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20.01.2015

15:07 Uhr

JuLi-Chef Konstantin Kuhle

Die Kultur der zweiten Chance, auch für die FDP

VonKonstantin Kuhle

Zu einer Republik der Chancen gehört auch ein Recht auf Scheitern, findet JuLi-Chef Konstantin Kuhle. Dafür hofft der Nachwuchs-Politiker auf eine neue Kultur, die zweite Chancen einräumt. Auch für seine eigene Partei.

JuLis-Chef Konstantin Kuhle: „Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet und mit der ersten eigenen Idee scheitert, ist oft für den Rest seines Lebens stigmatisiert.“

JuLis-Chef Konstantin Kuhle: „Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet und mit der ersten eigenen Idee scheitert, ist oft für den Rest seines Lebens stigmatisiert.“

Der Begriff der Chancen ist Bestandteil vieler politischer Programme und vieler Leitartikel. Ob bei der Gründung eines Unternehmens, in Schule, Ausbildung und Hochschule oder bei den Herausforderungen einer vielfältigen Gesellschaft – es wird gefordert, Politik solle nicht an Bedenken und Ängsten orientiert sein, sondern die Menschen in ihrer Tatkraft unterstützen.
Das ist zwar richtig. Doch wenn dieser Chancenbegriff gebraucht wird, ist allzu oft nur eine bestimmte Art von Chancen gemeint. In Deutschland meint Chance meist die erste Chance. Im Fokus stehen jene Menschen, die es ohnehin schon geschafft haben. Keine Frage: Auch die Chancen von Familienunternehmern und Akademikerkindern, am besten beides in der dritten oder vierten Generation, brauchen eine politische Stimme. Doch Mut zum Handeln, Visionen und Optimismus finden sich nicht nur bei jenen, die ihre gute erste Chance zu nutzen wissen. Auch, wer nach einer Zäsur wieder neu beginnen und sich nicht unterkriegen lassen will, verdient Unterstützung. Kurzum: Ein neues politisches Chancenkonzept muss auch die zweite und dritte Chance der Menschen in den Blick nehmen.
Schon heute bieten Handwerksbetriebe in Zusammenarbeit mit den Kammern eigene Programme an, um Studienabbrechern den Weg in eine handwerkliche Lehre zu ebnen. Es braucht kein mittelmäßiges Abitur für alle, sondern Lebenschancen und Lebensglück für jeden.

Wer nach drei Semestern Architektur merkt, dass er lieber selbst Hand anlegt, fährt mit einer Lehre als Zimmermann oder Tischler besser als sich ein Leben lang über die verpasste Chance zu ärgern. Statt einem Studienabbrecher ein vermeintliches Scheitern vor Augen zu führen, müssen Wirtschaft und Politik ihn in seinem Neuanfang bestärken. Schließlich kann er sich mit einer klassischen Ausbildung womöglich sogar schneller selbstständig machen und Jobs für andere schaffen, als seine ehemaligen Kommilitonen. Um die zweite Chance für Studienabbrecher zu stärken, müssen die Regeln für das Handwerk weiter flexibilisiert werden. Außerdem müssen Ausbildungsberufe stärker in einzelne Module aufgeteilt werden, um Leistungen aus dem Studium für den schulischen Teil der Ausbildung anrechnen zu können.

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet und mit der ersten eigenen Idee scheitert, ist oft für den Rest seines Lebens stigmatisiert. Nicht nur, dass es noch schwieriger wird, für die nächste Idee einen Kredit zu bekommen.

Schon der politische Umgang mit risikofreudigen ehemaligen Selbstständigen ist beschämend. Seine Rückschläge bis zu einer erfolgreichen Unternehmensgründung beschrieb Max Levchin, der Mitbegründer des Online-Bezahldienstes Paypal, einmal wie folgt: „Das erste Unternehmen, das ich gegründet habe, ist mit einem großen Knall gescheitert. Das zweite Unternehmen ist ein bisschen weniger schlimm gescheitert, aber immer noch gescheitert. Und wissen Sie, das dritte Unternehmen ist auch anständig gescheitert, aber das war irgendwie okay. Ich habe mich rasch erholt, und das vierte Unternehmen überlebte bereits. Es war keine großartige Geschichte, aber es funktionierte. Nummer fünf war dann Paypal.“

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

20.01.2015, 15:17 Uhr

Tut mir leid aber die FDP lernt einfach nicht aus ihren Fehlern und rennt dem Grün-Sozialistischen Mainstream in Politik und Presse noch immer hinterher anstatt ein eigenes Marktwirtschaftliches Profil zu entwerfen und zu pflegen. Ansätze gibt es hierfür genug in der Grün-Sozial verseuchten Politik-Medienlandschaft.
Die Energiewende z.b. mit ihren Marktfeindlichen EEG (Staatliche zwang).

Account gelöscht!

20.01.2015, 15:46 Uhr

Scheitern, ok! Aber das warum ist auch wichtig? Weil die fdp die Wähler belogen und betrogen hat! Insb. wenn sich Ordnungspolitik auf die Fahne schreibt und dann das Gegenteil tut ...

Die fdp ist tot, lang lebe die AfD!

Herr Marcel Europaeer

20.01.2015, 15:58 Uhr

Wenn man den aktuellen Umfragen traut, ist die FDP auf niedrigem Niveau im Aufwand.
www.wahlrecht.de

Ich vermute, manch ein zwischenzeitlich zur AfD abgewanderter, wirtschaftsliberaler Wähler hat mitbekommen, welchen unappetitlichen, braun-esoterischen Beifang man mit an Land zieht, wenn man am rechten Rand fischt. Da wird einem die FDP gleich viel sympathischer, auch wenn sie ihre liberalen Wurzeln zum größten Teil gekappt hat.

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