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10.02.2012

09:28 Uhr

Naher Osten

Der Krieg gegen Iran ist längst im Gang

VonJosef Joffe

Morde an Wissenschaftlern, Stuxnet und Sabotage: Israel versucht seit geraumer Zeit, die Atomrüstung Teherans zu stoppen. Das geht auch ohne den Einsatz von Kampfjets. Ein Gastkommentar.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit Verteidigungsminister Ahmad Wahidi (links) bei einer Militärparade. dpa

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit Verteidigungsminister Ahmad Wahidi (links) bei einer Militärparade.

Das Dröhnen der Kriegstrommeln hört nicht auf. Die Europäer proben das Ölembargo gegen Iran, das iranische Parlament will ihnen zuvorkommen und den Hahn sofort zudrehen. Dahinter wummern die Kesselpauken, die von einem israelischen Angriff auf die Atomanlagen künden. Der US-Verteidigungschef Leon Panetta weiß genau, wann: zwischen April und Juni. Diese nackte Ansage durfte nicht stehen bleiben. Also griff Barack Obama am Sonntag durch: „Ich glaube nicht, dass Israel eine Entscheidung getroffen hat.“ Aber der Druck auf Teheran bleibt: Solange es nicht von seinen atomaren Ambitionen lasse, „wird Israel sehr besorgt sein“. Und „wir auch“.

Vergangene Woche hatte der israelische Verteidigungsminister im Psychokrieg eskaliert: „Später“ könnte „zu spät“ sein. Am Montag zürnte Präsident Schimon Peres: Die Iraner „haben keine Zukunft, und wir werden im Kampf gegen sie siegen“.

„Zeit“-Herausgeber Josef Joffe. PR

„Zeit“-Herausgeber Josef Joffe.

In der strategischen Analyse – Israel will, aber kann nicht so richtig, Amerika kann, aber will nicht – hat sich nur ein Faktor zugunsten eines Angriffs geändert: die mögliche Flugroute. Solange die USA den irakischen Luftraum beherrschten, hätten die israelischen F-15 und F-16 einen langen Umweg fliegen müssen. Entweder auf der „Nordroute“: hoch zur türkisch-syrischen Grenze, dann scharf rechts entlang dieser Linie bis nach Iran, schließlich wieder rechts nach Süden zu den Zielen: rund 2.000 Kilometer. Oder die „Südroute“ quer durch Jordanien, dann durch Saudi-Arabien, schließlich über den Golf zu den verbunkerten Anreicherungsanlagen bei Ghom. Macht etwa 1.800 Kilometer.

Jetzt, da die Israelis den Irak nicht mehr meiden müssen, könnten sie in gerader Linie fliegen – etwa 1.200 bis 1.500 Kilometer. Was schafft eine F-15? Unter idealen Bedingungen (hoch, mit Extra-Tanks und unbeladen) an die 4.000 Kilometer – eine Milchmädchenrechnung. Erstens müssen sie wieder zurückfliegen. Zweitens müssen sie phasenweise niedrig in „dicker“, treibstofffressender Luft fliegen, um unentdeckt zu bleiben. Drittens, je mehr Waffen, desto weniger Kerosin. Es geht also nicht ohne Auftanken.

Israel hat aber nur neun Tankflugzeuge. Mit denen könnte es theoretisch eine Armada von 70 bis 90 Kampfjets bedienen, aber die Choreografie wäre halsbrecherisch. Keinesfalls könnten die Tanker tagelang in der Luft bleiben. Ergo: einmal hin und zurück.

Kommentare (69)

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anton

10.02.2012, 09:45 Uhr

Mutiger Beitrag. Auch in Syrien kämpfen vom Westen finanzierte Truppen gegen die Regierung. Es ist an der Zeit der deutschen Bevölkerung die Wahrheit zu sagen und nicht nur das politisch gewollte zu servieren.
Wir sollten uns aus derart verbrecherischen Aktionen unbedingt heraushalten. Morde und Anschläge sind hinterhaltig und brechen jedes Völkerrecht. Ich hoffe es kommt nicht zu weiteren Eskalationen, der Iran wird laufend provoziert und es könnte schnell zu einem unkontrollierten Krieg in der Region kommen.

Peer

10.02.2012, 09:48 Uhr

Grauenhaft, das wetzen die israelisch, amerikanischen Kriegstreiber wieder das Messer gegen den friedliebenden Iran und die Welt sieht tatenlos zu.

Wann stoppt die Welt endlich diesen Wahnsinn????

Mainstreammedien

10.02.2012, 09:52 Uhr

Wer berechtigt eigentlich Israel einen "Untergrund-Krieg" zu führen?
Und hat Israel keine Atomwaffen?
Gab es schon einmal Kontrollen, die man vom Iran so energisch fordert?
Der Kommentar hat gut begonnen, danach nur noch Mainstream!

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