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10.02.2012

20:41 Uhr

James Dyson

Patentverletzungen sind Diebstahl

VonJames Dyson

Die Stärken Deutschlands wie Großbritanniens liegen in der Technik. Diese muss aber besser geschützt werden, sagt Erfinder James Dyson. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn Ideen geklaut werden.

Designer und Ingenieur James Dyson mit seinem Ventilator ohne Flügel. dpa

Designer und Ingenieur James Dyson mit seinem Ventilator ohne Flügel.

Neue Ideen sind entscheidend. Im 21. Jahrhundert geht es beim Handel nicht darum, wer was macht, sondern wer es besser macht. In Großbritannien, wo Dyson seinen Hauptsitz hat, mögen wir vielleicht nicht bezüglich Massenproduktion konkurrenzfähig sein. Unsere Stärke liegt in der Erfindung und in der Technik. Das gleiche gilt für Deutschland. Aber neue Ideen müssen geschützt werden.

Erfindungen sind das Kernstück von erfolgreichen wissensbasierten Volkswirtschaften. Angela Merkel hat bei ihrem Besuch in China zu Recht die Bedeutung von weiterem Wachstum im Handel zwischen den größten Volkswirtschaften in Europa und Asien betont. Und sie hat zu Recht die Bedenken deutscher Investoren bezüglich erzwungenem Technologietransfer zu Gehör gebracht und auf den Schaden, der durch Nachahmer entsteht, hingewiesen. Organisationen wie die „Aktion Plagiarius“ machen den Menschen klar, dass es nicht nur die Designer-Handtaschen sind, die nachgeahmt werden, sondern dass es auch um Technologien geht.

Aber der Cocktail von gefälschten Marken und mit Photoshop erstellten Verpackungen führt dazu, dass eine zunehmende Zahl von Menschen sich nicht darum kümmert, jedenfalls nicht, bis sich ein Motor plötzlich abschaltet, ein Bauteil herausfällt oder etwas noch Schlimmeres passiert. Nachahmungen unseres Air Multiplier Ventilators – wir bekämpfen viele von ihnen vor Gericht – gehen kaputt oder verbrennen. Sie mögen zwar aussehen wie das echte Produkt, aber sie funktionieren nicht wie das echte Produkt.

Dyson Ventilator (l.) und Plagiat. PR

Dyson Ventilator (l.) und Plagiat.

Wir bei Dyson wenden viel Zeit und Geld dafür auf, um unser geistiges Eigentum zu schützen – erst um Patente anzumelden und dann vor Gericht, wenn unsere Patente verletzt wurden. Aber wir brauchen eine Veränderung in der Einstellung gegenüber Plagiaten – in der Einstellung der Bevölkerung und in der von Regierungen. Ohne dies, sind andere Anstrengungen sinnlos.

Wer auch immer sie begeht - Patentverletzungen sind Diebstahl. Ohne Wenn und Aber. Und ebenso ist es Diebstahl, wenn jemand wissentlich ein billiges Imitat kauft oder verkauft. Wenn dies nicht durch straf- oder ordnungspolitische Maßnahmen geahndet wird, wird der Kampf gegen Plagiate weltweit unterminiert. Wir brauchen Reformen. Der Diebstahl geistigen Eigentums ist nicht auf Rolex-Uhren und Taschen von Louis Vuitton beschränkt.

Es ist nicht einfach, ein Patent zu erhalten und es ist teuer. Wir brauchen ein europaweites Patent. Derzeit müssen wir in der Europäischen Union in jedem der 27 Länder Patentanmeldungen abgeben, diese übersetzen und erneuern. Für kleine Unternehmen ist dies wenig hilfreich und unerschwinglich.

Es ist eine globale Herausforderung. Viele der jüngsten Gerichtsverfahren haben wir gegen Marken geführt, die im Besitz chinesischer Unternehmen sind und von ihnen geführt werden, häufig in westlicher Verkleidung. Wir haben in letzter Zeit Siege errungen - aber das ist eine teure Angelegenheit. Der nachdrückliche Schutz von Patenten ist von wesentlicher Bedeutung, um einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern zu sichern. Aber für einen jungen Erfinder oder ein Start-up sind diese Kosten nicht tragbar.

China kann und wird ein unschätzbarer Handelspartner für Deutschland und das Vereinigte Königreich sein. Aber Einstellungen müssen sich ändern – und Unternehmen müssen Anreize erhalten, um zu erfinden und um zu exportieren. Und sie müssen wissen, dass ihre Ideen effektiv geschützt werden können, sowohl im In- wie auch im Ausland.

Kommentare (11)

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DarkSun

10.02.2012, 12:31 Uhr

Ausgerechnet Dyson.

Dyson ist ein Paradebeispiel für Trivialpatente. Dyson beantragt über 100 Patente für seinen Handtrockner. So viele unterschiedliche Teile hat dieses Gerät wahrscheinlich nicht mal.
Es gibt allerdings Handtrockner mit dieser Funktionsweise schon lange in Japan. Dyson nimmt einige Detailverbesserungen vor und patentiert bis zum geht nicht mehr.

Obwohl die Grundidee gar nicht Dyson gehört, hat Dyson dennoch das Monopol in Europa und vermutlich USA. Jede Firma die ein Variante der japanischen Trockner anbieten möchte kann sich auf jahrzehntelange Klagen einstellen um die einzelnen Patente anzufechten.

Dyson ist für mich ein Beispiel, dass unser Patentsystem nicht funktioniert.

umdenken

10.02.2012, 12:37 Uhr

ja ja die westliche Kultur und wir diktieren der ganzen Welt, dass wir den Stein der Weisen gevespert haben....
Leider ist es halt bei den Chinesen so , das es ein Zeichen von Respekt ist wenn man Kopiert wird. Also machen wir doch alle den Guttenberg und lernen mal von den anderen. Geistiges Eigentum für alle... eine Bereicherung der Menschheit weltweit ... für umme.

Da wir ja eh nicht verhindern können wenn irgendwo in Asien oder wo halt auch immer kopiert wird, müssen wir uns halt wie aktuell auch durch andere Merkmale abheben.(z.B. Nachhaltigkeit, Qualität, Menschenrechte und vieles mehr...)
ahhhh die Kosten.... direkte Einsparung durch hinfällige (teure) Patentanmeldungen und Gerichtskosten.

MoralKapitalist

10.02.2012, 13:57 Uhr

Grenzwertig.
Einerseits richtig, dass (die echten Erfinder) geschützt werden, denn neben den Herstellungskosten fallen auch Entwicklungskosten an. Das Denken vor der Entwicklung, das Scheitern bis zur Entwicklung soll ja gerade durch das Patent refinanziert werden. Wenn Dysen (sofern das Bsp. korrekt ist) einen Handtrockner kopiert und patentiert, ist da eben diese schützensewrte Leistung nicht enthalten. Das Problem ist der Prozess / Prüfung / Einhaltung des Patentes. Ich hab aber leider keine Lösung wie das besser gestaltet wäre. Eigentlich hätten (s.o.) die Japaner gegen das Patent von Dysen klagen müssen. Vielleicht haben Sie es auch. Kann jemand das Beispiel verifizieren? -> mit Link :)

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