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02.01.2009

14:30 Uhr

Nahost-Konflikt

Gaza muss unter internationale Verwaltung

VonMichael Wolffsohn

ExklusivDie Hamas braucht über kurz oder lang einen Waffenstillstand, meint Michael Wolffsohn. Der Historiker von der Münchner Bundeswehr-Universität sieht die radikal-islamische Organisation in der Defensive und die Unterstützung durch die Palästinenser im Gazastreifen schwinden. In einem Gastbeitrag für Handelsblatt.com skizziert er wie eine Lösung des Nahost-Konflikts aussehen könnte.

Wofür führen Hamas und Israel Krieg? Das ist die entscheidende Frage. Sie gilt bezüglich der Kriegsführung wie -beendigung. Ebenso eindeutig ist, dass jeder überall und immer sein Ziel lieber politisch als militärisch erreicht, denn das ist der bequemere Weg. Daher gilt heute wie früher, was Carl von Clausewitz klassisch formulierte: Krieg sei ein Instrument der Politik, um dem Gegner seinen Willen aufzuzwingen – weil und wenn dies ohne Gewaltanwendung unmöglich ist.

Das langfristige Ziel der Hamas ist klar: Ihr islamistisches „Palästina“ soll nicht nur im Gazastreifen bestehen, sondern auch im Westjordanland, im heutigen Israel und, keine Frage, langfristig auch im Königreich Jordanien, das bis 1924 zu „Palästina“ gehörte. Das bedeutet: Der Jüdische Staat, Israel, muss von der Nahost-Landkarte verschwinden, das palästinensische Westjordanland islamistisch (also totalitär) regiert und Jordanien in die gleiche Richtung transformiert werden.

Das wiederum bedeutet: In diesem Kampf sind Westjordanland-Präsident Abbas sowie Jordaniens König Abdallah Israels politische Verbündete. Nicht nur sie, sondern der Teil der arabischen Welt, der dem Islamismus abhold ist, sei er sunnitisch (wie bei der Hamas) oder schiitisch à la Iran und der libanesischen Hisbollah. Man täusche sich aber nicht: Das Bündnis zwischen der sunnitischen Hamas und ihren schiitischen Partnern wird zerbrechen, weil die theologischen Gräben ungeheuer tief sind.

Von ihren Zielen ist die Hamas noch weit entfernt. Sie hat bislang nur im Gazastreifen die Macht ergriffen. Dass sie Israel militärisch nicht niederstrecken kann, weiß die Hamas. Sie kann aber sehr wohl ungefähr einer Million Israelis, die in Reichweite der Hamasraketen leben, den Alltag zur Hölle verwandeln, den Durchhaltewillen und die Wirtschaft der Israelis schwächen, die „israelischen Araber“ (also Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) radikalisieren und somit den jüdisch-arabischen Gegensatz innerhalb des israelischen Kernlandes langfristig und vollständig destabilisieren. Ansätze hierzu sind schon erkennbar. Allein am 1. Januar 2009 gab es in Israel 60 ernstzunehmende Warnungen vor Terroranschlägen israelischer Araber!

So gesehen, ist die Vorgehensweise der Hamas nicht nur rational, sondern erfolgversprechend. Doch das ist nur die eine Seite, denn Israel bleibt nicht untätig. Wenn auf der Kö´ in Düsseldorf, Unter den Linden in Berlin oder auf dem Münchener Marienplatz fast täglich Raketen einschlügen, würde auch die Bundesregierung reagieren. Ja, reagieren müssen, denn jeder Staat hat zuerst und vor allem die Aufgabe, seine Bürger nach innen und außen zu schützen. Israel konnte daher nicht tatenlos zuschauen, wie der Süden des Landes ständig bombardiert wurde. Es will auch an dieser Front „seine Ruhe haben“. Das ist Israels Wille, sein erstes Kriegsziel. Ohne Gewaltanwendung war das bislang nicht zu erreichen.

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