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10.08.2014

16:30 Uhr

Was ist verdient?

Der große Streit um den gerechten Lohn

VonKatharina Matheis

In der vergangenen Woche trafen zwei Gastkommentare den Nerv unserer Leser. Ein Manager und ein Rettungssanitäter diskutierten: Wie misst man den Wert von Arbeit? Wie die Debatte verlief.

Innerhalb der letzten Minuten der Auktionen für Bundesanleihen entscheiden die Bieter, welche Summen sie für welche Anleihen bieten wollen. Anschließend erfolgt die Zuteilung der jeweiligen Käufe zu der jeweiligen Summe von Finanzagentur und Bundesbank. Die Finanzagentur erklärt: „Während der Auktion sehen die Bieter im Sekundärmarkt, wie der Kurs von Anleihen mit gleicher Laufzeit steigt und fällt. Gleiches gilt für die Anleihe, für die gerade geboten wird.“ Getty Images

Schritt 5: Verteilung

Innerhalb der letzten Minuten der Auktionen für Bundesanleihen entscheiden die Bieter, welche Summen sie für welche Anleihen bieten wollen. Anschließend erfolgt die Zuteilung der jeweiligen Käufe zu der jeweiligen Summe von Finanzagentur und Bundesbank. Die Finanzagentur erklärt: „Während der Auktion sehen die Bieter im Sekundärmarkt, wie der Kurs von Anleihen mit gleicher Laufzeit steigt und fällt. Gleiches gilt für die Anleihe, für die gerade geboten wird.“

Die Resonanz war gigantisch: Rund 40.000 Empfehlungen auf Facebook, 11.000 Nutzer teilten den Beitrag, mehrere Hundert Tweets, Verlinkungen auf verschiedenen Branchenseiten. Die Forderung „Warum ich mehr verdienen sollte!“ eines Rettungsassistenten verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Es war die Antwort auf das Gehaltsplädoyer eines Managers am Montag.

Der Spitzenverdiener hatte mit seinem Gastkommentar offengelegt, warum er sein Topgehalt für gerechtfertigt hält. Das Statement war eindeutig: Hohe Leistung – hohes Gehalt. Der Briefwechsel des Managers und des Rettungssanitäters beschäftigte unsere Leser die ganze Woche lang.

Viele Nutzer bestärkten den Manager. Einige Leser betonten die hohe Verantwortung, die Führungskräfte in der Unternehmensspitze tragen. Es gehe nicht nur um Millionen Euro, sondern auch um Arbeitsplätze, für die ein Manager gerade stehen müsse. Gleichzeitig wurde die unangemessene Verteilung von Löhnen kritisiert. Während die einen immer weniger bekommen, erhalten die anderen immer mehr, so der Eindruck vieler. Zu dieser Feststellung kam auch ein Kommentator auf Handelsblatt Online: „Die Giftwirkung liegt in der Konzentration.“ Eine kleine Gruppe verfüge über den Großteil der Einkommen. Doch andere Leser waren überzeugt, derartige Kritik sei „nichts als Neid“.

Gastkommentar: Warum ich mehr verdienen sollte!

Gastkommentar

Warum ich mehr verdienen sollte!

Ein Manager hat auf Handelsblatt Online sein hohes Gehalt gerechtfertigt. Nun antwortet ihm einer, der weitaus weniger verdient: Ein Rettungsassistent. Warum er glaubt, dass er mehr verdienen sollte.

Der Gegenwind kam umso heftiger, ausgelöst durch die öffentliche Antwort eines Rettungsassistenten. „Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht neidisch auf Ihr Gehalt“, schrieb er. „Doch die Fähigkeiten, die es angeblich rechtfertigen, sind nicht nur in Ihrem Job gefragt!“ Gleiche Anforderungen, gleiche Leistung – aber mit 1600 Euro der Bruchteil eines Managergehalts. Auch in seinem Job werde Belastbarkeit, komplexes Denkvermögen, Entscheidungswille und Feingefühl vorausgesetzt. Gleichzeitig trage er eine weitaus höhere Verantwortung als der Manager: In seinem Beruf können Fehler Menschenleben kosten.

