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27.12.2011

16:30 Uhr

Schuldenkrise

„Asien kann sich nicht von Europa abkoppeln“

ExklusivDie Schuldenkrise trifft die asiatischen Staaten. Davor warnt die Ex-Wirtschaftsberaterin des US-Präsidenten, Laura Tyson, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Welche Volkswirtschaften besonders unter Druck geraten.

Laura Tyson: Ex-Beraterin des amerikanischen Präsidenten. picture alliance/dpa

Laura Tyson: Ex-Beraterin des amerikanischen Präsidenten.

DüsseldorfDie ehemalige Wirtschaftsberaterin des US-Präsidenten, Laura Tyson, sieht langfristig vielversprechende Anzeichen dafür, dass die Schwierigkeiten der Industrieländer eine zwar späte, aber gesunde Verschiebung in Asiens Entwicklungsstrategie auslösen könnten. "Dabei wird China den Weg bereiten", das schreibt Tyson, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Kurzfristig sollten die asiatischen Volkswirtschaften aber nicht davon ausgehen, sich von den wirtschaftlichen Nöten Europas und der USA abkoppeln zu können.

Ende des Jahres 2011 mehrten sich die Anzeichen, dass auch Asien von der globalen wirtschaftlichen Schwäche erfasst wird. Damit schwinde die Hoffnungen, dass sich die Region von der Rezession in Europa und der zögerlichen Erholung in den USA abkoppeln kann. Aufgrund der abnehmenden Nachfrage aus Europa, dem größten ausländischen Absatzmarkt nach den USA, zeige Chinas Exportwachstum Schwächen. Tatsächlich schrumpfe die Produktion zum ersten Mal seit fast drei Jahren. Dies wirkt sich auch auf andere asiatische Volkswirtschaften aus.

Tyson geht nicht davon aus, dass Asien sich von Europa und den USA abkoppeln könne. "Also scheint die Idee der Entkopplung eine Schimäre zu sein", sagt die Professorin, die heute in Berkeley lehrt. "Selbst bei einer Lösung der Euro-Krise führt die europäische Sparsamkeit zusammen mit dem geringen Wachstum in den USA im exportabhängigen Asien zu einer Verlangsamung. Wenn die asiatischen Volkswirtschaften aber ihre interne Nachfrage steigern und den Konsum ankurbeln, können sie immer noch weit stärker wachsen als der Westen. Die gute Nachricht ist, dass diese Volkswirtschaften genug Raum für eine solche Neuausrichtung haben und auch politisch flexibel genug sind, sie durchzusetzen."

Manche der kleinen asiatischen Volkswirtschaften – Taiwan, Thailand, Singapur und sogar Südkorea – dürften allerdings selbst mit massiver Unterstützung der Politik nicht in der Lage sein, in gleichem Maße wie China externe Nachfrage durch interne Nachfrage zu ersetzen. "Deshalb ist die Neuausrichtung Chinas nicht nur für seine eigene Wirtschaft so wichtig, sondern für ganz Asien", so Tyson. Auf die globale Abschwächung 2009 habe China mit dem Einsatz erheblicher fiskalischer und monetärer Stimulation reagiert, was eine schnelle investitionsgetriebene Erholung zur Folge hatte. Angesichts eines weiteren globalen Wachstumseinbruchs müsse China jetzt wieder den Konsum ankurbeln, auch wenn dies auf Kosten der Investitionen geheDas müsse aber ohne exzessive Kreditausweitung stattfinden.

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