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02.10.2014

10:56 Uhr

Karriere

„Viele Männer und Frauen sind Management-Amateure“

VonFredmund Malik

Den meisten Frauen und Männern mangelt es an Kenntnissen über richtiges Management – da kracht es schon bei Kleinigkeiten. Es braucht mehr Wissen darüber, wie man trotz Unterschieden professionell zusammenarbeitet.

Fredmund Malik ist an der Universität St. Gallen habilitierter Professor für Unternehmensführung und international ausgezeichneter Managementexperte. PR / Malik Management Zentrum St.Gallen

Fredmund Malik ist an der Universität St. Gallen habilitierter Professor für Unternehmensführung und international ausgezeichneter Managementexperte.

St. GallenSo wichtig die heutigen Diskussionen über die Aufstiegschancen für Frauen, ihre faire Bezahlung und flexiblere Arbeitswelten sind, so sehr fehlt oft das Grundverständnis für richtiges Management als Voraussetzung für diesen nötigen Wandel. Ich verstehe Management als Beruf der Wirksamkeit – egal, ob dieser Beruf von einer Frau oder von einem Mann ausgeübt wird. Das ist meines Erachtens entscheidend, damit Karrieren für Frauen selbstverständlich werden können.

Der beste und einzige Weg, auf dem Menschen erfolgreich werden und Karriere machen können, ist richtiges und gutes Management – umfassend verstanden als Selbstmanagement, Management anderer Menschen und Management von Organisationen. Wie kommt es, dass genau dieses Thema in der Diskussion über Frauenkarrieren so gut wie nicht vorkommt?

Maliks beste Zitate

Das Buch

Der langjährige Nestlé-Chef Helmut Maucher und Fredmund Malik haben sich im Buch "Maucher und Malik über Management" (Campus Verlag) so manches griffige Zitat fallen lassen ...

Definition von Management

Management ist die gesellschaftliche Funktion, die alles andere zum Funktionieren bringt. Es ist auch die Funktion, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Ressourcen in Resultate und in Nutzen für die Gesellschaft transformiert.

Sachkenntnisse

Intime Kenntnisse des Geschäfts machen exzellentes Management überhaupt erst möglich. Selbst noch so gute Manage können nicht ohne Weiteres jedes beliebige Unternehmen führen, wie man so oft annimmt - ganz zu schweigen von anderen Organisationsarten.

Falsche Anreize

Ab 1992 begannen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft auseinanderzudriften, zuerst unmerklich, dann immer stärker, bis daraus buchstäblich zwei verschiedene Welten wurden. Entscheidungen wurden immer stärker an den Börsenbewegungen und den Bewertungen der Finanzanalysten ausgerichtet, statt zu Kundennutzen und Kundenzufriedenheit.

Rolle des Chefs

Ein eherner Grundsatz lautet: Spitze mit Team - und nicht, wie es viele lieber sehen, Team als Spitze. Dies ist ein universell gültiger Grundsatz für die Organisation des Topmanagements, denn kaum etwas lähmt ein Unternehmen mehr als die potenzielle Unentschlossenheit von Teams, ihre häufige Selbstblockade und auch ihre Mediokrität.

Nachfolge-Regelung

Solange man sich jedes Jahr vom CEO trennen kann und gleichzeitig die Nachfolge geregelt ist, verliert die Machtfülle viel von ihrer negativen Seite. Es bleibt aber der Vorteil eines starken CEOs, der das Unternehmen und das Geschäft bis ins Detail kennt.

Führungseigenschaften

Zu solchen Eigenschaften gehören Mut, Nerven und Gelassenheit, Vorstellungskraft, das Denken in Zusammenhängen, Glaubwürdigkeit, Entscheidungsfreude, Verantwortungsbewusstsein, Bescheidenheit mit Stil, aber auch gutes Benehmen und beispielhaftes Auftreten.

Könnte es daher kommen, dass Männer wie Frauen großteils noch immer Management-Amateure sind? Zwar sind heute praktisch alle in ihren Fachberufen weit besser qualifiziert als je zuvor. Ein guter Chemiker hat daher auch kaum Probleme, auf der Sachebene der Chemie mit einer guten Chemikerin zusammenzuarbeiten, denn für beide gelten die Maßstäbe der Professionalität ihres Faches. Dasselbe gilt übertragen auf die Führungsebene: Mit professionellem Management können Frauen und Männer so bleiben, wie sie nun mal sind – und gerade deshalb gut zusammenarbeiten.

