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19.03.2012

09:42 Uhr

Kapitalismus-Debatte

„Wir müssen die Märkte bändigen“

VonSigmar Gabriel

Nach den großen Finanzkrisen ist es jetzt an der Zeit, den Kapitalismus ein zweites Mal sozial zu zähmen. Das ist nur noch auf europäischer Ebene möglich. Dabei geht es nicht um marktkonforme Demokratie – sondern um einen demokratiekonformen Markt.

Sigmar Gabriel ist seit Oktober 2009 SPD-Vorsitzender. dpa

Sigmar Gabriel ist seit Oktober 2009 SPD-Vorsitzender.

BerlinEuropa und Kapitalismus befinden sich in einer tiefen Krise. Doch interessant ist, wie sehr beide Krisen miteinander zusammen hängen und wie günstig das politische Momentum ist, beide Krisen zugleich anzugehen und zugleich unser Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell in Europa zu erneuern. Die zukünftige Ausgestaltung des Kapitalismus wird vielleicht stärker davon abhängen, als uns das heute bewusst ist.

Dass der Kapitalismus Krisen produziert, ist seit Karl Marx in der politischen Theorie geläufig. Inzwischen hat diese Erkenntnis in der realen Welt Widerhall gefunden. Selbst bürgerliche Leitmedien geben dem ungebändigten Kapitalismus die Note mangelhaft. Und Klaus Schwab, der Gründer des Wirtschaftsforums in Davos, hält den Kapitalismus sogar für nicht mehr passend für unsere Welt. Das ist umso bemerkenswerter, weil Davos bisher das jährliche Hochamt der Anbeter eines möglichst von politischer Kontrolle befreiten Marktes war: kein schlechter Moment also für die zweite Bändigung des Kapitalismus.

Denn nichts anderes ist jetzt unsere Aufgabe: den Kapitalismus zum zweiten Mal sozial zu zähmen. Das Modell der sozialen Marktwirtschaft hat vor allem in Deutschland eine beispiellose Erfolgsgeschichte erlebt. In Zukunft wird dieses Modell aber eine europäische Dimension brauchen. Denn in einer globalen Wirtschaft braucht es global wirksame Regeln – soziale und ökologische.

Die Alternative dazu sind Modelle einer zentralen Wirtschaftslenkung mit drastischer Einschränkung der Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel. Diese Modelle haben sich in den kommunistischen Systemen der Vergangenheit als ebenso ineffizient wie undemokratisch erwiesen. Hinzu kommt: Volkswirtschaftlich fressen allein die ökologischen Schäden dieses Modells die Wachstumserfolge auf.

Kommentare (22)

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Buckliger

19.03.2012, 09:58 Uhr

Bedingungsloses Grundeinkommen.

Hier werden alle Gegenargumente sauber aufgearbeitet.

http://www.youtube.com/watch?v=rwqcwDlWty0&feature=related

hamp

19.03.2012, 10:00 Uhr

wir haben gar keinen kapitalismus du idiot...und genau das ist das problem...(und das weisst du auch) banken retten ist kein kapitalismus...grosse unternehmen retten ist kein kapitalismus...

wir brauchen echten kapitalimus..nicht staatliche kontrolle und sozialismus...genau DAS ist das problem..

diesen leute (die banken und ihre bezahlte marionetten in der politik) drehen alles 180°..die verursachen durch ihren eingriffe riesige problem..dann verlangen die mehr kontrolle als 'lösung'..

HansB

19.03.2012, 10:03 Uhr

Wir haben doch gar keinen Kapitalismus! Banken und fremde Staaten retten ist kein Kapitalismus. Liebe Handelsblatt Redaktion, diesen Gedankengang könntet ihr doch auch selbst denken, oder?

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