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20.08.2012

12:10 Uhr

Jutta Urpilainen

Europa muss von den USA lernen

VonJutta Urpilainen

Die finnische Finanzministerin fordert von den Europäern mehr Flexibilität - vor allem im Denken. Alleingänge würden das Problem der Schuldenkrise nicht lösen. Im Zweifel lohne ein Blick in die USA.

Die finnische Finanzministerin Jutta Urpilainen. picture alliance/dpa

Die finnische Finanzministerin Jutta Urpilainen.

Die Politiker der Euro-Zone müssen nicht nur die Euro-Krise bekämpfen, sondern auch eine Vision für die gemeinsame Währung entwickeln. Und dabei sollten die kurz- und die langfristige Perspektive zueinander passen.

Historische Vergleiche sind gefährlich. Aber von der amerikanischen Währungsunion kann man doch einiges lernen. Sie startete sehr turbulent mit Staatspleiten und -rettungen. Das endete erst 1840, als der Kongress die No-Bail-out-Politik beschloss, nach der keine Rettung mehr erlaubt war. Alle Bundesstaaten haben sich für rund 170 Jahre an dieses Prinzip gehalten.

Häufig wird betont, der Arbeitsmarkt der Euro-Zone sei nicht so mobil wie der in den USA. Richtig ist: Rund 1,5 Prozent der Amerikaner ziehen pro Jahr von einem Bundesstaat in einen anderen um. Aber wenn man die Zahlen der Umzüge in gegenläufiger Richtung saldiert, dann bleibt nur noch etwa ein Zehntel übrig. Diese doch überschaubare Mobilität kann zum Ausgleich der Ungleichgewichte zwischen den Bundesstaaten nicht viel beitragen. Daher wäre es falsch zu glauben, die Währungsunion in Europa sei wegen der geringeren Umzugsbereitschaft der Arbeitnehmer zum Scheitern verurteilt. Oft wird auch betont, die Euro-Zone habe keinen großen zentralen Haushalt, der die Konjunkturen der einzelnen Staaten glätten könne. Das stimmt zwar, aber die Euro-Staaten haben Haushalte mit großen automatischen Stabilisatoren, die ganz ähnlich ausgleichend wirken.

Das Problem der Euro-Zone ist zurzeit, dass einige Staaten zu hohe Schulden haben und zusätzlich die Wirtschaft in der Rezession steckt. Um gegenzusteuern, müssen die Regierungen dringend glaubhafte Strategien vorlegen, wie sie mit dem Schuldenproblem umgehen wollen. Sonst gibt es kaum einen Spielraum für kurzfristige Konjunkturimpulse. In Zukunft muss der Aufbau hoher öffentlicher und privater Schulden vermieden werden.

Die Euro-Staaten haben im Unterschied zu den US-Bundesstaaten hohe Schuldenstände. Sehr viel davon stammt aus der Zeit, als sie noch ihre eigene Währung hatten. Nun müssen sie damit klarkommen. Zum Glück haben sie aber auch große Vermögen, die genutzt werden können, um die Verschuldung abzubauen.

Die wichtigste Lehre der amerikanischen Währungsunion ist eine politische. Ein wesentlicher Grund für den Zusammenhalt dort ist die Tatsache, dass es keine Gläubiger- und Schuldnerstaaten gibt. Die USA haben so den Streit vermieden, bei dem die Gläubiger den Schuldnern vorwerfen, über ihre Verhältnisse zu leben, und diese sich umgekehrt über zu harte Auflagen beschweren.

Ich sage nicht, dass wir die Euro-Zone wie einen Bundesstaat im US-Stil aufbauen sollten. Trotzdem können wir von den USA lernen, den Euro stabiler zu machen.

Kommentare (17)

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20.08.2012, 12:33 Uhr

Schuldenschnitt und fertig. Wenn einer den Verlust tragen kann, dann die Investoren, denn jedem Investor ist doch klar, dass er seine Investition verlieren kann.

Wir können unsere Schulden nicht mehr abbauen - egal mit welchen Sparmassnahmen. Schon jetzt wird 90% unseres Staatshaushaltes zur Bedienung von fälligen Krediten benötigt - dabei sind Zinszahlung noch nicht enthalten. Um überhaupt einen Haushalt zu haben, müssen wir diesen zu 100% durch neue Kredite finanzieren - dabei sind Zahlungen an die EU noch nicht enthalten, die kommen noch oben drauf.



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20.08.2012, 12:38 Uhr

Von den USA lernen? LOL...jaaa...hmmm...mal überlegen..... demnach müssten wir nun irgendwelche Länder angreifen, Geld drucken und in alle Welt verteilen um den ganzen Globus zu verarschen und das in einem MAsse treiben dass niemand mehr versteht wie man uns überhaupt noch einen einzigen Euro abnehmen kann.

Der Dollar ist EIGENTLICH nicht mal mehr die Druckerschwärze wert aber dieser Betrug geht weiter. Wir können sicher alle von einander lernen aber wer mir erzählt wir sollten wirtschaftlich und Geldpolitisch von den USA lernen, der hat ja eindeutig einen an der Waffel.

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20.08.2012, 12:55 Uhr

Was mich viel mehr stört ist die Tatsache, daß mit der Finanzministerin eine Person kluge Ratschläge gibt, die selbst aus Ihrem eigenen Punkt 1 die Konsequenz hätte ziehen und sich den Maßnahmen, wo immer möglich, widersetzen können.

Statt dessen hat man sich im Falle Griechenland mit der Übertragung von Eigentumswerten zufriedengegeben. Finnland ist also relativ gut aus dem Schneider, wenn all die Papiere zu dem werden, was sie eigentlich sind, nämlich Schrott.

Wie kann sich aber eine Ministerin über die fehlende Akzeptanz der Sparbemühungen wundern, wenn sie selbst ebenfalls nicht bereit ist, für Ihre Überzeugung Streit anzufangen ?

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