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30.10.2012

12:06 Uhr

Schuldenschnitt für Griechenland

Nicht schon wieder!

VonGustav A. Horn

Ein erneuter Schuldenschnitt für Griechenland hätte eine untragbare Folge: den Vertrauensverlust der europäischen Steuerzahler. Dieses politische Problem hätte massive Konsequenzen auf den Finanzmärkten. Ein Gastbeitrag.

Griechenland steht möglicherweise vor einem zweiten Schuldenerlass. dpa

Griechenland steht möglicherweise vor einem zweiten Schuldenerlass.

DuisburgDa ist es wieder, das Gespenst eines erneuten Schuldenschnitts für den griechischen Staat. Angeblich handelt es sich um eine Empfehlung der Troika. Zwar wird dies von offizieller Seite dementiert, aber wo Rauch ist, dürfte auch Feuer sein. Es ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen, wenn man davon ausgeht, dass eine solche Empfehlung zumindest als Option im Troika-Bericht enthalten ist.

Es wäre zudem nicht der erste Vorschlag dieser Art. So hat die Gemeinschaftsdiagnose der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute kürzlich gleichfalls einen Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen für unvermeidlich erklärt.

Prof. Dr. Gustav A. Horn ist Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). dpa

Prof. Dr. Gustav A. Horn ist Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Dies ist erschreckend. Denn es ist schwer vorstellbar, wie der Euroraum nach einem erneuten Schuldenschnitt je wieder auf die Beine kommen könnte. Dabei ist ein solcher Schritt gut gemeint. Wenn man zu dem Schluss kommt, dass die Schuldenlast in Griechenland schlicht zu hoch ist, um je wieder auf ein Normalmaß zurückgeführt werden zu können, scheint eine solche Vorgehensweise auf den ersten Blick ja sinnvoll.

Durch einen Schuldenschnitt, bei dem die Staatsanleihen zu einem Stichtag um einen in der Regel hohen Prozentsatz entwertet werden, würde sich die Schuldenlast Griechenlands tatsächlich schlagartig um genau diesen Prozentsatz vermindern und damit auch die hieraus resultierenden Zinszahlungen. So weit so gut.

Doch, wo Schuldner sind, da sind auch Gläubiger, die dem griechischen Staat im Glauben an dessen Fähigkeit, seine Zins- und Tilgungszahlungen zum vereinbarten Termin zu leisten, einen Kredit gewährt haben. Sie verlieren mit dem Schuldenschnitt genau jenen Anteil an Vermögen, um den sich die griechische Staatsschuld vermindert. Nun könnte man meinen, dies geschähe den Zockern an den Finanzmärkten nur recht. Wären sie doch nur vorsichtiger mit ihrem Geld gewesen. Dies ist leider zu kurz gedacht.

Hauptgläubiger des griechischen Staates sind nämlich derzeit keine Zocker und Spekulanten, sondern die Staaten des Euroraums und die EZB. Es wären also im Kern die Steuerzahler des Euroraums, die die Last des Schuldenschnitts zu tragen hätten, weil sich die Verschuldung ihrer Staaten entsprechend erhöhen würde. Sie müssten dann über ihre Steuern eine erhöhte Zinslast aufbringen.

Die Motive der Staaten, Griechenland Geld zur Verfügung zu stellen, waren aber alles andere unseriös. Ihnen ging es um die Rettung des angeschlagenen Staates und nicht um Gewinnspekulation. Ein Schuldenschnitt wäre demnach ein massiver Vertrauensbruch gegenüber dem europäischen Steuerzahler, der in Folge verständlicherweise kaum bereit sein dürfte, weiteren notwendigen Rettungsmaßnahmen zuzustimmen.

Kommentare (101)

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Account gelöscht!

30.10.2012, 12:20 Uhr

Mein Vertrauen in die Politik und die Vernunft würde ein Schuldenschnitt für Griechenland, Spanien, Italien und Portugal stärken. Es würde zwar den EURO schwächen aber dafür die Exporte extrem ankurbeln.

Wird der Schuldenschnitt nicht gemacht, müssen wir zahlen und trotzdem mit ansehen wie der EURO zusammenbricht.

Zahlmeister

30.10.2012, 12:23 Uhr

Es wird Zeit, dass diesen Eurotalibanen wie Schäuble, Barroso, Merkel, Trichtet und Co. das Handwerk gelegt wird und dass wie Sie zum Teufel jagen !!

nanoflo

30.10.2012, 12:24 Uhr

Ich werde dann versuchen die derzeitige Regierung wegen Veruntreuung anzuzeigen!
Eindeutiger geht es ja kaum!
Oder ich werde auch immer immer mehr Schulden machen und nehme die Griechen zum Vorbild.
Deutsches Geld muss beim deutschen Steuerzahler bleiben!
Und selbst wenn der Euro "hopps" geht!
Soviel Ehre, Loyalität gegenüber seinen Landsleuten sollte bzw. muss man als Staatsoberhaupt besitzen!

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