Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.05.2017

20:09 Uhr

Oliver Zander

Grüne Transformation verstößt gegen soziale Marktwirtschaft

VonOliver Zander

Die grüne Transformation setzt auf Regulierung und verstößt damit massiv gegen die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, sagt Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Dadurch würden einige ihre Jobs verlieren.

Dieses Jahr findet die Bundestagswahl statt. Die Grünen haben mit ihren Umfragewerten zu kämpfen. dpa

Die Grünen

Dieses Jahr findet die Bundestagswahl statt. Die Grünen haben mit ihren Umfragewerten zu kämpfen.

DüsseldorfVor drei Jahren schlossen zwei Auszubildende, nennen wir sie Zeynep und Anna, ihre Ausbildung zur Mechatronikerin bei einem Automobilkonzern aus Stuttgart ab und arbeiten seitdem in der dortigen Motorenfertigung. Pro Arbeitsplatz liegt die Wertschöpfung in der Industrie durchschnittlich bei 85.000 Euro. Deshalb verdienen sie gut, bereits nach nur drei Jahren steuern Zeynep und Anna mit ihrem Monatsentgelt zielstrebig auf den Branchendurchschnitt von 54.000 Euro pro Jahr zu – und in den vergangenen Jahren gab es regelmäßig hohe Prämien als Erfolgsbeteiligung dazu. Das Unternehmen verdient gut an den Fahrzeugen mit ihren Verbrennungsmotoren. Sie werden ganz überwiegend exportiert. Export ist das Geschäftsmodell Deutschlands. Der Wohlstand hängt davon ab. Zeynep und Anna sind auch deshalb stolz auf ihre Jobs und ihr Können. Es ist eine schwäbische Idylle.

Zeynep und Anna müssten sich eigentlich keine Sorgen machen. Eigentlich. Aber nun kommt die Politik ins Spiel. Denn die Partei Bündnis 90/Die Grünen ihres baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann hat auf ihren letzten Bundesparteitag beschlossen, dass Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2030 nicht mehr zugelassen werden sollen. Begründet wird das mit Ziel einer „Grünen Transformation“ der Wirtschaft. Man will Klimaziele erreichen und Wachstum vom Umweltverbrauch sowie Wachstum und Lebensqualität entkoppeln. Im Programm „Grüner Wirtschaften für mehr Lebensqualität“ der Grünen werden Ansätze zur ökologischen Transformation ausgewählter Branchen und Sektoren beschrieben. Dazu gehört auch die Automobilindustrie. Als „positives Beispiel und Vorbild“ wird ausgerechnet die Energiewende genannt.

Die Krise der Grünen: Zwischen Hoffen und Bangen

Die Krise der Grünen

Premium Zwischen Hoffen und Bangen

Miese Umfragewerte plagen die Ökopartei schon lange. In NRW ist gar der Wiedereinzug ins Parlament fraglich. Vor der Bundestagswahl muss die Wende her – doch dafür gibt es kaum Anzeichen. Das hat drei wesentliche Gründe.

Spätestens jetzt ist klar: Die grüne Transformation setzt auf Regulierung und nicht auf den Markt und verstößt damit massiv gegen die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft. Der grüne Bann des Verbrennungsmotors greift vorbei am Markt zum härtesten Mittel überhaupt: Zum Verbot. Weitere Ideen sind zum Beispiel noch mehr Subventionen für Elektroautos, noch strengere Abgaswerte und weitere Verbrauchsgrenzwerte. Zwang und Subventionen sollen es also richten. Dass die Kunden - abgesehen von Besserverdienenden - weiterhin nur wenige Elektrofahrzeuge kaufen, ist also aus Sicht der Partei kein Zeichen Ausdruck freien Willens der Kunden, sondern ein durch Zwang zu behebender Irrtum.

Ließe man grünerseits Marktentscheidungen zu, müssten Reichweiten, Fahrzeugpreise und Ladestationen die Kunden überzeugen, Elektrofahrzeuge zu kaufen, nicht aber das Verbot des Konkurrenzprodukts oder Subventionen. Und ließe man grünerseits Marktentscheidungen zu, würde man nicht versuchen vorzuschreiben, welcher Antriebstechnologie die Zukunft gehören soll, sondern ließe die Kunden auf der Welt und in Deutschland entscheiden.

Wenn die Kunden den Elektroantrieb wirklich wollen, werden die Hersteller die Kundenwünsche erfüllen. Aber das ist dann organisch gewachsen. Die deutschen Automobilhersteller sind seit mehr als 100 Jahren erfolgreich. So lange hält sich kein Unternehmen am Markt, das nicht wandlungsfähig ist.

Das Verbot des Verbrennungsmotors von jetzt auf gleich hingegen wäre volkswirtschaftlich mit größten Schäden und Wohlstandsverlusten verbunden. Deutschland würde einen Teil seiner Industrie abwickeln, um den uns die Welt beneidet. Das wäre dann in der Tat nach dem Muster der Energiewende. Carbon laekage wäre eine Folge. Viele hochbezahlte Jobs zum Beispiel in der Motorenfertigung, aber nicht nur dort, wären weg. Die Einbußen an Unternehmensgewinnen, an Steuern, an Löhnen und an Sozialversicherungsbeiträgen wären empfindlich. Die Einbußen an Zukunft wären unerträglich.

Es gäbe weniger zu verteilen, würde dieser Teil der Automobilindustrie in Deutschland und was sonst daran hängt abgewickelt. Auch die Subventionen für Elektrofahrzeuge, ökologische Landwirtschaft und andere grüne Wünsche wären schwerer, vielleicht gar nicht, nicht zu bezahlen. Nur die starke Wirtschaft sowie die geduldigen und wehrlosen Verbraucher haben die Kosten der Energiewende ächzend getragen.

Zeynep und Anna verlören wohl ihre Jobs. Denn Elektromotoren sind in Deutschland nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen herzustellen. Auch das wäre das Gegenteil von Sozialer Marktwirtschaft.

Ein Gastbeitrag.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×