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15.08.2012

12:25 Uhr

Marek Dutschke

„Herzlichen Glückwunsch, Friede Springer“

VonMarek Dutschke

Die Berichte des Springer-Konzerns waren nicht ganz unschuldig am Tod des Studentenführers Rudi Dutschke. Jetzt gratuliert ausgerechnet Dutschkes Sohn Friede Springer zum 70. Geburtstag - und findet überraschende Worte.

Friede Springer: „Bodenständig bei aller Machtfülle“ dpa

Friede Springer: „Bodenständig bei aller Machtfülle“

Friede Springer ist heute 70 Jahre alt geworden und das Handelsblatt hat mich gebeten, eine Laudatio auf die Verlegerin zu schreiben. Ich bin wahrscheinlich eine ungewöhnliche Wahl, da ich nicht gerade ein Freund des Springer-Konzerns bin. Ich vertrete der Ansicht, dass der Springer-Verlag Ende der sechziger Jahre eine Berichterstattung vorangetrieben hat, die mitverantwortlich für das Attentat auf meinen Vater und für die weitere Eskalation der Gewalt war.

Diese Berichterstattung kann jedoch Friede Springer nicht vorgeworfen werden. Zu dem Zeitpunkt war sie eigentlich nur ein einfaches Kindermädchen im Hause des großen Verlegers Axel Cäsar Springer. Dann heiratete er sie, was an sich nicht ungewöhnlich ist. Aber erstaunlich war dann schon, dass das ehemalige Kindermädchen nach dem Tode Axel Springers den mächtigen Medienkonzern übernommen und zwei Jahrzehnte erfolgreich geführt hat. Und das alles mit der Qualifikation einer abgebrochenen Hotelkauffraulehre.

Marek Dutschke

Marek Dutschke

Der alte Springer hat gesagt, dass er in Friede einen von Gott geschickten blonden Engel sieht. Das ist gewiss sehr charmant, unterschätzt aber dennoch die große Leistung seiner Frau. Über das Ausmaß ihrer Führungskraft wäre Axel Springer sicherlich auch sehr überrascht gewesen. Zum Zeitpunkt seines Todes war lediglich etwas mehr als ein Viertel der Verlagsanteile im Familienbesitz. Im Laufe der Zeit hat sich Friede Springer enorm geschickt positioniert und war in der Lage, die Anteile der Familie Burda zu erwerben und anderen Erben ihre Anteile auszuzahlen. Dadurch wurde Sie Mehrheitseignerin und gleichzeitig die allmächtige Frau des Konzerns. Sie ist es bis heute geblieben.

Bei aller Machtfülle hat sich diese unscheinbare Frau von der nordfriesischen Insel Föhr eine zurückhaltende und bodenständige Art bewahrt. Eine Zeitlang habe ich in Berlin in der gleichen Straße wie Friede Springer gewohnt, im grünen Dahlem. Dort habe ich sie öfter gesehen, wie sie morgens mit dem Fahrrad zum Bäcker radelte und dann mit Schrippen und der Bild-Zeitung zurückkam. Im Gegensatz zu anderen Menschen aus bescheidenen Verhältnissen, die es zu großem Reichtum gebracht haben, hat sie anscheinend nicht die Bodenhaftung verloren und sich irgendwelchen Jetset-Allüren hingegeben. Dies trug sicherlich dazu bei, dass sie sich voll und ganz auf die Arbeit im Verlag konzentrieren konnte.

Der Lebensleistung von Friede Springer möchte ich Respekt zollen. Aber einige Kritikpunkte kann ich mir auch jetzt nicht verkneifen. Denn auch unter der Herrschaft von ihr ist die Berichterstattung des Springer-Verlags weiterhin oft zu scharf und einseitig in der Darstellung von Ereignissen. Zwar sind solche Hetzkampagnen, wie gegen meinen Vater damals, heute kaum noch denkbar, aber Qualitätsjournalismus lassen die Publikationen des Hauses weiterhin vermissen.

