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11.04.2012

13:48 Uhr

Geldanlage

In der Abwärtsspirale Inflation

VonMichael Schramm

Die Politik macht es sich leichter, die Sparer werden heftig belastet: Geldpolitiker lassen die Inflation ansteigen. Die USA hatten es vorgemacht, und Europas Geldpolitiker gehen letztlich denselben Weg.

Fed-Chef Ben Bernanke steht für den Inflationskurs. Reuters

Fed-Chef Ben Bernanke steht für den Inflationskurs.

Griechenland bietet die Blaupause dafür, wie es nicht funktioniert: Die Regierung versucht zu sparen, um den hochverschuldeten Haushalt in Ordnung zu bringen. Die Folge sind sinkende Steuereinnahmen, was wiederum weitere Einschnitte nach sich zieht. Eine Abwärtsspirale.

Einen anderen Weg gehen die USA: Sie versuchen, ihre Verschuldung durch Wirtschaftswachstum, gepaart mit einer kontrollierten Geldentwertung, in den Griff zu bekommen. Ähnliches zeichnet sich in Europa ab. Doch was den Staaten bei ihrer Entschuldung hilft, bedeutet für den Privatanleger ein herbes Vermögensrisiko.

Seit geraumer Zeit betreibt die US-Notenbank Fed eine Inflationierung des Dollars, um die reale Schuldenlast des Staates abzubauen. Anders ist die Festschreibung der Leitzinsen auf das Rekordtief von 0,0 bis 0,25 Prozent bis Ende 2014 nicht zu verstehen. Das aufs Jahr hochgerechnete Wirtschaftswachstum von drei Prozent für das 4. Quartal 2011 zeigt, dass ein geldpolitischer Impuls in diesem Umfang für die Konjunktur nicht unbedingt notwendig ist. Die Erfahrungen der Amerikaner mit einer starken Geldentwertung sind aber positiv. So gelang es nach dem Zweiten Weltkrieg auch dank einer höheren Inflationsrate, den im Krieg angehäuften Schuldenberg abzutragen. Die Schuldenquote sank in den zwölf Jahren nach 1945 von 109 auf 58 Prozent.

Michael Schramm ist Sprecher der Geschäftsleitung von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. Pressefoto

Michael Schramm ist Sprecher der Geschäftsleitung von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers.

Mittlerweile sind die amerikanischen Staatsschulden wieder auf mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angeschwollen. Hauptursachen sind die Kriege in Afghanistan und im Irak sowie die Folgen der Finanzkrise. Allein in den vergangenen drei Jahren stiegen die Verbindlichkeiten des amerikanischen Bundeshaushalts von zehn auf 15 Billionen Dollar. Pro Amerikaner – vom Baby bis zum Greis – sind das fast 50 000 Dollar. Auf die Steuerzahler verteilt, entfallen pro Kopf in den USA auf jeden rund 135 000 Dollar an Bundesschulden.

Tatsächlich erreichen die amerikanischen Staatsschulden mittlerweile dasselbe relative Niveau wie in Portugal – das an den Finanzmärkten nach Griechenland als nächster Wackelkandidat gehandelt wird. Doch während der portugiesische Regierungschef Pedro Passos Coelho Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen durchsetzte, häufen die USA ihre Defizite ungebremst weiter an. Selbst nach dem aktuellen Etatplan, den Präsident Barack Obama als Sparhaushalt anpreist, sollen sich die neuen Schulden in diesem Jahr auf rund sieben Prozent des BIP belaufen. Da wirkt Portugal mit 4,5 Prozent geradezu solide.

Kommentare (1)

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12.04.2012, 10:28 Uhr

Sie analysieren richtig, dass die Fed eine höhere Inflationsrate als bisher anstrebt; sie tut das, wie Sie ebenfalls richtig feststellen, in verdeckter Form, indem sie verspricht, die Leitzinsen ungewöhnlich lange auf dem heutigen niedrigen Niveau zu belassen. Das Motiv der Fed ist wohl, das Wirtschaftswachstum zu fördern und dadurch indirekt die Steuereinnahmen zu fördern. Die Vermögensverschiebung von den Gläubigern zu den Schuldnern wird dazu in Kauf genommen; sie ist, anders als Sie schreiben, nicht das eigentliche Ziel. Gegen diese Vermögensverschiebung kann sich jeder schützen, indem er in Sachanlagen umschichtet. Gesamtwirtschaftlich bewirkt das eine Steigerung der Nachfrage und das schafft Wachstum. Diese Wirkung tritt gerade dann mit Sicherheit ein, wenn alle Wirtschaftsbeteiligten mit stabilen, aber höheren Inflationsraten rechnen. Über 5% hinaus brauchen sie dazu nicht zu steigen.
Eckhard Behrens, Heidelberg

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