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06.03.2012

11:28 Uhr

Kapitalismus-Debatte

Welche Art von Kapitalismus wollen wir?

VonMichael Vassilliadis

Das ist keine Frage von ökonomischen Zwängen, sondern von gesellschaftlicher Gestaltung. Entscheidend ist, dass wir in Deutschland der Marktwirtschaft wieder eine Orientierung geben.

IGBCE/Martin Schlüter

Wir Deutsche tun uns schwer, unser Wirtschaftssystem unbefangen Kapitalismus zu nennen – in den neuen wie den alten Bundesländern. Zu Recht? Zumindest waren wir im Westen stolz darauf, aus dem Kapitalismus mehr gemacht zu haben, als Marx und Engels und deren spätere Interpreten prophezeit hatten. Als dann der Ostblock mit seiner verqueren Ideologie von Planwirtschaft und kollektiver Freiheitsberaubung unterging, schien so etwas wie eine historische Gewissheit die Gesellschaften rund um den Globus erreicht zu haben. Aber Gewissheiten sind trügerisch.

Heute meint die Hälfte der Deutschen laut einer Befragung des Allensbacher Instituts für Demoskopie, dass der Kapitalismus in seiner heutigen Form nicht mehr in die Welt passt. Spätestens jetzt ist es an der Zeit zu fragen: Was läuft da schief? Ganz offenbar zu viel, als dass man die derzeitigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen länger ignorieren könnte.

Im kapitalistischen Mutterland, den USA, findet das in dem Ruf „Occupy Wall Street“ seinen Ausdruck. In Deutschland sucht derweil der Bundestag mit der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ nach neuen „Wegen zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“. Innerhalb wie außerhalb der Parlamente, in der breiten Bevölkerung wie in der kleinen Teilmenge der Entscheidungsträger in Wirtschaft und Gesellschaft wächst die Skepsis, dass die heutige ökonomische (Un)Ordnung zu guten Ergebnissen bei tolerierbaren Kosten führt.

Dieses Unbehagen ist kein Symptom einer kurzfristig erschütternden Zuversicht, sondern Resultat einer tiefen, seit Jahren schwelenden Vertrauenskrise.

Kommentare (6)

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Christian

21.03.2012, 14:46 Uhr

Was wird denn hier geschrieben? Was hat die Welt heute mit Kapitalismus zu tun? Wo haben wir dezentrale Steuerung? Wieso eighentlich Steuerung und nicht denzentrale Bedürfnisbefriedigung? Darum geht es Kapitalismus/ Freien Marktwirtschaft. Starke und unkontrollierbare Regierungen mit ihrem Heer an Bürokraten gibt es mittlerweile sogar in den USA und letztlich überall auf der Welt.
Ich denke, Ludwig v. Mises hatte Recht, es gibt auf Dauer kein Mixsystem zwischen Sozialismus und Kapitalismusm, es gibt auf Dauer nur das Eine oder das Andere!!
Ich würde die freie Markwirtschaft vorziehen, dafür brauchen wir dann keine starken Regierungen!!

Hermann

21.03.2012, 14:57 Uhr

Ein sozialistisches / kommunistisches Wirtschaftssystem definiert sich u.a. dadurch, dass es keine Konkurse gibt.

Wie aber soll man unser Wirtschaftssystem nennen, wo mit gedrucktem Geld ebenfalls Konkurse verhindert werden, wenn auch die Konkursverhinderung (bisher) nur für grosse Finanz- und Versicherungskonzerne zu gelten scheint?

Das Ergebnis ist in jedem Fall das Gleiche: massive Fehlallokation von Kapital und die Zerstörung des Sparwillens der Bevölkerung.

Ich habe den Eindruck, der Autor hat in Wirklichkeit nichts begriffen.

pro_Marktwirtschaft

21.03.2012, 15:27 Uhr

Das amerikanisch geprägte Goldman-Sachs-Wirtschafts/Politikmodell mit hemmungsloser Spekulation, betrügerischer Kreditvergabe, gezielter Manipulation der Finanzmärkte, unbegrenztem Zugang zu Zentralbankgeld und politischen Ämtern und Abwälzung der Risiken auf die Allgemeinheit wird nicht überleben.

Es hat einfach zu viel Schaden für die Allgemeinheit und die Industrie verursacht. Der Rest der Welt und die Wirtschaft wird sich diese Betrügerein nicht mehr gefallen lassen.

Diese Auswüchse haben und hatten aber nie etwas mit Kapitalismus oder Marktwirtschaft zu tun, sondern sind v.a. Ausdruck eines verrotteten politischen Systems in den USA.

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