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21.12.2012

11:17 Uhr

Nina Chrustschowa

Russland rennt im Hamsterrad der Geschichte

VonNina L. Chruschtschowa

Russlands Bodenschätze, Bevölkerung und Staatsgebiet schrumpft. Doch der Kreml reagiert nicht. Präsident Wladimir Putin führt das Land zurück in die Vergangenheit, urteilt die Urenkelin von Nikita Chruschtschow.

Nina Chruschtschowa  ist Senior Fellow am World Policy Institute in New York. Pr

Nina Chruschtschowa ist Senior Fellow am World Policy Institute in New York.

MoskauStrategische Vision war noch nie ein russisches Markenzeichen und auch im Jahr 2012 war davon absolut nichts zu erkennen. Russlands riesiges Territorium scheint seiner Führung weiterhin den Blick für die Notwendigkeit einer Zukunftsplanung zu verstellen. Zudem ist man überzeugt, dass die scheinbar unerschöpflichen Bodenschätze es dem Land ermöglichen, jede Unwägbarkeit zu bewältigen.  

Aus diesem Grund geht Russland stets unvorbereitet in die Zukunft. Ebenso wie die russische Staatsführung es in der Vergangenheit versäumte, sich auf den Fall des Kommunismus vorzubereiten, zeigt die heutige Schwäche der russischen Wirtschaft, dass man auch für die kommenden Jahrzehnte schlecht gerüstet ist, die von erschöpften Ressourcen, schwindenden Bevölkerungszahlen und einem sich verkleinernden Staatsgebiet geprägt sein werden.  

Wladimir Putins diesjährige Rückkehr in das Präsidentenamt markiert einen neuen Tiefpunkt im Hinblick auf eine strategische Vision Russlands. Schließlich ist die Vergangenheit die einzige Zukunft, die Putin für das Land jemals anstrebte.  

Wladimir Putin: Der Zar hält Hof

Wladimir Putin

Der Zar hält Hof

Was für ein Auflauf: 1.200 Journalisten kamen zur ersten Audienz des russischen Präsidenten.

Als die Sowjetunion zusammenbrach, verlor der Kreml nicht nur die Kontrolle über riesige Teile des Staatsgebietes, sondern auch die Hälft der beinahe 300 Millionen Einwohner der UdSSR. Seit damals ist die Bevölkerungszahl aufgrund der vor allem unter Männern hohen Sterblichkeitsrate um weitere Millionen Menschen gesunken. Im gleichen Zeitraum wuchs die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von 248 auf über 300 Millionen Menschen.   

Trotz der Forderungen der russischen Öffentlichkeit nach Reformen – von der Modernisierung des Militärs sowie der  heruntergekommen und korrupten Rechtsinstitutionen bis hin zur Diversifizierung einer auf die Ausbeutung von Bodenschätzen und den militärisch-industriellen Komplex konzentrierten Wirtschaft – ist Putin der autokratischen Sache treu geblieben. 

Als Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow sich anschickte, die russischen Streitkräfte zu reformieren – durch verbesserte Ausbildung in modernen Abwehrtechniken, Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerung – wurde er durch den früheren Gouverneur von Moskau und eingefleischten Putin-Anhänger Sergei Schoigu ersetzt, der das veraltete System umgehend wiederbelebte. Sogar die neuen Uniformen der Armee, die mit ihren Schulterklappen im Stil des 18. Jahrhunderts und den Jacken im Weltkriegslook an der Grenze des Komischen vorbeischrammen, beschwören eher die Vergangenheit, als die für moderne Kriegsführung erforderliche Annehmlichkeit und Effizienz zu bieten. 

Kommentare (20)

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easyway

21.12.2012, 11:47 Uhr

Eine eigene Meinung zu vertreten, war noch nie das Markenzeichen von Journalisten. Sie passen sich jedem Umstand an wie das Chaäleon und etablieren sich in jeder Diktatur.

Rußland ist eines der letzten freien Länder in der Welt - Putin sei Dank. Und Putin haßt Barroso.

Mit dem [...] Jelzin, der das Land ausplündern wollte wie Kohl die Bundesrepublik, der den Oligarchen die Bodenschätze in den Rachen warf, mit dem konnte sich der deutsche Journalismus blendend identifieeren.

Fehlt nur noch der Deutschland-Trend, der vermeintlich per Umfrage bweisen haben will, daß 81% der Deutschen mehr Kameraüberwachung wünschen.

Mit Symptomverschiebung an die Geldtöpfe. In einer Bild-Umfrage haben sich von 380.000 Teilnehmern 97% gegen die EU-Verfassung ausgesprochen [...] Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.



Account gelöscht!

21.12.2012, 12:03 Uhr

Putin-Bashing vom feinsten. Finanziert wie fast immer aus der Übersee...Liebes Handelsblatt, ich frage mich ernsthaft, wie lange Du das noch mitmachen willst/kannst ohne dabei deine Glaubwürdigkeit vollständig zu verspielen?

Ich lese die Zeitung seit über zehn Jahren und habe noch nie (KEINE Übertreibung) einen positiv gestimmten Artikel über Russland gelesen. Egal wie gut die eigentliche Nachricht ist - sie wird verdreht und in einem für Russland ungünstigen Licht dargestellt. Dass es im Interesse von bestimmten Mächten ist - gar keine Frage, nur unser Interesse (das des deutschen Volkes)ist es definitiv nicht!

Wann wollen wir uns eine eigene Meinung bilden?

Jaja

21.12.2012, 12:08 Uhr

"Nina Chruschtschowa Senior Fellow am World Policy Institute in New York."
Ist klar. Aus New York sieht man natürlich viel besser was Russland zu tun hat und man ist natürlich viel schlauer als Russland selbst.
Was ihr Uropa angeht, da ist Russland bis heute noch "dankbar" für an die Ukraine verschenkte Krim.

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