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18.04.2012

16:25 Uhr

Marina Weisband

„Flexibilität und Transparenz wichtiger als Programme“

VonMarina Weisband

Die politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, ist davon überzeugt, dass Parteien mit dem basisdemokratischen Konzept der Piraten schneller auf neue Herausforderungen reagieren können.

Marina Weisband, politische Geschäftsführerin der Piraten. dpa

Marina Weisband, politische Geschäftsführerin der Piraten.

Wie kommt es, dass man immer liest, die Piratenpartei habe kein Programm, wenn das ausführliche Programm doch online steht und verfügbar ist? Das liegt daran, dass der „frische Wind“, den wir in die Politik bringen, oft ein wenig zu frisch ist. Das erschwert das Verständnis. Häufig werden unsere Positionen zu Themen erfragt, die gerade hochaktuell sind, zum Beispiel zur Euro-Krise. Wir haben aber auf die aktuellen Probleme des Bundes noch keinen Einfluss und keine volle Einsicht in die Faktenlage.

Wir arbeiten an solchen aktuellen Fragen erst seit kurzem. Es ist nicht so, dass wir keine Lösungen dafür hätten, wir haben etwa 20. Wir müssen aber noch darüber abstimmen, welche die besten sind. Hat man erst ein Grundsatzprogramm, geht die Entwicklung konkreter Antworten schneller.

Live-Interview: Wofür stehen die Piraten?

Live-Interview

Wofür stehen die Piraten?

Joachim Paul (@Nick_Haflinger), Spitzenkandidat der Piraten in NRW, stellte sich Mittwochabend in Düsseldorf den Fragen von @Oli_Stock (Chefredakteur Handelsblatt Online) und des Publikums. Das Protokoll zum Nachlesen.

Woran wir aber seit Jahren arbeiten, sind Themen, die in einigen Jahren aktuell werden, wenn wir dann etwas zu sagen haben. Die Gesellschaft verändert sich grundlegend, wir treten in das Informationszeitalter ein. In einigen Jahren werden die Menschen mit neuen Problemen konfrontiert sein, über die wir uns seit dem Jahr 2006 Gedanken machen.

Viele unserer Güter sind verlustfrei kopierbar geworden. Wie können wir als Gesellschaft damit umgehen lernen und dabei Künstler weiterhin entlohnen? Welche Möglichkeiten bietet das Internet für mehr Transparenz und mehr Partizipation? Was ist in Zeiten von Facebook öffentlich, was noch privat? Wie kann die Wirtschaft funktionieren, wenn es nicht mehr Arbeit für jeden gibt, weil wir so viel automatisiert haben? Wie sieht die moderne Familie jenseits des klassischen Familienbildes aus? Was muss ein Kind an der Schule heutzutage lernen - und: wie?

Wir haben uns mit all diesen Fragen längst beschäftigt und legen dafür Konzepte vor. Aber ein Konzept steht auch in der Diskussion bei uns immer vorn, nämlich die Frage: Wie kommen wir zu unseren Positionen? Man sagt, wir hätten kein Programm. Nun, die CDU hat ein Programm. Darin stand auch die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Stattdessen hat die CDU den Atomausstieg beschlossen. Im Wahlprogramm der FDP standen Steuersenkungen. Die gab es nur für Hotels.

Zur Euro-Krise hatte keine Partei etwas im Wahlprogramm. Was sehen wir? Was im Programm steht, ist erst mal nur die halbe Miete. Die eigentliche Frage ist, was man davon umsetzt und wie man mit neuen Problemen umgeht. Wenn ich eine Partei wähle, ist mir wichtig, wie sie auf neue Probleme reagieren wird, von denen man vier Jahre im Voraus nichts ahnen kann.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

18.04.2012, 18:33 Uhr

Sehr geehrte Frau Weisband,

vieles von dem, was Sie sagen, hat es in der Welt außerhalb des Internets - ja, es gibt sie tatsächlich - schon immer gegeben.

Es gibt seit hunderten von Jahren Migration und Arbeitsmarktprobleme. Ganze Berufszweige verschwanden, weil Paradigmenwechsel in Gesellschaft und Technik vollzogen wurden.

Wir treten auch nicht in ein Informationszeitalter ein. Die Menschheit war z.B. nach der Erfindung des Buchdrucks, der Zeitung oder der Telegrafen und Telefone immer gewaltigen Veränderungen in einer Informationsgesellschaft ausgesetzt.

Wenn alle Autoren, die nicht mit Ihren Vorstellungen zum "freien Kopieren" einverstanden sind, ihre Werke aus dem Internet entfernen würden, dann hätten Sie bald ein Problem: Ihnen würde der Netz-Inhalt ausgehen.

Wenn Ihre Partei tatsächlich ernst genommen werden will, dann sollten Sie bald zu allen wichtigen Fragen des Lebens ein Position beziehen.

Es ist bequem, stets Informationsmanegl geltend zu machen. Vollständige Informationen werden Sie niemals haben. Weder, wenn Sie eine Firma führen noch wenn Sie verheiratet sind.

Zur Zeit sind Sie vor allem eine Projektionsfläche für unzufriedene Menschen. Werden Sie erwachsen.

Account gelöscht!

18.04.2012, 18:45 Uhr

Um einmal zu zeigen, wie schnell Politik reagiert, nenne ich ein paar Auffälligkeiten an Schülern aus den Wiener Untersuchungen in Groß-Wohnanlagen: Reizbarkeit, leichte Ermüdbarkeit, Naturfremdheit, Hast, Gemütsarmut, Konzentrationsschwäche, Aggressivität, Unselbständigkeit, Mangel an Selbstvertrauen, Genußgier und Depressionen. Erschreckend ist dabei die Datierung der Untersuchung: 1950 – 1970!!! Was sagt ein Politiker dazu? Ööö. Mein Kind ist im Internat. Die Folgen sind Facharbeitermangel, Sozialfälle und Krankenkosten.
Dann gibt es Konzepte, die man nicht erdenken muß. Sie stehen in den Physikbüchern (Merkel aufgepaßt!!!), Weg ist Zeit und kostet Geld! Aber heute gilt man schon als Schlau, wenn man eine Abkürzung kennt. Merkel, Hubschrauber sind nur für Dienstwege vorgesehen!

Holzauge

18.04.2012, 21:09 Uhr

"Flexibilität und Transparenz wichtiger als Programme“

So ist es, der Weg ist das Ziel.

Es ist viel wichtiger eine entsprechende Organisation aufzubauen die sich aufgrund ihrer Struktur fast zwangsweise in den Dienst der Bürgerinnen und Bürger stellt als Inhalte zu definieren.

Gelingt den Piraten dies, läuft der Laden hoch wie einen Turbine.

Nichts ist so mächtig wie eine Idee deren Zeitgekommen ist.

Die Piraten haben das Potenzial die politische Landschaft neu zu gestalten und im Grunde genommen auch die Pflicht.

Alles klar zum ändern !

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