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22.09.2012

10:32 Uhr

Rentenpolitik

Prävention statt Heilung

VonFranz Müntefering

Franz Müntefering fordert in der Rentenpolitik neue Strukturen. Die Solidarrente sei nur eine Hilfslösung auf Zeit. Vielmehr müssten die Strukturen das Kernproblem, die Individualisierung der Lebensentwürfe, lösen.

Franz Müntefering plädiert für ein hohes Rentenniveau. dapd

Franz Müntefering plädiert für ein hohes Rentenniveau.

Die Rente ist ein sehr wichtiges sozialpolitisches Instrument. Aber das eigentliche Thema ist sehr viel umfassender: Alterssicherung in Generationengerechtigkeit, und zwar für heute und für Jahrzehnte. Wer seine Anstrengungen auf die Rente im Speziellen reduziert, der stopft Schlaglöcher in einer Sackgasse. Das sieht gut aus, führt aber nicht weit.

Das Versprechen heißt: Wer dauerhaft und ausreichend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, der erhält lebenslang eine Rente, die materielle Sicherheit und Lebensqualität im Rentenalter gewährleistet. Dieses Versprechen braucht aber nicht nur guten Willen, sondern hat auch vielfältige Bedingungen, die sich zudem permanent verändern. Daher macht es durchaus Sinn, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob eventuell eine Neujustierung erforderlich ist. Jetzt ist es mal wieder an der Zeit.

Die Alterssicherung steht in enger Wechselwirkung zu verschiedenen gesellschaftlichen Parametern: zur Höhe der Löhne, zur Sozialversicherungspflicht, zum Bundeszuschuss zur Rentenversicherung, zu zusätzlicher Alterssicherung (betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente). Dazu kommen Erwerbsquote, die individuelle Lebensarbeitszeit, die Relation von Voll- und Teilzeitarbeit, die Altersstruktur der Bevölkerung (!) und ganz allgemein die Leistungsfähigkeit des Landes. Die wiederum hängt ab von Bildung, Ausbildung, Qualifizierung, Innovation, Forschung, Entwicklung, Produktivität.

Die Einsicht in diese Zusammenhänge ist nicht neu. Auch die Entscheidungen von Rot-Grün und später der Großen Koalition wurden im Bemühen getroffen, im unvermeidlichen Spannungsverhältnis all dieser Faktoren eine gute soziale Balance zu finden. Sie soll gerecht und tragfähig zugleich sein. Die Entwicklung bei der Altersstruktur der Bevölkerung ergab schwierige Alternativen: dramatisch sinkende Renten für zukünftige Rentnergenerationen oder drastisch steigende Rentenversicherungsbeiträge bei den aktiv Beschäftigten. Das Bemühen um Generationengerechtigkeit führte zu vernünftigen Kompromissen.

Kommentare (6)

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blackstone

22.09.2012, 11:20 Uhr

Herr Müntefering, kurze Frage:

Woher kommt ihre Pension? Haben Sie was eingezahlt? Nichts. Nada. Sie und Ihresgleichen der Beamten der SPD / CDU /Grüne sind natürlich ausgenommen.

Vorschlag: alle zahlen ein, ohne Beitragsbemessungsgrenze, dazu ein Mindestlohn, den Sie auf dem Niveau von Hartz IV angesiedelt haben.

Dann muss man feststellen: Herr Müntefering, Sie haben überhaupt keinen Anspruch auf eine Pension!

LG
Blackstone

Account gelöscht!

22.09.2012, 11:44 Uhr

Wenn die Politkerkaste aufhören würde, das Geld der Steuerzahlen zu veruntreuen, z.B. für nicht genehmigte Alimentationen wie z.B. bei Pleitestaaten, hätten wir die Rücklagen, die man braucht, um einen lebenslang einzahlenden Bürger eine anständige Altersversorgung zu gewährleisten.

Einem Staat, der seit 1970 keinen ausgeglichenen Haushalt mehr zustandegebracht hat, kann man nicht vertrauen und dem möchte man auch nicht sein hartverdientes Geld anvertrauen.

Wenn man sieht, wie ein Skandal-Bundespräsident nach kurzer Irrfahrt bis an sein Lebensende eine Manager-Pension einfährt oder greise Politiker Lolitas heiraten, die nach dem baldigen Dahinscheiden des Politikers eine großzügige Witwenpension einfahren, die ein Normalbürger auch nach vielen Jahren Zahlungen an die Rentenkassen nicht erreicht, dann fragt man sich, wie unsere politische Führung ihre Privilegien rechtfertigt, zumal die meisten von ihnen auch noch einen sauschlechten Job machen.

FranzBurek

22.09.2012, 12:09 Uhr

Was von den Politikern immer 'vergessen' wird: Der Generationenvertrag hat 2 Komponenten:

1. Wir zahlen mit unseren Rentenbeiträgen die Renten für unsere Elterngeneration.

2. Wir 'machen' die Kindergeneration, welche (siehe Punkt 1) die Renten für unsere Generation bezahlt.

Solange der 2. Punkt immer weniger beachtet wird, kann die Rente nicht sicher sein. Das ist Adam Riese. Auch, wenn manche Schwachköpfe behaupten 'Die Rente ist sicher'. Wahrscheinlich meinten sie Ihre eigene Politikerpension (siehe oben).

F.B.

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