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17.03.2014

19:27 Uhr

Im Fegefeuer der Öffentlichkeit

Wie Hoeneß seinen guten Ruf retten kann

VonChristopher Spall

Mindestens zwölf, maximal 42 Monate Freiheitsentzug für Patriarch Uli Hoeneß. Danach wird seine Freiheit wieder hergestellt sein. Sein guter Ruf hingegen nicht. Drei Comeback-Strategien für die Zeit nach dem Fegefeuer.

Nichts braucht die Marke Hoeneß mehr als öffentliche, kompromisslose Reue. ap

Nichts braucht die Marke Hoeneß mehr als öffentliche, kompromisslose Reue.

1. Die „Apology Dramatics“-Strategie oder der Kniefall vor der eigenen Schuld

Der Umgang mit Schuld ist hierzulande, sagen wir, speziell. Unsere Geschichte wiegt schwer. Die Amerikaner haben auch für das bedingungslose Schuldeingeständnis einen Eigennamen. Sie nennen es „Apology Dramatics“. Diese zur Schau gestellte, aufrichtige Reue nach einem Fehltritt verlangt die vollständige Läuterung „im Fegefeuer der Öffentlichkeit“. Sie gibt dem geläuterten Sünder aber die Chance zur Rückkehr und zum Neuanfang in der Gesellschaft.

Mit einem aufrichtigen, umfassenden Schuldgeständnis nach amerikanischem Vorbild, also ohne Wenn und Aber, könnte Hoeneß so den letzten Strohhalm einer öffentlichen Verzeihung packen. Dabei könnte er noch immer vom Käßmann-Effekt profitieren.

Dieser hat uns gelehrt: Kompromisslose Buße schafft Glaubwürdigkeit. Margot Käßmann war und ist eine brauchbare Blaupause für den Vater des FC Bayern. Sie hatte im Jahr 2010 durch einen raschen Rücktritt als Bischöfin und Ratsvorsitzende viel Respekt geerntet. Durch ihr bedingungsloses Fehler-Eingeständnis avancierte sie gar zur Ikone.

Nach dem Rücktritt des Vorbilds, wuchs Käßmann zum Vorbild für den Rücktritt.

FC Bayern: Der Skandal rund um Uli Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben.

Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - gegen Zahlung einer hohen Kaution.

20. April 2013

Der „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Vereinspräsident aus. Die Kritik an ihm nimmt zu. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rückt von ihm ab, zeigt sich „enttäuscht“.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro.

1. Mai 2013

Hoeneß erklärt in einem „Zeit“-Interview Reue und gibt Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident darin aus.

6. Mai 2013

Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

25. Mai 2013

Selbst im Moment des großen Triumphes des FC Bayern steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er im Londoner Wembleystadion nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.

30. Juli 2013

Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

4. November 2013

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen den Bayern-Präsidenten „unverändert“ zu.

13. November 2013

Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen.

23. Januar 2014

Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter?

10. März 2014

Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“ Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

11. März 2014

Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Hoeneß soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

12. März 2014

Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für „sachgerecht“. Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten.

13. März 2014

Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

20.September 2014

Uli Hoeneß bekommt nach dreieinhalb Monaten Haft das erste Mal Ausgang. Die Hafterleichterung hängt einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge mit der vollständigen Begleichung seiner Steuerschuld zusammen. Hoeneß soll zuvor gut 30 Millionen Euro an das Finanzamt Miesbach überwiesen haben.

31. Dezember 2014

Zweiter Urlaub für Hoeneß. Er darf den Jahreswechsel zu Hause verbringen. Schon zu Weihnachten hatte Hoeneß Urlaub erhalten und durfte zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern schlafen. Seit Jahresbeginn 2015 ist Hoeneß Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Schlafen in die JVA, darf tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen.

24. Februar 2015

Sat.1 beginnt mit den Dreharbeiten zu einer Satire, die an den Fall Hoeneß angelehnt ist. Uwe Ochsenknecht spielt die Hauptrolle. Im Mai beginnt das ZDF mit den Dreharbeiten zu einem Doku-Drama mit dem Titel „Uli Hoeneß - Der Patriarch“.

