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04.09.2012

12:53 Uhr

Meinung

Vorsicht vor der nächsten Sackgasse

VonRoland Boekhout

Nur Asche aufs Haupt? Das reicht nicht um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, sagt Roland Boekhout von der Ing-Diba. Er fordert die Banken auf ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten.

Regenwolken ziehen abends über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main auf. dpa

Regenwolken ziehen abends über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main auf.

Zu den erstaunlichen Phänomenen der Finanzkrise gehört es, dass seit deren Beginn die Statements von führenden Akteuren der Finanzwelt oft so defensiv und bescheiden daherkommen, wie es vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Von verlorenem Vertrauen ist die Rede. Von Demut und von einer Rückbesinnung auf Werte wie Bescheidenheit und Integrität. Richtig so! Angesichts der tiefgreifenden Probleme in unserer Branche stehen uns Selbstkritik und Reflexion gut zu Gesicht. Zudem ist die Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die falschen Entscheidungen der Vergangenheit nicht wiederholen. Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit und Konsequenz sind dabei gefordert. Nur publikumswirksam Asche auf unsere Häupter zu streuen, während wir darauf hoffen, uns an den wahren Existenzfragen unserer Branche vorbeimogeln zu können, wird uns zwangsläufig in die nächste Sackgasse führen.

Die Zukunft der Finanzbranche gehört vor allem denen, die auf die drängenden Fragen ihrer Kunden die richtigen Antworten haben. Müssen strauchelnde Banken oder Staaten um jeden Preis gerettet werden? Verdienen Bankmanager, was sie verdienen? Meine Antworten: Wir brauchen ein europäisches Insolvenzrecht für Banken, mit dem angeschlagene Geldhäuser im Zweifel auch geordnet abgewickelt werden können. Andernfalls droht eine Überforderung der Staatshaushalte. Und Bonuszahlungen müssen sich viel stärker wieder an langfristigen Erfolgen orientieren. Auch in diesem Sinne müssen Bankmanager wieder eine Vorbildfunktion übernehmen. "Für ein Schiff ohne Steuermann ist jeder Wind Gegenwind", sagt eine holländische Redensart.

Dies bringt auf den Punkt, was jetzt gefragt ist: eine klare Führung, die sich an Werten wie Fairness, Transparenz und Solidität orientiert. Dazu gehört für mich auch eine Bescheidenheit bei den Gewinnzielen. Für alle Kreditinstitute, egal ob Privatbanken, Sparkassen oder Genossenschaftsbanken, muss gelten: Was gut für unsere Kunden ist, ist langfristig auch gut für uns.

Die Zufriedenheit der Kunden - das gilt für Banken ganz besonders - muss im Zentrum unserer Überlegungen stehen. Denn sie ist die Basis für das gegenseitige Vertrauen und eine für beide Seiten auskömmliche Geschäftsverbindung. Diese Basis darf nicht durch kurzsichtige Aktivitäten zur eigenen Gewinnmaximierung aufs Spiel gesetzt werden. Banken, die sich nicht um Offenheit und Verlässlichkeit im Umgang mit ihren Kunden bemühen, gefährden ihre eigene Geschäftsgrundlage. Denn vor allem im hart umkämpften Retailmarkt gibt es für enttäuschte Kunden viele schnell verfügbare Alternativen.

Kommentare (1)

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Hermann.12

07.09.2012, 11:30 Uhr

Die eigentlich Frage ist die nach der Glaubwürdigkeit, wenn heute Bescheidenheit demonstriert wird.
Es handelt sich schließlich um Karrieristen, die in einer Mediengesellschaft das eine tun und das andere predigen.
Warum sollte dies jetzt anders sein?
Wir haben schlicht das falsche Führungspersonal durch falsche Auslese, es ist nicht davon auszugehen, dass sich durch die Krise da etwas massgeblich geändert hat. Weder haben sich die Auswahlverfahren geändert, noch ist es glaubwürdig, dass diese Personen heute klüger sind. Sie sind halt wie immer opportun, und wer als Banker heute nicht bescheiden daherkommt, über den ergießt sich ein Ansturm der Entrüstung, der schnell den Job kosten kann.
Sie tun halt das, was sie die ganze Zeit getan haben. Dafür sorgen, das man nicht verantwortlich gemacht werdne kann und mit dem Strom schwimmen, um ja nicht unbequem werden. Beides ist heutzutage ein Karrierekiller.

H.

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