Von den etwa drei Millionen Führungskräften in Deutschland – Männer wie Frauen – hat aber nur eine kleine Minderheit eine ernsthafte Ausbildung in richtigem Management. Daher fehlen vergleichbare Maßstäbe für ein wirksames Zusammenarbeiten von Frauen und Männern in ihrer Funktion als Führungskräfte.

Weil also die meisten Frauen und Männer zu wenige Kenntnisse über richtiges Management haben, führen oft schon Kleinigkeiten zu Konflikten. Es fehlt schlichtweg am nötigen Wissen darüber, wie man trotz und gerade bei großen Unterschieden im Denken und Handeln professionell zusammenarbeitet. Als Folge liegen Fähigkeiten von Frauen und Männern weitgehend dann brach, wenn sie sich positiv ergänzen könnten.

Gerade berufstätige Frauen hätten insofern einen Vorteil, als das Leben sie lehrt, die Vielfalt kollidierender Herausforderungen in Beruf und Familie durch eine besonders hoch entwickelte persönliche Wirksamkeit souverän zu meistern. Umso mehr erstaunt es mich, wenn ich in der Praxis Frauen erlebe, die ihre private Wirksamkeit in ihren Beruf nicht einbringen – als wären Beruf und Leben völlig getrennte Welten. Gerade dies würde ihnen aber Respekt verschaffen und zur Karriere beitragen.
Die Herausforderung der Mehrfachbelastungen stellt sich heute für viele Menschen, für Frauen aber besonders. Mit durchdachtem Selbstmanagement, guter Arbeitsmethodik und Disziplin wird vieles nicht nur machbar, sondern kann eine Quelle von persönlicher Souveränität werden.

Management definiere ich als einen Beruf – als den Beruf der Wirksamkeit. Richtig und gut heißt wirksam, es heißt effektiv und effizient; es heißt, die richtigen Dinge tun, und diese gut tun. Bei den immer komplexeren Herausforderungen heutiger Organisationen verlangt dieser Beruf immer höhere Professionalität. So ist ja auch bei den einzelnen Fachgebieten in Technik, Naturwissenschaften, Jurisprudenz oder Informatik. Dort ist das absolut selbstverständlich – bei Management allerdings nicht.

Kommentare (2)

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Herr Uwe Ostertag

02.10.2014, 12:38 Uhr

Es ist noch kein Manager vom Himmel gefallen
theoretisches Wissen alleine reicht nicht, damit kann man alleine nicht effizient managen, es bedarf auch der Fähigkeit, das Wissen in die Praxis umzusetzen, aber auch, logische Zusammenhänge zu erkennen.
In dieser Beziehung bin ich gerade bei Frauen sehr skeptisch, denn der Anteil logisch denkender Frauen ist wesentlich geringer als bei Männern.
Schon allein deshalb bin ich gegen krampfhafte Quoten, auch im Management muss man die Spreu vom Weizen trennen.

Herr Jens Muche

02.10.2014, 15:41 Uhr

Erste Anmerkung

Wir werden gewinnen und der industrielle Westen wird verlieren – sie können nicht viel dagegen unternehmen, da die Gründe für ihr Versagen bei ihnen selbst liegen.
Für sie liegt der Kern des Managments darin, die Ideen aus den Köpfen der Chefs in die Hände der Arbeitskräfte zu tragen.
Für uns besteht der Kern des Managments aus der Kunst, die intellektuellen Resourcen aller Mitarbeiter im Dienste der Firma zu mobilisieren und zu vereinen. Nur mit Hilfe der kombinierten Verstandeskraft aller Mitarbeiter kann eine Firma den Turbulenzen der Heutigen Zeit die Stirn bieten.

Konosoke Matsushita

Zweite Anmerkung

„Wer nicht weiß, woher er kommt, der weiß auch nicht, wohin er geht“
Sprichwort

Es gibt leider in sehr vielen Unternehmen Manager, die sich so verhalten, als ob die Existenz dieser Unternehmen und ihr Ruf nur ihrem Können zu verdanken wäre. Dabei vergessen sie, daß ohne die Leistungen ihrer Vorgänger, ohne die Qualität der Produkte früherer Jahrzehnte, und ohne die Erfahrungen langjähriger Mitarbeiter diese Firmen überhaupt nicht existierten und sie somit keinen Arbeitsplatz hätten.

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