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15.03.2012

15:14 Uhr

Spitzensteuersatz

Abschreckung für Leistungsträger

VonWolfgang Clement

Auch wenn die Schere von arm und reich in Deutschland immer weiter auseinander geht, warnt Wolfgang Clement vor einer Anhebung der Spitzensteuersätze. Leistungsträger könnten so abgeschreckt werden.

Wolfgang Clement war Bundeswirtschaftsminister. Er warnt davor, Leistungsträger mit höheren Steuersätzen zu belasten. ap

Wolfgang Clement war Bundeswirtschaftsminister. Er warnt davor, Leistungsträger mit höheren Steuersätzen zu belasten.

In Deutschland ist die Staatsquote, also die Gesamtheit aller dem Staat zuzurechnenden Ausgaben im Verhältnis zur gesamtwirtschaftlichen Leistung, in den Jahren 2003 bis 2007 um fast fünf Prozent auf deutlich unter 45 Prozent abgesunken. Unser Land platzierte sich damit erstmals klar unter dem Durchschnitt aller EU-Mitgliedstaaten. Dass dies so gelang, hatte vor allem mit massiven Steuerentlastungen für Bürger und Unternehmen zu tun.

Flankiert von einer aktivierenden statt passiven, fürsorgenden Arbeitsmarktpolitik und einer zurückhaltenden Lohnpolitik, hat es dazu geführt, dass die Arbeitslosigkeit inzwischen um rund zwei Millionen zurückgegangen ist und die Beschäftigung die 40-Millionen-Marke weit überschritten hat. Es scheint wichtig, daran zu erinnern, um nicht wieder in Fehler von vordem zu verfallen. Denn die Situation ist heute eher komplizierter als damals: Europa durchläuft eine Phase der Rezession, und die Weltkonjunktur droht nachzugeben.

Daran gemessen steht unser Land zwar erstaunlich gut da - aber nichts sollte uns verleiten, dies und die Rolle Deutschlands als wichtigster Wachstumsmotor Europas aufs Spiel zu setzen. So ist auch die jetzt wieder aufflammende Diskussion um höhere Spitzensteuern mit Vorsicht zu genießen. Natürlich, Spitzeneinkommen von Dax-Stars wie Martin Winterkorn wirken provozierend, und die Tonlage zwischen oben und unten klingt entsprechend gereizt. Und es ist ja auch wahr: Es war vor nicht allzu langer Zeit, dass sich die Vorstände der größten deutschen Unternehmen mit dem 20- bis 25-fachen Einkommen ihrer Facharbeiter begnügten.

Gibt es eigentlich irgendeinen triftigen Grund, sich heute ins 100- bis 200-Fache zu steigern, statt - wie Ludwig Erhard empfohlen hätte - Maß zu halten? Doch die vor zehn Jahren eingeleitete Absenkung der zuvor 53-prozentigen Belastung von Spitzeneinkommen auf 42 bzw. per „Reichensteuer“ auf 45 Prozent hat nicht etwa jene paar Dax-Manager im Sinn, sondern ganz handfeste Gründe. Sie will Fach- und Führungskräfte in unserer Wirtschaft zu Spitzenleistungen motivieren und die Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft namentlich mittelständischer Unternehmer stärken.

Kommentare (35)

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Account gelöscht!

15.03.2012, 15:24 Uhr

Ausgerechnet Clement hat Angst um Leistungsträger.

Die Leistungsträger arbeiten zu Dumping-Löhnen bei Sklavenhändlern. Und ausgerechnet diese Verbrecher sind es, die absahnen. Und da kann der Spitzensteuersatz nicht hoch genug sein.
Die die Leistung erbringen, fallen nicht unter den Spitzenssteuersatz.
Im Übrihgen könnte man ja die Grenze ab der er erhoben wird anheben. Auf bspw. 80T€ und dann 60%. So trifft man im Zeitalter von Lohndumping und Sklavenhandel kaum noch das arbeitende Volk!

Account gelöscht!

15.03.2012, 15:45 Uhr

Volle Zustimmung, Herr Clement!

Es ist noch nichht allzu lange her, da wäre so ein Beitrag von einem CDU-Politiker eingebracht worden.

Heute kommt aus dieser sozialistischen CDU nur noch

- Finanztransaktionssteuer
- Reiche besteuern
- Betreuungsgeld
- Frauenquote

Ich geh' mal eben Kotzen...

Peter

15.03.2012, 15:55 Uhr

Ganz genau: Abschreckung der Leistungsträger, durch die zu hohen Gehälter einiger weniger werden die tatsächliche Leistungsträger (die im mittleren bis niedrigen Lohnbereich arbeiten) demotiviert und abgeschreckt. Es ist nämlich genau die leistungsbereite Mittelschicht welche von der aktuellen Politik benachteiligt wird. Wenn irgendwelche Topverdiener sich vor den Kopf gestossen fühlen ist das eigentlich wurscht - ihren Konzern haben sie aus betriebswirtschaftlichen Gründen in D, ein wesentlicher Standortvorteil im Hightechbereich ist eben genau das Vorhandensein einer leistungsbereiten und gut ausgebildeten Mittelschicht in D.

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