314

Setzen Sie ein Zeichen gegen den ökonomischen Wahnsinn!

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