Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.08.2014

12:53 Uhr

Gastkommentar

Wie wir in Zukunft Krieg führen

VonRobert Helbig

Cyberangriff, Partisanenkampf, organisierte Kriminalität: Es gibt einen neuen Trend bei Konflikten – hybride Kriegsführung. Das zeigt die Krise in der Ukraine. Ein Nato-Forscher warnt: Darauf sind wir nicht vorbereitet.

Ohne Abzeichen: In dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine gibt es Soldaten, die keinem Land zugerechnet werden können. Imago

Ohne Abzeichen: In dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine gibt es Soldaten, die keinem Land zugerechnet werden können.

Im Zuge der Ukraine-Krise werden in den Nachrichten immer wieder Kämpfer ohne Abzeichen gezeigt („grüne Männchen“), die für die Brüderschaft des russischen Volkes kämpfen. Gleichzeitig stehen russische Truppen an der ukrainischen Grenze und es wird von russischen Waffenlieferungen an die ukrainischen Separatisten berichtet. Militärspezialisten sprechen angesichts dieser Lage von einer neuen Form des Konflikts: „hybrid warfare”– zu Deutsch: hybride Kriegsführung. Alle Augen sind auf Russland gerichtet, aber Moskau ist nicht der einzige Akteur, der sich dieser neuen Form des Krieges bedient. Die Nato sollte sich auf einen neuen Trend einstellen.

Bei hybriden Bedrohungen handelt es sich um staatliche oder nicht-staatliche Akteure, die den Einsatz eines ganzen Spektrums traditioneller und unkonventioneller Mittel auf taktischer Ebene verschmelzen lassen – darunter der Einsatz von Partisanenkämpfern, organisierter Kriminalität, Terrorismus, Massenvernichtungswaffen, Cyberangriffen, Störungen der Energieversorgung, wirtschaftliche Kriegsführung und Propagandakampagnen.

Robert Helbig: Stipendiat des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes.

Robert Helbig: Stipendiat des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes.

Handlungen einer solchen hybriden Strategie können Beobachter nur schwer zuordnen und voraussagen, denn die Kombattanten können sich schnell von konventionellen Truppen zu Guerillakämpfern oder Demonstranten wandeln. Eine genaue Definition für diese Art der Kriegsführung gibt es nicht und so bewegen sich die „Kämpfer“ teilweise im rechtsfreien Raum. Daher ist der Einsatz von hybrider Kriegsführung insbesondere interessant für jene Akteure, die sich beim Einsatz konventioneller Methoden vor der internationalen Gemeinschaft rechtfertigen müssten.

Als Wegbereiter der hybriden Kriegsführung gilt die Hisbollah. Organisiert in kleinen Einheiten, aber ausgestattet mit hochentwickeltem Kampfgerät hat sie 2006 im Libanonkrieg bewiesen, wie man als Guerillakämpfer mit konventionellen Methoden den Israelis empfindliche Verluste zufügen kann.

Die Nato – Was ist das?

Gründung

Mit dem Brüsseler Vertrag vom 17. März 1948 schlossen sich Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Belgien und Luxemburg nach dem zweiten Weltkrieg zu einem Bündnis für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zusammenarbeit sowie zur Selbstverteidigung zusammen. Aus dieser Gemeinschaft entstand am 4. April 1949 die „North Atlantic Treaty Organisation“, kurz: Nato.

Auftrag

Die Aufgaben der Nato wurden nach Ende des Kalten Kriegs an die neue Lage angepasst. Abschreckung und Verteidigung blieben zwar Hauptaufgaben des Bündnisses, traten jedoch etwas in den Hintergrund. Vermehrt wurde auf Dialog und Zusammenarbeit mit den „alten Gegnern“ gesetzt .Verschiedene Partnerschaftsprogramme mündeten schließlich in der Nato-Osterweiterung.

Sitz

Das NATO-Hauptquartier beherbergt mit dem Nordatlantikrat das Hauptorgan der Nato. Diese Institution hat seit 1967 ihren Sitz in der belgischen Hauptstadt Brüssel.

Mitgliedstaaten

Der Organisation gehören Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien , Island, Italien, Kanada, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, die Türkei, Ungarn und die USA an.

Vertrag

Die in der Nato formulierten Ziele haben sich im Laufe der Zeit nicht geändert, denn der Nato-Vertrag besteht in seinem Wortlaut seit 1949 unverändert. Allerdings wurden die Aufgaben der Nato an veränderte sicherheitspolitische Gegebenheiten angepasst und werden aktuell anders interpretiert.

Beitrittskandidaten

Offizielle Beitrittskandidaten der Nato sind Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien.

Noch wirksamer wird der „hybrid warfare“, wenn er von Großmächten angewandt wird. So wie Russland in der Ukraine-Krise ein breites Spektrum von nichtmilitärischen Mitteln einsetzt, setzen andere Staaten zur Durchsetzung ihrer maritimen Ansprüche nicht nur „Kanonenboot-Diplomatie“ ein. Anstelle von Fregatten schicken Militärmächte Fischerboote in umstrittene Gewässer, und verankern demonstrativ Ölbohrinseln.
Staaten untermauern ihre Aktionen mit Propagandakampagnen. Moskau hetzt im Staatsfernsehen gegen Kiew, während andere Regierungen Videos von gestellten Protestveranstaltungen verbreiten. Zudem werden Nachbarn mit Cyberangriffen attackiert und mit wirtschaftlichen Mitteln unter Druck gesetzt. Diplomatische Vereinbarungen werden untergraben oder Verhandlungen werden von vornherein boykottiert.

Eine Vielzahl prominenter Militärforscher glaubt, dass diese Art zu „kämpfen“ ein Trend der Zukunft ist. So errichtet Russland das „National Centre of State Defence Management“, das verschiedenste Instrumente der nationalen Sicherheitspolitik integriert und kontrolliert. Andere Staaten integrieren zivile Polizei- und Fischereiboote in eine Flotte, um diese vielseitig einsetzen zu können.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Micky Aus

07.08.2014, 13:39 Uhr

Hier kommt Unterstützung: Fotheringay(Sandy Denny) John the Gun (auf YT)!!!!!!!!!!!!!!!

Robert Langer

07.08.2014, 14:00 Uhr

"Eine genaue Definition für diese Art der Kriegsführung gibt es nicht und so bewegen sich die „Kämpfer“ teilweise im rechtsfreien Raum".

RECHTSFREIER RAUM??? Wer hält sich im Krieg überhaupt an Recht und Gesetz??? Und wer kann etwas dagegen unternehmen, wenn es nicht so wäre?

x-x-x-x-x-x-x-x

"Drittens sollte die Nato ihre Stimme dafür erheben, dass die UN die internationale Rechtslage in Bezug auf hybride Kriegsführung klärt".

Wie handlungsUNfähig eine UN derzeit ist, demonstriert sie selbst jeden Tag. Es ist beschämend und erschreckend lächerlich zugleich.

Herr Andreas Maehler

07.08.2014, 14:04 Uhr

ich bin mir sicher, dass alle kriegsgeilen bänker, politiker und industrielle in einen einzigen knast passen.

Warum denkt da mal keiner drüber nach.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×