Friede Springer: Knallharte Unternehmerin mit Herz

Friede Springer

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Die Verlegerin ist eine der mächtigsten Unternehmerinnen des Landes. Heute wird sie 70.

Ich kenne Friede Springer nicht persönlich, aber ich habe ihr einmal einen Brief geschrieben, in dem ich sie als Witwe und Erbin Axel Springers aufgefordert habe, mir zu erklären, wieso der Verlag meinen Vater so furchtbar verunglimpfen konnte. Ich ging die Straße runter und steckte den Brief bei ihr in den Kasten. Die Antwort folgte prompt. An „den lieben Herrn Dutschke", schrieb sie mir, dass ihr verstorbener Mann damals von allen Seiten angefeindet worden sei. Der Brief war freundlich und milde, aber in der wichtigsten Frage blieb sie der alten Linie treu: "Schuld am Tod Ihres Vaters kann Axel Springer gar nicht gewesen sein". Begründet hat sie das leider nicht. Auch die kläglichen Versuche der letzten Jahre, die Verlagsvergangenheit selbstkritisch aufzuarbeiten, haben das Verständnis der vergangenen Ereignisse keinen Schritt weitergebracht.

Nach Friede Springers Antwortbrief war ich enttäuscht und verärgert. Ihr Schreiben habe ich an den Spiegel ausgehändigt, um ihr ein auszuwischen. Jahre später hat mir ein befreundeter Journalist erzählt, dass Friede Springer mir diese Herausgabe einer privaten Korrespondenz übel genommen hat. Zum Siebzigsten möchte ich versöhnlich sagen, dass dies nicht als Angriff gegen sie persönlich gemeint war, sondern als Zeichen des Protests gegen den Springer-Verlag. Herzlichen Glückwunsch.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist an der Hertie School of Governance beschäftigt und lebt in Berlin. Marek Dutschke schreibt regelmäßig Kolumnen für Handelsblatt Online.

 

Kommentare (8)

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Martin_Luther_King

15.08.2012, 12:57 Uhr

Springer ist Deutschlands Murdoch, ein Bilderbuch Antidemokrat.
Es gibt keine vergleichbare Kraft in diesem Lande die sich auch nur annähernd so korrupierend auf die Politik auswirkt und somit dem Gemeinwohl schadet.

Account gelöscht!

15.08.2012, 14:04 Uhr

Die Springerpresse macht zwar ihr Geld, aber Deutschland braucht den dortigen Tenor nicht. Berichtwerstattung muß nicht kritisch sein, aber objektiv. Und diese Grenze sehe ich bei Springer in der Form überschritten, daß die Leserschaft mit Hofberichterstattung und Infos auf Regenebogen-Presseniveau zugemüllt wird. Für fundierte und objektive Hintergründe ist dort kein Platz mehr. Ganz im Sinne der dortigen Firmenleitung als auch von Frau Merkel: Das Volk soll untertänig sein und braucht nicht jede Information. Die mediale Volkslenkung merkt man leider auch bei den restriktiven Kommentarfunktionen die nur sehr begrenzt Kritik ermöglichen.

Mein Abo der WELT gab ich schon seit langem auf und heute klicke ich nicht mal mehr auf Springer-Publikationen wie Hamburger Abendblatt und wie sie alle heißen. Laotse formulierte den Gedanken und Moliére wiedrholte ihn: Jeder ist auch für das verantwortlich, was er nicht tut. Ich hoffe, daß das für Springer Folgen hat.

SWILHEL

15.08.2012, 14:11 Uhr

Was für Unschuldslämmer hier! Frau Springer hat einen grossen Konzern geprägt und geschaffen. Tausende Arbeitsplätze erhalten. Bitte mehr Respekt vor solch einer Dame. Ausserdem ist wohl die Produktpalette sehr gut, sonst würde es Springer nicht so gut gehen. In vielen Kommentaren auch in anderen Artikeln, habe ich das Gefühl, das hier in Deutschland eine ziemlich voll gefressene Wohlstandsgesellschaft lebt. Erst einmal selbst ein Unternehmen gründen und führen, bevor sich hier jemand über solch eine Frau lästert.

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