Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2012

08:15 Uhr

Josef Ackermann

Ende des Euros würde Chaos bedeuten

VonJosef Ackermann

Der Euro wird nicht zusammenbrechen. Dafür werden die Staats- und Regierungschefs alles tun. Jetzt fehlt nur noch jemand, der die Rettung auch den Bürgern vermitteln kann.

Josef Ackermann ist ehemaliger Chef der Deutschen Bank und Verwaltungsrats-Präsident der Zurich Financial Insurance Group. dpa

Josef Ackermann ist ehemaliger Chef der Deutschen Bank und Verwaltungsrats-Präsident der Zurich Financial Insurance Group.

Vielleicht bin ich zu optimistisch. Aber wenn wir die heutige Krise erfolgreich bewältigen, dann wird das vielleicht das erste Mal sein, dass Europa gemeinsam ein Problem löst und später stolz auf diese Leistung sein kann. Deshalb dürfen wir diese Gelegenheit, das Richtige zu tun, nicht versäumen.

Aber was ist zu tun? Da gibt es die große Debatte: Zuerst sparen und dann Wachstum oder erst Wachstum und dann ein bisschen sparen? Ich glaube, dass wir beides zugleich brauchen. Wir müssen in den Ländern Europas die Defizite senken und die Schulden abbauen. Aber natürlich brauchen wir parallel auch Anreize für ein höheres Wachstum, etwa einen völlig geöffneten Binnenmarkt und mehr Innovation. Auch, um die Arbeitslosigkeit zu verringern, denn die ist erschreckend hoch in manchen Ländern, vor allem bei den jungen Menschen unter 25 Jahren.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Sehr stark diskutiert wird auch die Frage: Sollte Deutschland sich finanziell stärker für den Erhalt der Euro-Zone einsetzen? Der Druck auf die Regierung in Berlin wächst, er kommt nicht nur aus anderen europäischen Ländern, sondern auch aus den USA.

Hierzu zunächst zwei Zahlen. In den 90er-Jahren entsprach die Hilfe der USA für Mexiko, auf die Amerika damals sehr stolz war, 1,3 Prozent des Bundeshaushalts. Die Garantien und Kredite für all die verschiedenen Rettungsmechanismen, die Deutschland bereits zugesagt hat, entsprechen aber 70 Prozent des Bundeshaushalts. Den Steuerzahlern zu erklären, dass sie noch mehr Risiken übernehmen müssen, wäre sehr schwierig.

Dazu kommt, dass viele in Deutschland das Gefühl haben, dass andere Länder sich nicht genug bemühen, wenn sie wissen, dass Deutschland und Frankreich - aber hauptsächlich Deutschland - alles garantieren und immer weitere Mittel zur Verfügung stellen.

Kommentare (38)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

16.06.2012, 08:46 Uhr

Aber wenn es ganz hart auf hart kommt und die Deutschen sich fragen: „Wollen wir den Zusammenbruch der Euro-Zone oder eine Rettungsaktion?"

--------------
Bitte, stellen sie den Deutschen diese Frage! Bereits jetzt lehnt eine überwältigende Mehrheit die bisherige Rettungspolitik ab. Das sollte Lobbyisten der Finanzbranche und die Politik endlich zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln.
Der Euro wurde nicht von meiner Generation eingeführt und ich sehe mich nicht mehr an die Überlegungen und Entscheidungen der damaligen Generation gebunden.

kleinmaul

16.06.2012, 08:59 Uhr

das scheitern des euros würde vor allem chaos,absturz und wertverlust für vermögen bedeuten,für die DEUTSCHE BANK und ihre fantasieassets den BILANZGAU, und den banken irgendwann zukünftig ne rolle am katzentisch der volkswirtschaften zuweisen.

und nicht so schnell würden bürger leichtfertig den beteuerungen von profiteuren,politikern und windmachern aus der finanzindustrie wie herrn ackermann wieder glauben schenken,das diese nur das beste für die bürger wollen

das scheitern wär ein großer schuß vor den bug des finanzeuropas der konzerne und großvermögen,um im zweiten anlauf neben der idee auch das hirn für ein gemeinsames europa einzuschalten ,das übrigens mit dem scheitern des euros nicht untergeht.

ackermann stehen sie zu ihrer verantwortung und versagen sie sich das große feige lamento...

Account gelöscht!

16.06.2012, 09:01 Uhr


Der Euro war das Problem nicht.

Traumtänzer ohne Analysefähigkeit in Bereichen Politik und Banken, gepaart mit Zielsetzung Destabiliserung Europas ( u.a Angelsachsen), kriminelle Strukturen im Machtapparat, Devise: wie plündere ich Staaten und Finanzinstitute. Siehe hierzug bildhaft Prachtexemplar Griechenland.

EU, Banken, die Demokratie, versagten schlichtweg im Schlummerschlaf fetter Rülpser, begleitet von massloser Arroganz und zielgerichteter Kriminalitaet. Und diese Typen sollen reformieren ? Investmentabteilungen für MRD Risiko-Investitionen, an einer wirtschaftlich-politischen unabhängigen Analyseabteilung fehlt es allerdings.
Ackermann, ich nehm dich nicht ernst....
Dampfradplauderei wie allenthalben....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×