Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.08.2013

06:23 Uhr

Glosse

„Man sollte Berlin flughafenfrei machen“

VonJürgen Dittberner

Das BER-Chaos ist nicht zu lichten. Die Politik sollte Größe zeigen und sich vom Projekt eines Großflughafens verabschieden. Ein flughafenfreies Berlin würde mit Sicherheit alle Welt schwer beeindrucken.

Blick auf den alten Berliner Flughafen Schönefeld. Der soll dem viel größeren BER weichen, doch wann der kommt steht in den Sternen. AFP

Blick auf den alten Berliner Flughafen Schönefeld. Der soll dem viel größeren BER weichen, doch wann der kommt steht in den Sternen.

Alle Welt lästert über Berlin und über seinen Geisterflughafen „BER“. Der Brandschutz ist nicht ausreichend; der eine Aufsichtsratsvorsitzende hat das Weite gesucht und der andere verfügt nicht über die Kraft für das Amt; die Flugrouten stören immer jemanden in der Stadt oder im Land; auf der Baustelle tut sich selten was; leere S-Bahnen fahren durch einen leeren Tunnel, um diesen zu lüften, und der Geschäftsführer streitet sich mit seinem Stellvertreter. Es ist ein Possenspiel.

Tempelhof, den Traditionsflughafen, hat der Berliner Senat schon geschlossen. Nun ist tote Hose, und auch Ärzte können die Anlage nicht wirklich retten. Da hilft weder Brot noch Butter: Das denkmalgeschützte Ensemble verfällt.

Ganz anders Tegel: Zu Westberliner Zeiten wurde hier ein Flughafen ohne direkten U- oder S-Bahnanschluss geschaffen. Ein Senator sagte damals, wer fliege, komme mit dem Taxi und nicht mit dem öffentlichen Personenverkehr. Eigentlich sollte Tegel schon geschlossen sein, obwohl eine überzeugende Nachnutzung nicht in Sicht ist. Aber nun funktioniert „BER“ nicht, und in Tegel werden Millionen investiert.

Zahlen und Fakten zum Hauptstadtflughafen BER

Gesamtkosten

voraussichtlich 4,3 Milliarden Euro (2012)

Gesamtmehrbelastung

1,2 Milliarden Euro

Verschiebungsbedingte Baumehrkosten

67 Millionen Euro

Bisherige Baumehrkosten

276 Millionen Euro

Mindereinnahmen durch Verschiebung der Eröffnung

230 Millionen Euro

Risikovorsorge

322 Millionen Euro

Lärmschutz

305 Millionen Euro

Startkapazität des neuen Flughafens

27 Millionen Passagiere

Fläche

1.470 Hektar (etwa 2.000 Fußballfelder)

Finanzierung

Bislang sind 3,36 Milliarden Euro gesichert, davon rund 2,4 Milliarden Euro aus Krediten, 430 Millionen Euro vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg, 531 Millionen Euro aus Eigenmitteln der Betreiber.

Auch Schönefeld ist so ein Ding. Als Hauptstadt des vereinten Deutschland brauche Berlin einen Großflughafen, hieß es nach der Wende. Nach etlichem Gezänk entschieden sich Berlin, Potsdam und Bonn für Schönefeld. Alle Arglosen dachten, der alte DDR-Flughafen werde nun aufpoliert und ausgebaut. Doch die Macher wollten es anders. Sie planten einen vollkommen neuen Flughafen. Was mit dem alten geschehen sollte, interessierte sie nicht. Dann wurde Willy Brandt zum Namenspatron des Projektes. Der ehemalige Bundeskanzler und Regierende Bürgermeister soll seitdem im Grab rotieren, denn kein Flugzeug startet oder landet in „BER“.

Und nun? Ja: Was nun? Erst einmal muss ein neuer Aufsichtsratschef her. Aber sollte das ein Mann sein oder eine Frau? Ist das alles gegendert? Womöglich bleibt „BER“ auch in den kommenden Jahren still, weil im Aufsichtsrat die Geschlechterrollen nicht richtig definiert wurden. Flugzeuge sind da sehr sensibel, also darf jetzt kein Fehler gemacht werden.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

MikeBerlin

16.08.2013, 08:24 Uhr

Wie Recht sie doch haben. Berlin kann kein Flughafen, wie man sieht. Die "Manager" scheinen aus gleichem Material wie der Flughafen selbst. Leider ist nicht mal der BER für die Messe geeignet, ohne Brandschutz etc. - Abreissen ist hier die einzige Alternative, je früher desto weniger Geld kostet es.

Joker1

16.08.2013, 08:36 Uhr

Guter Artikel.
Beschreibt die Sachlage und Zustände im SEXY-BERLIN!
Vögeln und besoffen oder bekifft sein, das ist das Motto in der Deutschen Hauptstadt.
Hauptsache schwul oder bi, das schadet nie...

chinamed

16.08.2013, 09:43 Uhr

Mein Vorschlag für BER: Nicht abreißen, sondern ein Museum für unfähige Politiker einrichten. Sozusagen als Erlebnisgarten. Wowi als böse Hexe mit Besen reitet auf einem Flugzeug ohne Flügel. Das Fluzeug beladen mit Wodka Gorbatschow und alle torkeln um die Wette. Die Gebäude lassen sich mit Brezeln verzieren. Der Wald ringsum wächst von allein. Das ist Berlin und seine Regierung. Früher sagte man dazu die Hölle, heute heißt es einfach Wowereit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×