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19.09.2012

15:44 Uhr

Stimmt es dass...

Hat die EZB keine Ahnung von der Bankenaufsicht?

VonNorbert Häring

Die Europäische Zentralbank soll die Bankenaufsicht übernehmen. Doch an der fachlichen Kompetenz der EZB kann man stark zweifeln. Vor allem, wenn man sich die Fehler der Vergangenheit anschaut.

Die Euro-Skulptur vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). dpa

Die Euro-Skulptur vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Lehre aus der Bankenkrise, die kein Aufseher vorausgesehen hat, soll sein, dass es künftig für ganz Europa eine einheitliche Finanzaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) geben soll - wohl weil man ihr besondere Fachkompetenz zutraut.

Einheitlichkeit mag die EZB gewährleisten können. In Sachen Fachkompetenz sind aus der Erfahrung der Vergangenheit erhebliche Zweifel angebracht. Heute sagt die EZB das zwar nicht gern, aber sie hat sich schon in der Vergangenheit viel mit Bankenaufsicht befast, und die Mehrheit der 17 nationalen Notenbankpräsidenten im EZB-Rat hatte eine Rolle in der nationalen Finanzaufsicht.

"Die Arbeit des Ausschusses für Bankenaufsicht hat den regulatorischen Rahmen für Banken in der Europäischen Union sowohl auf Gemeinschaftsebene wie auch auf Ebene der einzelnen Mitgliedstaaten stark beeinflusst", schrieb die EZB in ihrem Monatsbericht von Juli 2004. Der Ausschuss ist bei der EZB angesiedelt. Dann preist sie all die Entwicklungen, die in die Katastrophe führten, als Beitrag zu einem stabileren Finanzsystem.

"Die Banken haben ihre Risikomanagementpraktiken deutlich verbessert", stellt die EZB fest. Der außerbörsliche Derivatehandel erleichtere die Übertragung von Kreditrisiken, wodurch sich das Risiko gleichmäßiger über das Finanzsystem verteile.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Auch eine stärkere geografische Streuung der Geschäftstätigkeit lobt die EZB. "Die potenziellen Vorteile der geografischen Streuung zeigen sich anhand der Tatsache, dass es einer Reihe von EU-Banken gelang, ihre Rentabilität trotz der schlechten Bedingungen an ihren Heimatmärkten durch ihre Geschäftstätigkeit in den neuen Mitgliedstaaten zu steigern", schreibt sie.

Wer denkt da nicht an die deutschen Landesbanken, die mangels einträglicher Geschäftsmöglichkeiten im Inland auf immer windigere, aber zunächst lukrative Auslandsengagements setzten.

Auch die Finanzierung der fatalen Immobilienblase in den Südländern durch Banken in Kern-Europa fällt unter die von der EZB gepriesene internationale Diversifizierung des Bankgeschäfts und den Anstieg der grenzüberschreitenden Kredite zwischen Banken. Sie sind es, die heute die teuren Rettungsaktionen nötig machen, damit nicht Bankenpleiten im Süden die Banken im Norden mit in den Abgrund reißen.

Dann preist die EZB in ihrem Bericht noch einige grenzüberschreitende Bankenzusammenschlüsse wie Dexia und Fortis. Dexia konnte wegen seiner vermeintlich risikodiversifizierenden Engagements in Irland und Griechenland nur mit massiven Staatshilfen gerettet werden und wurde aufgespalten. Auch Fortis musste gerettet, verstaatlicht und aufgespalten werden.

Bisher hat die EZB weder ihre Fehler der Vergangenheit aufgearbeitet, noch hat sie gesagt, wie sie es künftig besser machen will.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.09.2012, 18:40 Uhr

Danke, Herr Häring! Ihr Artikel bringt in Erinnerung, was sonst so flüchtig ist… Daran kann man gar nicht oft genug erinnern!
Die Antwort auf Ihre im Titel gestellt Frage haben Sie ja schon selbst gegeben. Ich stimme Ihnen zu.

suchtgrueblerxy

19.09.2012, 23:57 Uhr

das Banken-Risiko liegt in der Art der Produkte, der finanziellen Absicherung der Produkte und in der Größe der Geschäftsbeziehungen zu Anderen. Dies sind Aufgaben für den Gesetzgeber und seine Behörden. Die Aufgaben der Notenbank sind die Geldversorgung und die damit zusammenhängenden Probleme. Haben Banken nur in Deutschland gelegenes, klassisches Bankgeschäft von überschaubarem Umfang ohne nennenswertes Geschäftsvolumen mit dem Ausland, ist eine deutsche Aufsicht besser, da sie den regionalen Markt besser überschauen kann. International tätige Banken mit außergewöhnlich großem, international verzweigtem und groß dimensioniertem Geschäftsumfang sollten von der Eu-behörde kontrolliert werden, wenn auch die von Amerika ausgehende Finanzkrise 2008 eigentlich eine Weltbankenkontrollbehörde erfordert hätte. Ohne eine solche Welt-Behörde hätte man den Finanzschock nur durch das Einschränken des jeweils maximal zulässigen Geschäftsfeldumfangs abmildern können.

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