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06.03.2012

11:37 Uhr

Kapitalismus-Debatte

Die Eigentumsrechte sind entscheidend

VonHernando de Soto

Die Schwellenländer kämpfen seit Jahren darum, Eigentumsrechte zu definieren und zu dokumentieren. Doch jetzt hat der Westen auf den Finanzmärkten so verwirrende Strukturen geschaffen, dass dort die Grundlagen des Systems auch nicht mehr stimmen.

Hernando de Soto (links) bei einer Podiumsdiskussion mit Bill Clinton und Bill Gates in New York. AFP

Hernando de Soto (links) bei einer Podiumsdiskussion mit Bill Clinton und Bill Gates in New York.

LimaIm vergangenen September sagte Ben Bernanke, vor dem Hintergrund der großen Finanzkrise müssten entwickelte Volkswirtschaften wie die USA einiges, was sie den Schwellenländern beigebracht hätten, selbst wieder lernen. Der Chef der US-Notenbank bezog sich dabei auf den „Washington Konsens“, dessen zehn Punkte einige heute erfolgreiche Länder in Schwellenregionen in den 90er-Jahren für sich akzeptiert hatten.

Bernanke hat recht: Wenn der Kapitalismus eine Zukunft haben soll, muss er sich auch im Westen wieder auf die Grundlagen besinnen, die ihn einst groß gemacht haben. Vor allem gilt es zu erkennen, dass man Märkte niemals mit Anarchie verwechseln darf.

Der zehnte Punkt des „Washington Konsens“ war damals die Stärkung von Eigentumsrechten. Nach Aussage des US-Ökonoms John Williamson, der diese Empfehlungen als erster formuliert hatte, war dieser Punkt inspiriert von meiner Theorie. Ich habe immer darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, Eigentums- und Übertragungsrechte genau zu dokumentieren, um so Kredite und die Bildung von Kapital zu ermöglichen. Was mich selbst dabei inspiriert hat, war der Aufbau eines derartigen Systems von Eigentumsrechten in den USA und in Europa im 19. und 20. Jahrhundert.

Auf der anderen Seite scheinen heute gerade die entwickelten Länder vergessen zu haben, wie wichtig die genaue Erfassung von Vermögenswerten und Transaktionen ist, um Kredite zu ermöglichen. In den letzten 15 Jahren haben Amerikaner und Europäer nach und nach die Verlässlichkeit ihrer eigenen Dokumentationen zerstört – dieser Urkunden, Titel, Register, Hypotheken, Pfandrechte, Bilanzpositionen und anderer Aufzeichnungen darüber, wem was in welchem Umfang gehört und wer die Risiken trägt. 

Kommentare (5)

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Aristoteles

13.03.2012, 19:03 Uhr

Spitzen-Artikel, klasse Analyse.

Einanderer

13.03.2012, 22:25 Uhr

Böse Regulierungen die den freien Markt einschränken kommen auf uns zu. So werden das wohl die Bankster, Piraten und andere Anarchisten sehen...

Account gelöscht!

09.05.2012, 09:20 Uhr

Sehr guter Artikel, aber warum muß den ein "Hernando de Soto" schreiben?

GIBT ES BEIM HANDELSBLATT KEINE JOURNALISTEN MEHR?

Oder reicht es jetzt, dpa Meldungen und Fremdbeiträge zu publizieren?

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