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16.03.2012

10:42 Uhr

Gastkommentar

Warum Gauck der falsche Präsident ist

VonAlbrecht Müller

Nie war ein Bundespräsident schon vor seiner Wahl so populär wie Joachim Gauck. Aber Bedrohungen unserer Freiheit nimmt er nicht ernst genug. Damit ist er der falsche Präsident. Er kann aber noch der richtige werden.

Joachim Gauck. Reuters

Joachim Gauck.

Schon vor seiner Nominierung war Joachim Gauck mit einer Zustimmung von 54 Prozent der klare Favorit für die Wahl zum Bundespräsidenten. Eine übergroße Koalition aus CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP hat sich für ihn ausgesprochen. Die lange zähe Periode der Wulffschen Selbstdemontage ist vorbei und wir bekommen einen Präsidenten, der zu repräsentieren und gut zu formulieren versteht. Können wir nun alle glücklich sein? Allen begeisterten Stimmen und der „Einheitsfront“ der etablierten Parteien zum Trotz: Pfarrer Gauck ist der falsche Präsident.

Dabei passt Joachim Gauck sehr gut zu den unterschiedlichen Parteien, die ihn nominiert haben. Er erspart ihnen den neoliberalen Offenbarungseid. Werden sie sich rechtfertigen müssen für die Agenda 2010, die sehr viele Menschen ins Unglück gestürzt hat? Vermutlich nicht. Wird Joachim Gauck die Fehlentscheidungen im Zuge der Finanzkrise kritisieren? Wird er darauf hinweisen, welche großen Hypotheken daraus für uns und unsere Kinder und Enkel entstanden sind? Das ist zumindest zweifelhaft.

Zur Erinnerung: Der Rettungsschirm für die Banken hat 480 Milliarden Euro umfasst – das sind 136 Prozent des Bundeshaushalts. Die Krise um Griechenland und den Euro wurde verschärft. Wird Gauck die immer weiter fortschreitende Militarisierung der Außenpolitik kritisieren? Auch diese Frage kann man wohl schon jetzt mit Nein beantworten. Das wird vor allem eine große Entlastung für die Führungen von SPD und Grünen sein. Sie tun sich immer noch schwer damit, die Militäreinsätze im Kosovo und in Afghanistan vor ihrer Anhängerschaft zu rechtfertigen.

Wir sehen: Mit Gaucks Wahl können viele Politiker glücklich sein. Aber können das auch wir Bürger?

Stéphane Hessel, der französische Widerstandskämpfer und Überlebende des KZ Buchenwald, ein weltgewandter Diplomat, hat vor zwei Jahren eine Streitschrift mit dem Titel „Empört Euch!“ veröffentlicht. Sie ist ein Aufruf zum Widerstand gegen die Macht der Finanzwirtschaft, gegen den Abbau der sozialen Sicherheit und gegen militärische Gewalt. Nicht nur in Frankreich hat „Empört Euch!“ eine Millionenauflage erreicht. Der Überraschungsbestseller eines 93-Jährigen zeigt, dass die Zahl der Unzufriedenen wächst, und das weltweit.

Kommentare (33)

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Michael-Lemke

16.03.2012, 11:03 Uhr

Das schöne an dem Amt des Bundespräsidenten ist doch seine Unabhängigkeit.
Das schöne an der Wahl ist auch das sie so schnell geschieht ansonsten würde vom Bundespräsidenten nichts geringeres erwartet werden als die Rettung der Welt, die totale und allumfassende Gerechtigkeit und die Unsterblichkeit und die Erfindung einer Schnupfenimpfung.
Einfach mal locker bleiben und die Welt nicht im Vorhinein beurteilen und bewerten Sonden an der Gegenwart messen.
Ist unsere Zeit schon so schnelllebig gewerden als dass uns die Gegenwart nicht mehr genug ist und wir verdammt sind in immer weiter entfernter Zukunft zu leben?

Ein wenig mehr im Hier und jetzt zu verweilen täte uns auch und gerade der medienwirtschaft sehr gut.

In diesem Sinne lasst uns abwarten wie aus Herrn Gauck der Bundespräsident wird und lasst uns dann urteilen wenn er seine Linie gefunden hat.

Bleibt locker liebe Mitbürger und Schreiber!

svebes

16.03.2012, 11:18 Uhr

das mit locker ist vorbei, so wie sich die Situation darstellt. Das ganze Amt ist obsolet, verursacht Kosten und bringt nichts. Chance vertan, wieder einer auf dem Stuhl.

Profit

16.03.2012, 11:49 Uhr

Der Kommentator hat nur seine Vorurteile und seine beschränkte Sozi-Sicht der Welt ausgekotzt. Er tut so, als ob ein Bundespräsident die Welt verändern könnte; er kann noch nicht einmal Gesetze in Deutschland verändern. Also, was soll das? Im Übrigen: Die ganze (!) Welt beneidet Deutschland wegen seines Wirtschafts- und Sozialmodells. Der Kommentator ist wahrscheinlich Theologe und predigt Dinge, die nicht von dieser Welt sind. "Empört Euch!" - so ein Quatsch!

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