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06.07.2012

20:24 Uhr

Kurt Biedenkopf

Der europäische Auftrag

VonKurt Biedenkopf

Leistungen werden gefordert, Gegenleistungen aber lediglich versprochen: Schluss mit dem Taktieren bei der Euro-Krise. Die EU-Staaten müssen viel mehr endlich ihre Abhängigkeit von den Finanzmärkten überwinden.

Kurt Biedenkopf war Ministerpräsident von Sachsen und CDU-Generalsekretär. Reuters

Kurt Biedenkopf war Ministerpräsident von Sachsen und CDU-Generalsekretär.

Wer in den letzten Tagen wissen wollte, was sich neben der Fußballeuropameisterschaft in Europa noch so alles ereignet, dem mussten die Dinge besonders verworren und widersprüchlich erscheinen. Meldungen über Siege und Niederlagen statt notwendiger Aufklärung. Skepsis gegenüber allem, was politisch bis in die frühen Morgenstunden entschieden und wieder verändert und an anderer Stelle anders entschieden wurde. Von gebrochenen Achsen und neuen Bündnissen ist die Rede und davon, dass alle anderen eigentlich nur unser Geld wollen. Keine Sternstunde demokratischer Transparenz und Orientierung.

Gegenposition im Wortlaut: Keine Schreckgespenster!

Gegenposition im Wortlaut

Keine Schreckgespenster!

Mit ihrem Aufruf zum Protest schüren die 160 Wirtschaftswissenschaftler Angst und Verunsicherung, sagen die Kritiker. Der Protestbrief enthalte keine Fakten, sondern vor allem Klischees und fragwürdige Argumente.

In solchen Zeiten lohnt es sich, danach zu fragen, was in krisenhafter Orientierungslosigkeit gültig und unabänderlich bleibt für Europa. Gültig bleibt, dass seine Union im Kern eine Gründung Frankreichs, Italiens und Deutschlands ist. Schuman, de Gasperi und Adenauer sind die Namen, die sich mit ihr verbinden. Sie war die Antwort auf die beiden Weltkriege. Aber ihre Wurzeln hatte sie in der Geschichte der drei Staaten, die seit der Zeit des Römischen Reichs und später des Reichs Karls des Großen aufeinander bezogen und angewiesen waren.

Nach Protest-Aufruf: Euro-Kritiker feiern Ökonomen-Revolte

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Politiker, Steuerzahler- und Wirtschaftsverbände unterstützen den Protest.

Wir sollten uns auf diese gemeinsame widersprüchliche, kriegerische, aber auch einzigartig kreative, die Welt verändernde Geschichte besinnen, wenn uns das Chaos entmutigt, das immer wieder mit dem Versuch verbunden sein wird, die Idee einer politischen Einheit Europas zu verwirklichen. Im Vergleich zu dieser Geschichte sind Finanz- und Schuldenkrisen zwar dramatisch und schmerzhaft. Aber wirklich gefährden können sie Europa nicht. Denn es kann in Europa keine Erbfeindschaft und keine Kriege mehr geben.

Kommentare (21)

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06.07.2012, 22:10 Uhr

Der Euro als Instrument zur Versklavung der Völker.
Der große Sprung nach vorn. Sie können es nicht lassen...

Dazu kann ich nur sagen, niemals!
Wenn ihr SO weiter macht, mit dem Weg zu den Vereinigten Sklavenstaaten von Europa, dann wird es zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen kommen.

Hört endlich auf mit der Versklavung der Völker und Nationen. Schafft den Euro und den Brüsseler Apparat der Verträge von Maastricht und Lissabon ab und geht zurück zu den römischen Verträgen. Befreit Europa vom sozialistischen Mehltau Brüssels.

Das ist in der Tat alternativlos.

Fortunio

06.07.2012, 22:13 Uhr

Nette Analyse Herr Biedenkopf , nur leider unvollständig. Es stimmt zwar, dass die von Helmut Kohl bevorzugte Krönungstheorie, also erst dann eine Währungsunion, wenn vorher eine politische Union und eine Fiskalunion zustande gkommen ist, zu vollziehen, aus politischen Gründen nicht bewerkstelligt werden konnte, stattdessen die Lokomotivtheorie zum Zuge kam, die besagte, Konvergenzen würden sich durch eine gemeinsame Währungszone gleichsam von alleine herstellen. Die Lokomotivtheorie hat sich als Illusion erwiesen, statt Konvergenzen haben wir Divergenzen zu verzeichnen, die enorm sind und die keiner auf der Rechnung hatte.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit ist die Euro-Zone eine suboptimale Währungszone mit sehr unterschiedlichen Mitglieder, witschaftlich, kulturell, mental und so gut wie nicht auf einen "Währungsnenner" zu bringen. Nehmen Sie das Beispiel Italien. Der Norden ist mitteleuropäisch, der Süden eher wie das griechische Beispiel . Innerhalb Italiens ist das Problem einigermaßen zu bewältigen, wenn auch nicht gut. Im Europäischen Maßstab aber so gut wie nicht.Da helfen auch alle administrativen zentralen Vorstellungen wie Souveränitätsabgaben und Budjetkontrollen nicht viel weiter.
Europa benötigt etwas anderes anstelle von überzogener Zentralität, nämlich einen funktionierenden Staatenbund mit Ländern , die ihre Währungshoheit besitzen oder zurückerlangen mit einem schwankunsfähigen Währungskorb wie zu Vor-Euro-Zeiten.
Ein Schritt zurück ist manchmal ein Schritt nach vorne.

Account gelöscht!

06.07.2012, 22:23 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Biedenkopf,

so funktioniert nicht das. Wir haben verstanden, dass die Südländer sich nicht begrenzen (lassen) wollen, und wir wollen den Ärger nicht mehr, der aus unseren Versuchen resultiert, sie zur (Selbst-)Begrenzung zu bewegen. Der Euro ist gescheitert, kehren wir zurück zu den Nationalwährungen. Die EU täte besser daran, sich um eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu kümmern.

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