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04.08.2014

14:21 Uhr

Plädoyer für hohe Managergehälter

Das sind die Gründe, warum ich so viel Geld verdiene!

Üppige Chef-Gehälter sind in der Gesellschaft längst zu einem Reizthema geworden. Ein Interim-Manager, der anonym bleiben möchte, erklärt, warum er so viel Geld für seine Arbeit bekommt – und es absolut verdient hat.

Firmen können sich Manager auf Zeit leihen, die sich durch Krisen und Restrukturierungen in Konzernen boxen und prächtig dabei verdienen. Aber für was genau werden sie eigentlich so gut bezahlt? Ein Manager erzählt. Getty Images

Firmen können sich Manager auf Zeit leihen, die sich durch Krisen und Restrukturierungen in Konzernen boxen und prächtig dabei verdienen. Aber für was genau werden sie eigentlich so gut bezahlt? Ein Manager erzählt.

DüsseldorfEin Geschäftsmann und erfolgreicher Beststellerautor, der anonym bleiben möchte, hat für Handelsblatt Online aufgeschrieben, was ihm bei seiner Arbeit als Interim-Manager in großen Konzernen passiert ist. Spezialisten wie er übernehmen zeitweise Aufgaben von Führungskräften in Konzernen. Am häufigsten boxen sich die Experten durch Krisen und Restrukturierungen in Konzernen.

Die anfragende Redakteurin sagte: „Bei einem akuten Feuerlöscheinsatz dem Brandmeister über die Schulter zu schauen – das ist hochinteressant für unsere Zuseher!“ Ich war so baff, ich bekam sekundenlang keinen Ton heraus.

Interessant? Im Ernst? Ich stehe um halb sechs auf, bin um 7 Uhr im Büro, bereite anstehende Termine vor, halte um neun das Morgenmeeting mit den Kollegen, dann das erste Fach- oder Kundenmeeting und von da an bis abends teilweise um acht: Meeting an Meeting, Gespräch an Gespräch, Besprechungen ohne Ende, 50 Telefonate, 200 E-Mails. Was um Himmels willen soll daran interessant oder auch nur telegen sein?

Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein können

Fehler eins

Frühwarnsignale, z.B. für Markt- oder technologische Veränderungen, werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt.

Fehler zwei

Regulatorische und politische Einflüsse auf die künftige Unternehmensentwicklung werden systematisch unterschätzt.

Fehler drei

Markt- und Kundenveränderungen werden im Vorstand nicht (hinreichend) analysiert und diskutiert.

Fehler vier

Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert.

Fehler fünf

Man hält zu lange an traditionellen (und bislang erfolgreichen) Vorgehensweisen fest.

Fehler sechs

Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren.

Fehler sieben

Bei spürbaren Veränderungen wird zu zögerlich gehandelt, man ergeht sich in Aktionismus und Effekthascherei "auf der Bühne" ohne konkrete Maßnahmen.

Fehler acht

Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie.

Quelle

Umfrage unter Partnern von Roland Berger Strategy Partners. Zitiert in „Gute Führung“ von Burkhard Schwenker und Mario Müller-Dofel. Erschienen 2012 bei BrunoMedia Verlag.

Ich sitze zehn Stunden am Tag im Meeting, am Schreibtisch oder im Auto – gegen den Alltag eines Managers ist das Sendezeichen bei TV-Störungen Grimmepreis-verdächtiges Qualitätsfernsehen. Wenn tatsächlich mal ein Manager so mediengeil wäre, sich dafür herzugeben und ein Sender so selbstmörderisch auf die Quote pfeifen würde, um das zu senden, würde ein Aufschrei aus Millionen Kehlen über die Senderlandschaft hinwegfegen: Und dafür kriegt ihr Geld?

Ich höre das ständig. Zuletzt bei einem Vorort-Besuch auf dem Bau. Ein Glasergeselle mit Ambitionen fragte mich, was ich den lieben langen Tag so mache. Als ich es ihm sagte, meinte er spontan: „Und dafür werden Sie bezahlt? Das könnte ich auch!“ Ich fragte ihn: „Wenn Sie diese Palette Fensterscheiben mit dem Stapler gegen die Hauswand fahren – was kost‘ das?“ Er meinte: „So um die 5.000 Euro.“

Ich sagte: „Okay. Wenn ich dieses Bauvorhaben, bei dem Sie die Fenster einsetzen, gegen die Wand fahre, kostet das acht Millionen, 50 Leute sind ihren Job los – ich übrigens auch. Wollen Sie noch mit mir tauschen?“ Er überlegte und fragte: „Das kommt darauf an, wie schwer ich an dieser Verantwortung tragen würde.“ Gute Frage. Fünf Antworten darauf.

Kommentare (15)

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Herr Wladimir Andropowitsch

04.08.2014, 14:48 Uhr

Die Giftwirkung liegt in der Konzentration.
Da wir sowohl gesamtgesellschaftlich als auch individuell eine immer größere Vermögens- und Einkommenskonzentration verzeichnen, die schon seit ca. 2000 die Schwelle zum Feudalgesellschaftssystem überschritten hat und im Stat. Jahrbuch 2008 für das Jahr 2007 mit der Gleichung: „Weniger als 25% aller dt. Privathaushalte verfügten im Jahre 2007 über mehr als 75% aller dt. Privatvermögen“ definiert wurde, nähern wir uns angesichts der immer dramatischer geringer werdenden realwirtschaftlichen (Produktionswirtschaft) Mehrwertschöpfungsrate dem Zeitpunkt, an dem „Manager“ so unbrauchbar sein werden, wie 1789 der „Erbadel“. Mangels geeigneter Problemlösungsstrategien, wird zu diesem Zeitpunkt die Massenliquidation der sogen. Manager und Vermögenseigner eine Nivellierung der Liquiditätsspitzen zur Reaktivierung einer mehrwertschöpfenden Produktionswirtschaft alternativlos, systemisch unvermeidbar und ansonsten wohl auch gänzlich unabänderlich werden lassen.
Diese Logik kann man dann wohl als den reziproken Kehrwert der aktuell herrschenden Merkel-Logik der Neuen Sozialen Marktwirtschaft betrachten, die in immer größerem Ausmaß nicht mehr der Bevölkerung, sondern nur noch einer stetig kleiner werdenden Clique von Besitzstands- und Erbbesitzfeudalherrschaften dient.
Und da behaupte noch jemand, die Geschichte würde sich nicht wiederholen. Um mit Gallilei zu sprechen: Und sie wiederholt sich doch.

Herr Thomas Bergmann

04.08.2014, 17:24 Uhr

Besser kann man es nicht in Worte fassen. Diese Zustände sind es die in kleinen selbstständigen Dienstleistern wie mir unter Steuer- und Abgabenlast ächzend, revolutionären Unmut gegen die feinen Herren der neuen Aristokratie aufkommen lassen. Wenn wir genug haben werden wir die Mistgabeln rausholen und sie alle verjagen.

Herr Thomas Bergmann

04.08.2014, 17:28 Uhr

Die Verhältnisse stimmen eben nicht mehr. Das Schlimmste aber sind die immer noch wachsenden Topgehälter und Boni in der Finanzbranche. Jedem sei die Lektüre von "Der größte Raubzug der Geschichte" von Matthias Weik und Marc Friedrich empfohlen.

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