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03.01.2014

06:27 Uhr

Viviane Reding und Olli Rehn

EU-Kommissare mahnen weitere Reformen an

ExklusivEuropa steht vor einem Wirtschaftsaufschwung, wenn weite Reformen vorangetrieben werden. „Sämtliche Mühen zahlen sich aus“, sagen die EU-Kommissare – insbesondere Krisenländer wie Irland und Portugal machten Mut.

EU-Kommissarin Viviane Reding: „Die Europäer haben zu Beginn des Jahres 2014 einige Gründe, mit Zuversicht nach vorn zu blicken.“ dpa

EU-Kommissarin Viviane Reding: „Die Europäer haben zu Beginn des Jahres 2014 einige Gründe, mit Zuversicht nach vorn zu blicken.“

BerlinDie EU-Kommissare Viviane Reding und Olli Rehn rechnen in diesem Jahr mit einem wirtschaftlichen Aufschwung, wenn Europa weite Reformen vorantreibt. „Wenn wir den Reformkurs beibehalten, kann Europa in diesem Jahr und darüber hinaus auf eine zunehmende wirtschaftliche Erholung hoffen“, schreiben die Vizepräsidenten der EU-Kommission in einem gemeinsamen Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Für viele Bürger seien die schwierigen Zeiten noch nicht vorbei. „Dennoch haben die Europäer zu Beginn des Jahres 2014 einige Gründe, mit Zuversicht nach vorn zu blicken.“ Die jüngsten Arbeitslosenzahlen zeigten eine Trendwende, gerade in Krisenländern wie Irland und Portugal gebe es Beschäftigungszuwächse. „Seit dem Sommer lässt sich eine wirtschaftliche Erholung in Europa feststellen, die sich 2014 beschleunigen dürfte“, so EU- Kommissare. Die Euro-Rettungspolitik der vergangenen Jahre zeige Wirkung. „Sämtliche Mühen, die die Europäer zur Überwindung der Krise auf sich genommen haben, zahlen sich aus“, schreiben sie.

So stehen die Euro-Sorgenländer da

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft. 2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Im Frühjahrsquartal – neuere Daten liegen noch nicht vor – ging es um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bergab. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land wird aber für 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das Bruttoinlandsprodukt soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den für 2013 erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal 2013 brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2013 zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

Gleichzeitig mahnten Reding und Rehn, dass weitere Anstrengungen notwendig seien. Die Staaten müssten ihre Strukturreformen fortsetzen. „Zweitens braucht Europa ein gut funktionierendes Bankensystem, um Investitionen zu fördern und den erforderlichen Strukturwandel zu finanzieren.“ Durch die Bankenunion werde sichergestellt, dass unsere Banken solide seien und im Dienste der europäischen Wirtschaft Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützten.

„Drittens brauchen wir solide Rahmenregeln für eine europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik“, forderten Reding und Rehn. Im Herbst habe die Kommission erstmals die Haushaltsentwürfe der Länder der Euro-Zone prüfen können, dies sei „ein großer Schritt nach vorn in der Koordinierung der Wirtschaftspolitik“.

Von

jhi

Kommentare (7)

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Kapturak

03.01.2014, 07:53 Uhr

Diesen Lügnern glaubt keiner. Die EU hat den Südeuropäern vor der Euroeinführung auch goldene Zeiten versprochen. Stattdessen wurden ganze Bevölkerungsschichten arbeitslos, Generationen junger Menschen haben keine Zukunft.

Vitalis

03.01.2014, 08:02 Uhr

Die Verlautbarungen aus Brüssel kann man unter die Rubrik
fassen: 2 X 2 = 5, weil es eben so seien soll.
Solange die Arbeitslosigkeit in Süd- und Osteuropa (EU)
bei 20 - 25 % liegt und viele im Niedriglohsektor arbeiten wird es keinen Aufschwung geben. Mit welchem Geld sollen diese Bürger konsumieren?
Die europäischen Firmen u. amerikanischen Firmen investieren doch meist in Ostasien und bauen dort neue Fabriken u. Dienstleistungsunternehmen. Solange sich dies nicht ändert, wird es auch keinen Aufschwung hier geben. Wenn der Staat versucht dies auszugleichen, indem er selbst Arbeitsplätze schafft, beschleunigt er seinen eigenen Zusammenbruch, spätestens, wenn nichts mehr in der Kasse ist, was man noch verteilen könnte.

Account gelöscht!

03.01.2014, 08:24 Uhr

Zitat : Europa steht vor einem Wirtschaftsaufschwung, wenn weite Reformen vorangetrieben werden.

- und die Madam hat die Haare schön.................!

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