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30.05.2012

21:56 Uhr

Griechenland und der Euro

In der Krise einen kühlen Kopf bewahren

VonJean Pisani-Ferry

Wenn es um die Euro-Krise geht, werden die meisten Europäer hysterisch. Dabei sind Emotionen genau das Falsche. Panikmache hilft nicht, lieber sollte der Rechenschieber bemüht werden.

Die Rückkehr zur alten Währung, der Drachme (links), wurde in der Vergangenheit immer öfter diskutiert. dpa

Die Rückkehr zur alten Währung, der Drachme (links), wurde in der Vergangenheit immer öfter diskutiert.

Die Beziehungen zwischen Griechenland und dem Rest Europas erinnern immer stärker an das Gleichgewicht des Schreckens während des Kalten Krieges. Ich rede hier von einem finanziellen Schrecken, und Griechenland ist sicher nicht mit der früheren Sowjetunion vergleichbar. Aber das Ringen zwischen Athen und Brüssel bzw. Berlin weist verblüffende Ähnlichkeiten zum Kalten Krieg auf.

Aus der Sicht Griechenlands ist es wichtig, zwischen der Haushaltslage und den externen Defiziten zu unterschieden. Es wird erwartet, dass die Hellenen im laufenden Jahr nur noch ein geringes Primärdefizit in ihrem Staatshaushalt ausweisen werden. Das heißt, der Staat gibt mehr aus, als er einnimmt und muss dafür neue Schulden machen. Würde Athen zahlungsunfähig und dadurch seine Partner zwingen, ihre Hilfen einzustellen, dann müsste die Regierung ihren Sparkurs noch leicht verschärfen. Wichtiger ist jedoch,

Jean Pisani-Ferry leitet die Denkfabrik Bruegel in Brüssel. PR

Jean Pisani-Ferry leitet die Denkfabrik Bruegel in Brüssel.

dass in der griechischen Leistungsbilanz 2012 vermutlich immer noch eine Lücke von acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts klaffen wird. Ohne öffentliche Hilfe oder private Kapitalzuflüsse von außen lässt sich dieser Fehlbetrag nur durch die Europäische Zentralbank finanzieren. Sollte sich die EZB verweigern, wovon man ausgehen kann, dann müsste Athen das externe Defizit umgehend mit anderen Maßnahmen schließen - entweder innerhalb oder außerhalb der Euro-Zone.

Ein Austritt aus der Währungsunion würde das Land in ein Chaos stürzen. Die Finanzmärkte würden massiv gestört, und man müsste mit einer Kette von Unternehmenspleiten rechnen. Die neu einzuführende Währung würde weit über Gebühr abwerten. Waren aus dem Ausland würden unbezahlbar. Zwar würde die Abwertung der eigenen Währung langfristig die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Doch der wirtschaftliche Schaden wäre immens.

Auf der anderen Seite wäre eine Staatspleite in Griechenland sehr teuer für den Rest Europas. Die offiziell bekannten Forderungen der Euro-Partner und der EZB gegenüber Athen summieren sich auf 250 Milliarden Euro. Dazu müsste man weitere Forderungen von Privaten in Höhe von etwa 100 Milliarden Euro zählen. Außerdem müssten alle Euro-Forderungen gegenüber Griechenland in die neue Währung konvertiert werden.

Kommentare (2)

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Eurotiker

31.05.2012, 13:52 Uhr

Noch keine Kommentare? Richtig. Solch ein Geschwafel um den den heißen Brei verdient keinen Kommentar. Einfach unterirdisch.

Bruno

01.06.2012, 18:11 Uhr

Damit es auch der Letzte versteht: Vergemeinschaftung der Schulden in Form von "Eurobonds" oder "Schuldentilgungsfonds" (als Synonym) bedeutet Deutschland bürgt für "ein Geldvernichtungsfass" ohne Boden! Sollte eigentlich jeder verstehen können !

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