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20.02.2012

20:29 Uhr

Offener Brief der AHK

„Markige Worte gegen Griechenland helfen nicht“

VonMichael Maillis, Götz Funck

Führende deutsche Unternehmer haben sich für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ausgesprochen. Die deutsch-griechische Handelskammer fürchtet um die gute Beziehung der Länder und antwortet mit einem Brief.

Griechenland wehrt sich gegen deutsche Vorwürfe. dapd

Griechenland wehrt sich gegen deutsche Vorwürfe.

Mit einem Offenen Brief an die Präsidenten der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft Hans-Peter Keitel (BDI) und Hans Heinrich Driftmann (DIHK) versucht das Präsidium der deutsch-griechischen Handelskammer die Wogen im Währungsstreit zu glätten. Das Schreiben im Wortlaut:

„Die Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer verfolgt mit Sorge die derzeitige Entwicklung. Deutschland und Griechenland haben über die Jahrzehnte auf vielen Gebieten sehr enge Verbindungen geknüpft. Deutschland ist Griechenlands wichtigster Wirtschaftspartner mit dem höchsten Anteil am Außenhandel, im Tourismus und den Investitionen. Deutschland trägt den Hauptanteil an den Maßnahmen zur Rettung des Landes. Das erste Goethe-Institut wurde in Athen errichtet und es erteilt jedes Jahr über 50 Prozent aller Sprachdiplome aller Goethe-Institute weltweit. Umso bedauerlicher ist es, dass sich die Beziehungen der beiden Länder in den letzten Wochen so deutlich eingetrübt haben.

Markige Worte, wie sie inzwischen selbst von Wirtschaftsführern in Deutschland verstärkt zu hören sind, und die lautstark einen Austritt Griechenlands aus der Euro Zone befürworten, helfen in der jetzigen Phase ganz sicher nicht. Kühles Denken und Analysieren zeigen schnell, dass endloses Sparen das Land letztendlich nicht auf den Wachstumspfad zurückführen wird. Kein Land hat in der Nachkriegszeit ein so hartes Sparprogramm aufgelegt wie Griechenland. In den letzten drei Jahren ist die Wirtschaft um mehr als 16 Prozent geschrumpft und die Arbeitslosigkeit gleichzeitig auf über 20 Prozent hochgeschnellt.

Auch wenn sie noch nicht ausreichend sein mögen, die einschneidenden Maßnahmen zeigen deutliche Erfolge, wie den Rückgang der Neuverschuldung von 15,5 Prozent des BIP im Jahre 2009 auf etwa neun Prozent in 2011 oder den Anstieg der Exporte um 17 Prozent im letzten Jahr. Dies wird von den Kritikern regelmäßig übersehen. Niemand in Griechenland bezweifelt, dass radikale Strukturreformen notwendig sind. Nur, solche Reformen benötigen Zeit. Europa kann nicht gewinnen, wenn mehr als elf Millionen Einwohner selbst nach einem Austritt aus der Euro-Zone in wirtschaftliches und politisches Chaos versinken und Europa wird in einem solchen Fall schon aus Eigeninteresse nicht teilnahmslos bleiben.

Der Zeitpunkt ist gekommen, wo man über Maßnahmen zur Förderung des Wachstums nachdenken und handeln muss. Dies wird zwar nicht ohne europäische Unterstützung möglich sein. Sie wird jedoch umso geringer ausfallen, je schneller das Land wieder zu Wachstum zurückfindet. Aufrufe zu einem Boykott deutscher Waren und Dienstleistungen auf der einen und der sich wiederholende Hinweise auf den Austritt aus der Euro-Zone als Allheilmittel (für wen eigentlich?) auf der anderen Seite sind ganz sicher nicht die Lösung und nicht im Interesse der Wirtschaft unserer beiden Länder.

Wir wissen die konstruktive Haltung, die der BDI und der DIHK vom Beginn der griechischen Schuldenkrise an eingenommen haben, sehr zu schätzen. Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft auch weiterhin zu denjenigen gehören werden, die kein Öl, sondern Wasser ins Feuer gießen. Wir laden Sie ein, mit uns über konkrete Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaft Griechenlands nachzudenken. Oberste Priorität hat dabei die Versorgung der Unternehmen mit frischem Geld und die Förderung von Wirtschaftszweigen wie Tourismus, Infrastrukturprojekte und erneuerbare Energien, die unmittelbar zu einem Wirtschaftsaufschwung beitragen werden.“

Michael Maillis, Präsident der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer und Götz Funck, Erster Vizepräsident der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer

Kommentare (10)

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Thomas-Melber-Stuttgart

20.02.2012, 20:59 Uhr

Stimmt; besser: "Speak softly and carry a big stick."

Ein_Lacher

20.02.2012, 21:03 Uhr

Jetzt kommen weitere Durchhalteparolen. Sieht Euch warm an, Deutsche! Ihr zahlt bis zum St. Nimmerleinstag.

Aber: Das griechische Volk wird meutern, wenn es keine Kohle geschenkt kriegt. Nur den Gürtel enger schnallen für die Reichen und die Banken? Das ist lächerlich!

Dealer-schuetzen-ihren-Junkie

20.02.2012, 21:05 Uhr

Säufer und Wirt einigen sich darauf, dass Unbeteiligte die Zeche zahlen.
Die schöne Bedingung:
Der Säufer muss versprechen, künftig trocken zu bleiben. Das ist dann die Voraussetzung für weitere Lokalrunden.
Statt Säufer und Wirt können Sie - lieber Leser -auch Junkie und Dealer schreiben.
Nun beweisen die Dealer Feinsinn: Man solle ihren besten Kunden ja nicht mit markigen Worten verstimmen ...

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