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25.01.2012

16:04 Uhr

Klaus Schwab

Die Welt in der Burn-out-Falle

VonKlaus Schwab

Mit kurzfristigem Denken stoßen Politiker angesichts komplexer Krisen schnell an ihre Grenzen, beobachtet der WEF-Gründer Klaus Schwab. Ein neues Führungsmodell müsse her, basierend auf Werten und Visionen.

Klaus Schwab ist Initiator des Weltwirtschaftsforums in Davos. AFP

Klaus Schwab ist Initiator des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Das Burn-out-Syndrom bezeichnet einen Zustand ausgesprochener Erschöpfung, verbunden mit Stress, Pessimismus, Zynismus, Absonderung und Bunkermentalität. Diese Symptome sind nicht nur besorgniserregend für den einzelnen Menschen, sondern können sich darüber hinaus katastrophal auf das Weltgeschehen auswirken.

Beim Jahrestreffen des World Economic Forums in Davos wird das Thema Burn-out aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet: Ich hoffe, dass das diesjährige Treffen dazu beitragen wird, ein neues Führungsmodell zu schaffen, das in der Lage sein wird, diesem Übel beizukommen.

Das vergangene, von bedeutenden Umwälzungen geprägte Jahr vermittelt den Eindruck, das globale System sei im Begriff auseinanderzubrechen: Finanz- und Schuldenkrise, Arbeitslosigkeit, politische Lähmung, soziale Ungerechtigkeit, Nahrungsmittel- und Energieknappheit - um nur einige Phänomene zu nennen. Das Auftreten so vieler gleichzeitiger und zusammenhängender Probleme bringt die Führungsverantwortlichen an ihre Grenzen. Parallel dazu versuchen die Menschen, mit Systemen und Sicherheitsmaßnahmen, die das Fundament unserer Existenz als globale Gemeinschaft bilden, die heutigen komplexen Risiken zu bewältigen.

Die übliche Reaktion in solchem Kontext ist der Ruf nach stärkerer Führung. Die Ereignisse der letzten Jahre haben indessen immer wieder die Grenzen der Führung in ihrer traditionellen Form aufgezeigt. Die mit nationalen Problemen beschäftigten, von einer Krise in die nächste schlitternden Leader haben wenig spürbare Fortschritte erzielt. Vielmehr wurden kurzfristige Lösungen eingeleitet, in einer Welt, die in rasantem Tempo aus den Fugen gerät. Kein Wunder, dass die Menschen das Vertrauen in unsere Führungsverantwortlichen verlieren. Die verständliche Frustration und Not kommt in Bewegungen wie „Occupy“ oder dem „Arabischen Frühling“ rund um die Welt zum Ausdruck.

Es besteht dringender Handlungsbedarf. Wir müssen nicht nur neue Modelle finden, um unsere weltweiten Herausforderungen gemeinsam anzugehen, sondern darüber hinaus ein neues Leadership-Modell entwickeln, das in der modernen Welt greift: Leadership, basierend auf Visionen und Werten, um die derzeitigen Probleme zu überwinden. Diese Kombination kann Führungspersönlichkeiten als Kompass dienen, der ihnen bei der Entscheidungsfindung die Richtung weist.

Kommentare (5)

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Fernsaeer

25.01.2012, 16:24 Uhr

Die ganzen Visionäre sollten lieber zum Arzt gehen. Steigert wenigstens das Bruttosozialprodukt!

Account gelöscht!

25.01.2012, 17:48 Uhr

Weniger Gesetze und Verordnungen. Weniger schwachsinnige Zielvereinbarungen, die mich manchmal an einen Fünfjahresplan eines besoffenen Dorfsowjet aus der Taiga erinnern. Weniger Gängelei. Mehr Eigenverantwortung und Freiräume fördern.Mehr Ganztagsbetreuung für Kinder. Auch Nachts. Paare im Schichtdienst werden es euch danken!!! Eines der wenigen, sinnvollen Dinge im Sozialismus.

Lutz

26.01.2012, 11:44 Uhr

„Wer Visionen hat, sollte lieber gleich zum Arzt gehen“

Viele unserer heutigen Errungenschaften sind aus Visionen hervorgegangen.

Dieses Zitat stammt wohl von Helmut Schmidt, der schon mit dem Internet nichts anfangen konnte.





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