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12.03.2012

13:48 Uhr

Kapitalismus-Debatte

Die D-Mark für Europa

VonDavid Marsh

Nicht mehr Autos, Chemie und Maschinen sind das Beste, was Deutschland dem Ausland zu bieten hat – sondern seine besondere Form von Kapitalismus. Der Euro hat das Land dynamisch und erfolgreich gemacht.

2002 wurde der Euro als Bargeld eingeführt. Der Euro sollte, so wünschte es sich der ehemalige Finanzminister Theo Waigel, den Rheinland-Kapitalismus zurückbringen. dpa

2002 wurde der Euro als Bargeld eingeführt. Der Euro sollte, so wünschte es sich der ehemalige Finanzminister Theo Waigel, den Rheinland-Kapitalismus zurückbringen.

Wir bringen die D-Mark nach Europa: Mit diesem Motto wollte Theo Waigel 1991 als Bundesfinanzminister unter Helmut Kohl den Deutschen den Euro schmackhaft machen. Eine wahrheitsnähere Formulierung wäre gewesen: „Mit der Abschaffung der D-Mark bringen wir in Deutschland den Rheinland-Kapitalismus wieder zurück.“

Die Vorteile der neuen Währung ergaben sich vor allem für Deutschland und die damit eng verflochtenen Nachbarländer. Der Euro hat sich dort für den Konsens zwischen Regierung, Arbeitgebern, Gewerkschaften und Banken als ideal erwiesen. Die anfänglichen hohen Realzinsen in Deutschland sowie eine tendenzielle Unterbewertung der neuen Währung spornten die Export-, Technologie- sowie Produktivitätsorientierung der deutschen Industrie an.

Die politische Zielsetzung in Europa war eine andere: einer Hegemonie des wiedervereinigten Deutschlands entgegenzutreten. Das Gegenteil ist eingetreten. Der damalige Bundesbankpräsident Axel Weber beschrieb bereits 2007 die Lage so: „In der Europäischen Union könnte es eine Tendenz zu einer Spezialisierung geben, bei der Deutschland sich auf die verarbeitende Industrie konzentriert und sich die anderen mehr in Richtung Dienstleistungen entwickeln.“

Die Ergebnisse erleben wir jetzt: Deutschland hat sich zur Job-Maschine entwickelt. Für an die „deutsche Krankheit“ gewöhnte Beobachter ein fast schockierender Befund. In den zwei Jahren seit dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2009 hat in Deutschland die Beschäftigung um 1,8 Millionen zugenommen, während in Großbritannien, den USA , Frankreich, Italien und Spanien sieben Millionen Arbeitsplätze verlorengegangen sind.

Kommentare (10)

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bhayes

12.03.2012, 16:25 Uhr

Herr Marsch ist ein reiner, knallharter Finanzbranchenlobbyist, der hier Propaganda verbreitet. Zum Euro gibt es wesentlich bessere Aussagen, z.B. "Taxpayers Association of Europe fordert Stopp des ESM" oder "Taxpayers Association of Europe: Target2 - Die Verharmlosung einer finanziellen Atombombe".
Wir werden von den amok-laufenden Politkadern geradewegs in die finanzielle Katastrophe gesteuert, DAS ist die Wahrheit!

Politkverdrossen

12.03.2012, 17:29 Uhr

Was für ein Unfug! Deutschland hat in den ersten Jahren des Euro nicht profitiert (sehr hohe Kapitalexporte, die Exportüberschüsse wurden alle finanziert und werden letztlich verschenkt) und Deutschland profitiert jetzt nicht vom Euro (Rettung der Krisenländer).

Aber bei gigantischen Arbeitslosenraten in den Krisenländern profitiert dort auch niemand mehr. Der Euro droht zum größten anzunehmenden Fehlschlag für ganz Europa zu werden

Querdenker

12.03.2012, 17:46 Uhr

Das ist mir zuviel der Lobhudelei. Und wieder einmal wird die Enteignungspolitik durch die Hartz-IV-Gesetze als Erfolg gefeiert. Aber warten wir mal ab. Nach jeder Feierei kommt der Kater.

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