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28.03.2012

14:51 Uhr

Urheberrecht

Kunst gibt es nicht gratis

VonDieter Gorny

Schluss mit dem Märchen von einer kulturschaffenden Selbstvermarktungsmaschine Internet: Zwar braucht es Verständnis für die Anti-Acta-Bewegung, aber die Diskussion braucht ein höheres Niveau mit mehr Sachlichkeit.

Die Anonymus-Bewegung kämpft gegen Acta. Den Gegnern des Gesetzes wirft Gorny vor, den aktuellen Diskussionen fehle es an Niveau und Sachlichkeit. AFP

Die Anonymus-Bewegung kämpft gegen Acta. Den Gegnern des Gesetzes wirft Gorny vor, den aktuellen Diskussionen fehle es an Niveau und Sachlichkeit.

Das Saarland hat gewählt, und damit zieht nicht nur die Piratenpartei in den zweiten Landtag ein. Zusammen mit den Protesten gegen Acta (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) ist zugleich „die Netzdebatte“ – und damit auch die Frage des Urheberrechts – in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Dabei geht es um mehr als um „ein bisschen Urheberrecht“, nämlich um die Frage, wie wir als Gesellschaft mit dem Internet leben wollen – und zwar durchaus nicht in Abwehr, sondern mit Blick auf die großen Möglichkeiten, die das Netz bietet.

Wie bei der Entstehung der Rockmusik und der Studentenbewegung in den 1960ern befinden wir uns heute am Anfang eines gesellschaftlichen Veränderungsprozesses, bei dem es um die zentralen Kernthemen Freiheit, Transparenz und gesellschaftlich-demokratische Teilhabe geht. Wenn wir an diesem Veränderungsprozess teilnehmen wollen, müssen wir der neuen Bewegung zuhören. Wenn es aber nur darum geht, dass Kunst und Kultur gratis im Netz verramscht werden sollen, wird der Diskurs für mich zu einseitig.

Dieter Gorny war Chef der Viva Media AG und ist heute Vorstandsvorsitzender des Verbands der Musikindustrie. dpa

Dieter Gorny war Chef der Viva Media AG und ist heute Vorstandsvorsitzender des Verbands der Musikindustrie.

Eines der Kernprobleme der aktuellen Debatte ist es, dass das Urheberrecht vor dem Hintergrund einer vermeintlichen Freiheitsdebatte von einigen wenigen als ein zu überwindendes Hindernis stilisiert wird. Dabei wird vergessen, dass die Freiheit der einen, nämlich die Freiheit, sich gratis mit Medieninhalten versorgen zu können, dann die Unfreiheit der anderen bedeutet, wenn den Urhebern und Kreativen letztlich die Existenzgrundlage abgesprochen wird. Für mich steht fest: Auch oder gerade in einer digitalisierten Welt brauchen wir ein starkes Urheberrecht. Es ermöglicht dem Künstler überhaupt erst, Wertschöpfung zu betreiben und von seinem Tun auch leben zu können.

Im gleichen Atemzug wird uns auch im Jahr 2012 noch immer vorgeworfen, es gäbe kein ausreichendes legales Angebot im Internet. Wie so viele andere Vorwürfe stimmt auch dieser Vorwurf nicht. Es existieren allein in Deutschland etwa 70 legale Online-Musikangebote, darunter Streaming-Dienste wie z. B. Spotify. Doch selbst das beste legale Angebot kann auf Dauer nicht gegen massenhafte illegale Umsonst-Angebote konkurrieren. Das leuchtet den meisten Menschen, und ich denke auch die „Digital Natives“, ein. Es ist deshalb erforderlich, dass der gesetzliche Rahmen geschaffen wird, der die massenhaften Urheberrechtsverletzungen eindämmt und die Durchsetzung von Rechten im Internet ermöglicht.

Kommentare (26)

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Simeon

28.03.2012, 16:12 Uhr

Ich möchte den Author fragen in wie fern er denn das Urheberrecht noch als "aktuel" empfindet. Damit meine ich wie das aktive Urheberrecht denn noch in unsere Gesellschaft passt. Wieviel verdient denn der Komponist an einem ITunes Download? Um da nur mal ein bisschen was zu zeigen: http://www.informationisbeautiful.net/2010/how-much-do-music-artists-earn-online/

Es steht ausser Frage, dass Künstler mit ihrem Talent es verdienen bezahlt zu werden, aber die Bezahlmodelle und das Urheberrecht wie sie im Moment existieren bedürfen dringend einer überarbeitung.......aber nicht im Sinne von Acta! Neue Medien fordern neue Wege fordern neues denken!

Account gelöscht!

28.03.2012, 16:56 Uhr

Urheberrechte sind schlicht und einfach das Eigentum der Künstler, und dieses Eigentum ist vom Grundgesetz geschützt. Wer dem Künstler die Nutzungsrechte an seinem Werk entziehen will, enteignet ihn. Das ist der gleiche Vorgang, wie wenn man einem Piratenpolitiker das i-pad wegnehmen würde: ein Diebstahl!

kleinefee

28.03.2012, 17:15 Uhr

Wie kein shitstorm heute? Was ist los Jungs?
Danke Herr Gorny für das ruhige Statement, aber die juristischen Hintergründe (individuelle Menschenrechte eben auch für Künstler) könnten schon weiter erläutert werde.

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