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02.01.2012

06:18 Uhr

Perspektiven 2012

Wandel braucht Sicherheit

VonNicola Leibinger-Kammüller

Weil die Euro-Krise das Vertrauen der Menschen erschüttert hat, stehen Unternehmer in der Verantwortung: Sie können neue Orientierung und Stabilität in unübersichtlichen Zeiten schaffen. Ein Essay.

Wird es 2012 besser? Wird es schlimmer? In jedem Fall wird es unsicherer. dpa

Wird es 2012 besser? Wird es schlimmer? In jedem Fall wird es unsicherer.

In einem kleinen Epigramm setzt sich Erich Kästner in seiner ironischen Art mit dem Jahreswechsel auseinander: „Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich!“

An kaum einem Jahreswechsel konnte man diese Frage mit mehr Berechtigung stellen als jetzt. Denn kaum jemals war so völlig unklar, wie sich das kommende Jahr entwickeln würde. Professionelle Prognostiker sind sich uneinig, und auch die „gefühlte Realität“ in den Unternehmen lässt kein Szenario zu 100 Prozent sicher erscheinen: Wird’s besser – erlebt die deutsche Wirtschaft eine kleine Delle, und danach setzen wir unseren Aufwärtstrend wieder fort? Wird’s schlimmer – sind wir an einem Wendepunkt, von dem an es längere Zeit bergab geht? Oder geht es einfach nur auf dem jetzigen Niveau weiter, vielleicht mit häufigeren und stärkeren Ausschlägen nach oben und nach unten? Von größeren externen Schocks ist bei diesen Szenarien übrigens noch überhaupt nicht die Rede.

Das Einzige, was wir derzeit wirklich sicher wissen, ist nicht, wie es wird, sondern nur, wie es war und wie es ist. Viele deutsche Unternehmen, gerade im exportorientierten Mittelstand, blicken auf ausgesprochen gute Jahre zurück. Die Post-Lehman-Krise ist vielerorts überwunden. Die Umsatzdellen der problematischen Jahre sind nahezu ausgebügelt. Zudem haben wir ein regelrechtes Beschäftigungswunder erlebt: Allein die Metall- und Elektroindustrie hat in anderthalb Jahren rund 180.000 Stellen in den Stammbelegschaften neu geschaffen und ist per saldo fast wieder auf dem Beschäftigungsniveau von vor der Krise. Einzelne Betriebe haben sogar deutlich expandiert.

Wohlgemerkt: Damit nähern wir uns gerade erst der „Null-Linie“, also dem Level von vor der Krise. Von Zuwächsen darüber hinaus kann in vielen Fällen nicht die Rede sein. Das betrifft Umsätze, Erträge, Eigenkapitalausstattung und Beschäftigung gleichermaßen. Die Arbeitszeitkonten etwa, die in vielen Unternehmen ein probates erstes Mittel in der Krise waren, sind vielerorts gerade erst wieder ausgeglichen worden. Große Zeitguthaben, die durch eine neue Krise helfen würden, sind nur in den wenigsten Fällen vorhanden.

Und jetzt? „Wird’s besser? Wird’s schlimmer?“ In jedem Fall wird es unsicherer!

Viele Unternehmen gerade aus der Investitionsgüterbranche treffen auf Kunden, die sich zurückhalten. Trotz voller Auftragsbücher werden vielerorts die eigentlich nötigen Investitionen zurückgestellt. Die Antwort der Kunden: „Naja, wir warten lieber erst noch mal ab und schauen, was kommt.“

Verdenken kann man es ihnen kaum. Denn Fragezeichen, Unsicherheiten und verwirrende Nachrichten gibt es mehr als genug. Über allem steht nach wie vor die Euro-Krise. Der staunenden Öffentlichkeit bietet sich vor allem das Bild: Erstens wird mit unvorstellbaren Zahlen hantiert; zweitens geht es um äußerst komplizierte Mechanismen, deren Wirkungsweisen sich selbst Experten nicht auf Anhieb erschließen; und drittens ist es offensichtlich nötig, alle paar Wochen wieder neue Krisensitzungen anzuberaumen. Etwas boshaft könnte man zwar sagen, dass wir uns allmählich an die dauernde Krisenrhetorik gewöhnen. Aber angesichts der Dimensionen des Problems trägt all dies nicht wirklich zu mehr Sicherheit bei.

Kommentare (2)

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Berliner

02.01.2012, 15:52 Uhr

Was für ein gequirlter Schwachsinn. Die meisten wissen, dass der Euro nicht überleben wird in der heutigen Form. Die meisten hoffen nur, dass es nicht so schlimm wird.
Aber auch wenn der Euro zur Ideologie erhoben wurde, so lässt sich keine Politik gegen den Markt machen. Der Euro ist tot. Und das ist gut so!

leo

08.01.2012, 18:28 Uhr

Was immer aus dem Euro wird: der Artikel ist eine wirklich sehr unterdurchschnittliche geratene Sonntagsrede einer dank Tochterseienden Unternehmenslenkerin.
Und im Übrigen ziemlich jeder Alltagserfarhung widersprechend: In Sicherheit ist Wandel stets so gut wie unmöglich - warum auch sollte man den wollen, wenn man doch in Sicherheit ist? Klingt nicht schön, aber was dringend benötigte Eigenschaften wie Initiative, Mut und eigenes Denken angeht, KANN eine Krise mehr bewirken als die temperierte Heizung des Stillhaltens zugunsten veränderungsunwilliger Profiteure.

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