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19.05.2017

13:26 Uhr

Ijad Madisch – Gastbeitrag

Stellen Sie Optimisten ein!

VonIjad Madisch

Ijad Madisch hat mit Researchgate eines der wertvollsten Start-ups der Republik aufgebaut. Sein Erfolgsgeheimnis sieht der Gründer vor allem in seinem Team – und gibt Unternehmern dazu vier Ratschläge. Ein Gastbeitrag.

Der 36-Jährige ist Mitgründer und CEO von Researchgate, dem professionellen Netzwerk für Wissenschaftler mit über 12 Millionen Mitgliedern weltweit. Researchgate

Ijad Madisch

Der 36-Jährige ist Mitgründer und CEO von Researchgate, dem professionellen Netzwerk für Wissenschaftler mit über 12 Millionen Mitgliedern weltweit.

Liebe Old Economy, Sie fragen mich immer öfter um Rat. Sie interessiert, was Researchgate, das professionelle Netzwerk für Wissenschaftler, das meine Freunde und ich vor neun Jahren gegründet habe, so erfolgreich macht. Wie haben wir es geschafft, die jahrhundertelange Isolation im Elfenbeinturm zu beenden, sodass heute 12 Millionen Forscher weltweit online ohne Zeitverzögerung miteinander arbeiten? Wie haben wir Bill Gates als Investor gewonnen?

Wir haben doch gerade erst angefangen, antworte ich. Aber wenn eins wichtig war, um bis hierher zu kommen, dann war das unser Team. Wenn es ums Team geht, habe ich einen Rat für Sie, genau genommen sogar vier Ratschläge: Stellen Sie Weltverbesserer und Optimisten ein. Setzen Sie auf ein vielseitiges Team. Geben Sie Verantwortung an diese Leute ab. Es wird sich lohnen.

Dieser Rat kommt von einem, der selbst Deutscher mit ausländischen Wurzeln, selbsterklärter Weltverbesserer und dazu noch Optimist ist. Ich bin also befangen. Meine eigene Erfahrung hat mir aber gezeigt: Diese Eigenschaften, besonders der Optimismus, sind gute Voraussetzungen für den Erfolg. Den Rest kann man lernen.

Noch vor sieben Jahren stand ich als Angestellter im Arztkittel im Krankenhaus neben dem Patientenbett. Heute leite ich zusammen mit meinen Freunden, dem Arzt Dr. Sören Hofmayer und dem Informatiker Horst Fickenscher, ein Unternehmen mit 300 Leuten. Ich suche nach Mitarbeitern, deren Lebenslauf genauso unkonventionell ist wie meiner.

1. Setzen Sie auf ein vielfältiges Team!

Ich wurde 1980 in Wolfsburg geboren. Meine Eltern kamen vor über 50 Jahren aus Syrien nach Deutschland, um meinen fünf Geschwistern und mir eine bessere Zukunft zu bieten. Mein Vater arbeitete als Arzt, meine Mutter zog uns groß, managte unsere Familie und Finanzen. Das war nicht immer einfach, aber meine Eltern haben nie aufgegeben. Daher stammt mein Gründergeist.

Die zupackende Mentalität teile ich mit vielen Immigranten der ersten und zweiten Generation und schätze sie bei meinen Mitarbeitern. Über 60 Prozent von ihnen kommt nicht aus Deutschland. Diese Kollegen stammen gebürtig aus 46 unterschiedlichen Ländern. Das ist bei anderen Start-ups ähnlich: Rund 42 Prozent der Mitarbeiter von jungen deutschen IT-Unternehmen kommen nach Angaben des Deutschen Start-up Monitors 2016 aus dem Ausland. Der Rest der Wirtschaft hinkt mit einem Anteil ausländischer Erwerbstätiger von knapp zehn Prozent hinterher.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Dabei lässt sich so viel von einem Team lernen, das in jeder Beziehung vielfältig ist und seine ganz eigene Sicht auf die Welt mitbringt. Dabei spielen Herkunft und Religion eine Rolle, genauso wie das Geschlecht, die sexuelle Orientierung und der berufliche Werdegang. Bei uns arbeiten nicht nur Programmierer, sondern Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen und ein gelernter Maurer. Viele haben sich das Coden selbst beigebracht. Nur wenn sich so unterschiedliche, kreative Köpfe Gedanken machen, entstehen Produkte, die für alle attraktiv sind.

Diese Vielfalt der Ansichten, das respektvolle Miteinander und die Kultur, die sich daraus ergibt, auszubauen und zu erhalten, während wir weiter wachsen, ist eine der größten Herausforderungen, die ich auf uns zukommen sehe. Wenn Sie an dieser Stelle einen Rat für mich haben, freue ich mich, von Ihnen zu hören.

2. Stellen Sie Weltverbesserer ein!

Ähnlich wie Ausländer treibt Weltverbesserer etwas an, das über den schnöden Mammon hinausgeht. Sie hören nicht auf zu arbeiten, wenn sie denken, sie hätten diesen Monat genug für ihr Geld getan. Wenn sich diese Menschen Ihr unternehmerisches Ziel zu eigen machen, liebe Old Economy, dann haben Sie tatkräftige Mitarbeiter gewonnen.

Für diese Identifikation steht symbolisch das T-Shirt. Wenn ich mich im Silicon Valley auf der Straße umsehe, finde ich überall Google- oder Facebook-Shirts. Auch in Berlin begegne ich immer öfter Leuten mit dem Logo von Soundcloud oder Researchgate auf dem Hemd. Im Rest der Republik dagegen suche ich eher vergeblich Menschen, die stolz das Logo eines Dax-30-Unternehmens auf der Brust tragen – bis auf Adidas, versteht sich.

Kommentare (1)

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G. Nampf

19.05.2017, 14:34 Uhr

Rat Nr. 5:

Stellen Sie mindestens einen Pessimisten ein. Denn Pessimisten sehen auch die Probleme, die Optimisten nicht sehen wollen. Und wenn diese Probleme erkannt sind, kann man sie umschiffen bzw. sich darauf einstellen.

Außerdem wird Ihr Team mit einem Pessimisten vielseitiger.... ;-)

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