Seit den Veröffentlichungen zählen die Texte zu unseren am meisten gelesenen Artikeln. Webseiten aus der Rettungsbranche wie rettungsdienst.de oder retter.tv stellten den Beitrag online und bestätigten die Schilderungen. Auch auf Twitter bekam der Rettungsassistent Unterstützung aus vielerlei Richtungen.

In den Kommentarspalten im sozialen Netzwerk Facebook und auf unserer Website wurde die Diskussion weitergeführt. Die meisten stellten sich hinter den Rettungsassistenten – ein sogenannter Candy Storm brach aus, das Gegenteil eines Shitstorms. Viele Leser fanden, dass der Artikel „die Absurditäten unseres Systems aufzeigt“, wie ein Kommentator auf der Handelsblatt-Homepage schreibt. Andere Kommentatoren empfanden den gewaltigen Lohnunterschied als unangemessen. Es gehe nicht darum, dass ein Manager viel verdiene und andere Berufstätige wenig – sondern wie stark der Unterschied sei. Überraschenderweise wurde diese These aus vielen Perspektiven unterstützt. „Die teilweise extremen Gehälter einiger weniger Manager stehen in keinem Verhältnis zu deren tatsächlicher Leistung. Ich selbst gehöre als Selbständiger im Finanzsektor einer gut bezahlten Berufsgruppe an. Meine Feststellung beruht also nicht auf dem oft genannten "unberechtigten Neid"“, betonte ein Handelsblatt-Online-Leser.

Kommentare (2)

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Herr Echo Bravo

11.08.2014, 11:16 Uhr

Es ist doch abwegig anzunehmen, Spitzenmanager würden für ihre Arbeit bezahlt, und daraus einen "Stundenlohn" von 50000 € abzuleiten.

Spitzenmanager erhalten das Geld dafür, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Etwas überspitzt formuliert: Ein CEO, der jeden Tag nur eine Stunde im Büro hockt und dann eine richtige Entscheidung fällt, ist entschieden wertvoller als ein CEO, der 20 h am Tag "arbeitet", aber immer wieder falsche Entscheidungen trifft.

Frau Nalan Keines

12.08.2014, 11:23 Uhr

Zitat: "Die Qualifikation für den Rettungsdienst ist auch für Leute mit schlechten Lerneigenschaften gut erreichbar. Die Kurse sind schnell gemacht. Es gibt also deutlich mehr Leute die Rettungsassistent machen können als Manager sein und dadurch kommt das Gefälle zustande."

Mich würde intressieren, wer denn diese Aussage gemacht hat? Und besonders wichtig: ist sie mit der Arbeit und insbesondere der Ausbildung des Rettungsdienstes vertraut?
Ich bin mir doch sehr sicher, dass sie es nicht ist. Denn niemand, der diese Ausbildung gemacht hat würde je sagen, sie sei "schnell gemacht"! Das ist tatsächlich eine Frechheit! Auch wenn die Dauer der Ausbildung nur zwei Jahre beträgt, heißt das in keinster Weise, dass es einfach wäre und ich habe während meiner Ausbildung feststellen können, dass es ohne mindestens einen Realschulabschluss doch einige große Schwierigkeiten mit dem Lernstoff gibt! Ich selbst habe Abitur und übe diesen Beruf aus und er fordert mir jeden Tag höchste Konzentration und Wachsamkeit ab!
Desweiteren ist die Ausbildung eine private Ausbildung, was bedeutet es muss sehr viel Geld aufgebracht werden, um überhaupt eine Schule besuchen zu können.
Ich sehe es als Beleidigung an, wenn behauptet wird, dass die Ausbildung schnell gemacht wäre und das, wie ich vermute von einer Person, die eindeutig nicht aus dem Bereich Rettungsdienst stammen kann!
In dem Artikel sollte dringend auf die Bezeichnung Rettungssanitäter und Rettungsassistent geachten werden, um die Richtigkeit des Artikels aufrechtzuerhalten. Rettungsassitenst stellt die höhere Qualifizierung dar!
Es ist traurig zu sehen, dass scheinbar ohne exakte Kenntnis trotzdem Aussagen immer wieder getätigt und dann auch noch verbreitet werden.

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