3. November 2015

Der Anwalt von Hoeneß bestätigt, dass sein Mandant einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt hat. Eine Freilassung ist frühestens zur Hälfte der Haftstrafe möglich - zum 29. Februar 2016.

21. Dezember 2015

Hoeneß ruft beim Radiosender Antenne Bayern an und spendet bei einer weihnachtlichen Spendenaktion 10 000 Euro.

18. Januar 2016

Die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg entscheidet, dass die Haftstrafe zum 29. Februar ausgesetzt wird. Hoeneß erhält eine dreijährige Bewährungszeit.

Für den Mut nach ihrer betrunkenen Autofahrt erhielt die evangelische Pastorin sogar den Europäischen Kulturpreis für Zivilcourage. Dass Hoeneß von seinen Ämtern zurückgetreten ist, war unausweichlich. Nach der Verurteilung musste Hoeneß schleunigst als Bayern-Präsident abtreten und ehrlich Buße tun.

Zweitens muss er alle Steuern, auch die bereits verjährten Schulden, bis zum letzten Euro zurückzahlen. Nur so kann er zeigen, dass er seinen Fehler im Kern einsieht und die Konsequenzen demütig tragen will. Diese Botschaft an die Öffentlichkeit ist für die Reputation seiner Marke unumgänglich. So kann er die „zur Schau gestellte Reue“ handfest glaubhaft machen.

2. Nach der Haft: Rückzug zum Kern der Marke und raus aus dem Rampenlicht

Wie sollte sich Hoeneß nach seiner Haftstrafe verhalten?
Zurück aus dem Gefängnis sollte er sich in den ersten Jahren an eine Grundregel halten: Meide das Rampenlicht. Denn jetzt kann Hoeneß nicht mehr durch Worte, sondern nur durch Tat-Sachen beweisen, dass er tat-sächlich der Mensch ist, an den viele geglaubt haben.

Als Gutmensch und Macher hatte er sich für den Fußball und unser Land verdient gemacht. Doch diese Vorstellung von der Persönlichkeit Uli Hoeneß ist in weiten Teilen der Gesellschaft erloschen. Deshalb muss er – zurück in der Freiheit – wieder beweisen, dass diese Werte nur in der Vorstellungswelt der Menschen, nicht aber in Hoeneß Persönlichkeit ausradiert sind. Was heißt das konkret? Er sollte sich wieder im Stillen für soziale Zwecke engagieren; sich wie damals im Falle des FC St. Pauli für Schwächere in Not einsetzen. Er sollte weniges tun. Das Wenige aber gezielt mit klarem Nutzen für die Gesellschaft voranbringen.

Kommentare (16)

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17.03.2014, 19:43 Uhr

Bleibt die Frage ob Ulli Hoeneß überhaupt "gute Ratschläge" von irgend welchen Schreiberlingen oder anderen Medien braucht oder haben will oder besser nicht.
Sein Urteil ist nun ja wohl rechtskräftig und nun sollte auch in der Öffentlich Ruhe um seine Person eintreten.

Ulli, alles Gute und hoffentlich bis bald.

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17.03.2014, 19:45 Uhr

Hoeness hat das zugegeben, was unbedingt noetig gewesen ist. Dafuer hat er eine sehr milde Strafe erhalten. Weder Richter noch Staatsanwaltschaft haben in dem Umfang ermittelt, wie es erforderlich gewesen waere.

Damit kann man sich auch nach einem Gefaengnisaufenthalt nicht als Saubermann darstellen. Hoeness ist und bleibt ein verurteilter Straftaeter auch nach Verbueßung seiner Strafe. Allerdings wird er fuer diejenigen, die im Schatten der Ermittlungen unerkannt geblieben sind, ein Saubermann sein. Skandaloes, dass die bayerische Justiz Urteile mit gespaltener Zunge ausspricht.

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17.03.2014, 19:55 Uhr

Koennt ihr uns denn nun nicht in Rhe lassen mit dieser Boulevardstory, oder brauchts unbedingt Fuellmaterial um von Wichtigem abzulenken?
Einfach widerlich, diese Dauerberieselung mit solch einem Schmarrn!

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