Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.02.2013

12:50 Uhr

Vertrag mit Pistorius ausgesetzt

Nikes Pech mit den Testimonials

VonTobias Mandelartz

Nikes Werbefiguren werden für die Sportfirma zum Albtraum: Nach Armstrong und Woods sorgt mit Oscar Pistorius das dritte Testimonial für Negativschlagzeilen. Der verwendete Slogan macht die Sache zusätzlich brisant.

Sprinter Oscar Pistorius bei einer Gerichtsanhörung in Südafrika. Reuters

Sprinter Oscar Pistorius bei einer Gerichtsanhörung in Südafrika.

BerlinDie Nachricht raste vor einer Woche um die Welt: Oscar Pistorius, der „schnellste Mann der Welt ohne Beine“, hat offensichtlich seine Lebensgefährtin getötet. Die näheren Umstände sind noch nicht geklärt, aber die vier Schüsse reichen für eine Mordanklage. Bei Nike ist man nicht erfreut, war doch Pistorius eines der Marketing-Aushängeschilder und Star einer millionenschweren Kampagne. Der Sportartikel-Konzern hat den Vertrag mit dem Südafrikaner am Mittwoch offiziell ausgesetzt.

Der Verfasser, Tobias Mandelartz aus Berlin, arbeitet als freier Autor für das Marketingportal marketingfish.de.

Der Verfasser, Tobias Mandelartz aus Berlin, arbeitet als freier Autor für das Marketingportal marketingfish.de.

Wenn man – wie im Falle von Nike – schon kein Glück hatte, kommt nun noch Pech dazu: Der Slogan der Kampagne lautete ausgerechnet „I am the Bullet in the Chamber“ („Ich bin die Kugel im Patronenlager“). Ergänzt unglücklicherweise durch Nikes Slogan „Just Do It“. Man konnte kaum hinsehen, so schnell wurde das Motiv von Webseiten und Plakatwänden entfernt.

Bei dem Golfer Tiger Woods, der in unappetitliche außereheliche amouröse Abenteuer verstrickt war, trennte man sich allerdings nicht so schnell, er ist sogar – neben dem neuen Golf-Star Rory Mcllroy – im neuen Nike Golf-Spot zu sehen. Auch an Lance Armstrong, dem siebenmaligen Gewinner der Tour de France, hielt Nike lange fest. Zu lange, wie viele meinten. Erst als seine Dopingvergangenheit durch ein halbherziges Geständnis bei Amerikas TV-Beichtmutter Oprah Winfrey nicht mehr zu leugnen war wurde er abserviert.

Woods hatte „nur“ eine moralische Verfehlung zugeben müssen, Armstrong hingegen eine sportliche (und zudem moralische). Woods zeigte tiefe Reue, Armstrong zeigte auch im Niedergang noch Arroganz und Überheblichkeit. Unvergessen das Bild, das Armstrong twitterte: Nur drei Wochen nachdem ihm alle seine sieben Tour-Titel aberkannt wurden, zeigt es ihn, wie er relaxt auf einer Couch liegt, an den Wänden hängen gerahmt seine Siegertrikots. Text: „Zurück in Austin und einfach nur am Rumliegen ...“

Paralympics-Star: Ermittler im Fall Pistorius unter Verdacht

Paralympics-Star

Ermittler im Fall Pistorius unter Verdacht

Der Fall Pistorius nimmt eine ungewöhnliche Wendung: Dem Polizisten, der die Ermittlungen gegen Oskar Pistorius leitet, wird versuchter Mord in insgesamt sieben Fällen vorgeworfen. Die Vorwürfe stammen aus dem Jahr 2009.

Für einen Sportartikelhersteller ist ein Testimonial, das nachweislich sämtliche sportlichen Erfolge einzig und allein durch Betrug erlangte selbstverständlich nicht tragbar. Die Trennung von Armstrong war demzufolge ein logischer, wenn auch überfälliger Schritt.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Meow_cat

21.02.2013, 13:10 Uhr

Nicht vergessen werden darf Michael Jordan, der mit einer großen Spielsucht zu kämpfen hatte und nahezu auf alles mögliche eine Wette abgeschlossen hat.. Naja, alles ist wohl immernoch besser als seine Freundin zu erschiessen.. aber gilt nicht in der Werbebranche: "The only thing worse than being talked about is not being talked about."?! :)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×